«9 von 10 – die Regenmenge lag im obersten Bereich»

Wie heftig waren die Gewitter? Wieso sah man das Unwetter kommen, wusste aber nicht, welche Regionen es treffen würde? Antworten gibt der Meteorologe Roger Perret.

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Herr Perret, wie heftig war das Gewitter der vergangenen Nacht auf einer Skala zwischen 1 und 10?
Roger Perret: Das ist sehr unterschiedlich gewesen, weil es eine ganze Reihe von Gewitterzellen gab. Die heftigsten Gewitterzellen lagen bei der Niederschlagsmenge im Bereich von 9, also im obersten Bereich. Hagel gab es aber praktisch keinen.

Welche Regionen waren am stärksten betroffen und warum?
Die Intensitäten von mehreren Gewitterzellen waren in der Ostschweiz zwischen dem Unteren Bodensee und dem Sarganserland besonders hoch. Auch die Kantone Thurgau und St. Gallen waren stark betroffen und in der Nacht noch das Zürcher Oberland. Sowie die Westschweiz. Um Freiburg gab es eine sehr starke Zelle um 17 Uhr. Die Gewitter sind schlecht gezogen, lange an Ort und Stelle geblieben. Deswegen gab es in den stark betroffenen Regionen sehr viel Regen in kurzer Zeit.

Jörg Kachelmann hat gestern Nachmittag per Twitter gewarnt. Kam das Unwetter so plötzlich?
Nein, es war vorherzusehen, dass es heftige Gewitter geben würde. Sie hatten sich seit langem angekündigt. Aber die Frage, wo diese auftreten würden, war auch am Tag vorher nicht zu beantworten. Es hätte auch in der Zentralschweiz heftige Gewitter geben können. Das wäre meine persönliche Einschätzung nach 15 Jahren Erfahrung gewesen. Dort ist aber praktisch nichts passiert. Aber das Wetter ist leider immer noch nicht komplett vorhersehbar. Das Wetter ist immer noch chaotisch. Gerade bei Gewittern kann man an den Daten nur sehen, dass Potenzial vorhanden ist, aber nicht wo und wie stark es gewittert.

Am Samstag hat SRF Meteo für gestern ganztägigen Dauerregen gemeldet und Meteo Schweiz Gewitter ab rund 15 Uhr. Wie kommt es zu einer solchen Prognosedifferenz?
Ich habe nicht gesehen, was die Konkurrenz vorhergesagt hat. Was SRF gemacht hat, überrascht mich daher etwas. Aber generell kann man sagen: Es gibt verschiedene Modelle, auf die man setzen kann. Wenn man auf das falsche Pferd setzt, dann passiert so etwas. Es gibt Wetter-Apps, die voll automatisiert sind. Die können gefährlich sein. Wir Menschen schauen uns noch vieles an, geben Daten manuell ein und greifen ein, wenn der Automat Fehler macht.

Worin unterscheidet sich das gestrige Gewitter von jenem am Sonntag der vergangenen Woche?
Es gab kaum Unterschiede. Wir hatten wenig Wind in der Höhe. Südströmung. Es war schwülwarm. Vor acht Tagen waren fast alle Zutaten gleich wie gestern. Gestern wiederholten sich die Gewitter sozusagen. Nur waren sie etwas verbreiteter.

Wie sehen die Prognosen für diese Woche aus?
Gewitter sind nicht mehr zu erwarten. Durchschnaufen. Es gibt zwar noch Regen heute und morgen. Am Mittwoch beruhigt sich die Lage etwas, es folgt ein Hoch. Aber das ist am Donnerstag schon wieder weg, es gibt neue Schauer. Am Wochenende wird es dann wechselhaft. Wischiwaschi-Wetter, aber vorerst keine Gewitter mehr.

(spu)

Erstellt: 15.06.2015, 10:41 Uhr

Roger Perret ist Meteorologe bei Meteonews.

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