Ein Banksy für 170 Franken

Das Einzige, was nach einem israelischen Bombenangriff von seinem Haus in Gaza-Stadt übrigblieb, war die von Banksy besprayte Tür. Nun hat sie der Eigentümer im Unwissen über deren wahren Wert verkauft.

Eigentümer bereut den Verkauf: Banksy erstellte drei Strassenkunstwerke in Gaza. Video: Reuters (2. April 2015)

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Ein Graffiti des weltbekannten Strassenkünstlers Banksy hat im Gazastreifen für einen Spottpreis den Besitzer gewechselt. Der britische Maler, über dessen Identität es nur Mutmassungen gibt, veröffentlichte Ende Februar ein Video von drei Werken, die er bei einem heimlichen Aufenthalt in den Kriegstrümmern des isolierten Palästinensergebiet hinterlassen hatte:

Banksy in Gaza: Der britische Strassenkünstler hinterliess seine Spuren im zerstörten Gaza. Video: Youtube / Derek z (25. Februar 2015)

Eines der Gemälde, eine trauernde Göttin Niobe, wurde nur einen Monat später für 700 Schekel (umgerechnet 170 Franken) von einem Journalisten erworben und mitgenommen – Sammler haben auf Auktionen bereits rund eine Million Franken für Banksy-Werke bezahlt.

Erdgöttin auf Ruine

Der berühmte Graffiti-Künstler hatte seine Niobe auf die Eingangstür des zerstörten Hauses der Familie Hamduna gemalt. Die eiserne Tür war nach einem israelischen Bombentreffer im Gaza-Krieg des vergangenen Sommers als einsame Ruine übrig geblieben. Nun steht dort nur noch der leere Türrahmen.

Familienvater Rabie Hamduna warf dem Journalisten vor, ihn hereingelegt zu haben. «Ich hatte ja keine Ahnung vom Wert des Graffitis», sagte der 33-Jährige.

«Er hat behauptet, seine Fotoagentur habe die Malereien auf meiner und anderen Türen in Auftrag gegeben und er solle sie nun zurückholen.» Rabie Hamduna

Weil seine Familie seit der Zerstörung des Hauses zur Miete wohnen müsse und er dringend Geld brauche, habe er in den Kauf eingewilligt, fügte Hamduna hinzu.

Eine Internetkampagne wirft dem Käufer vor, «öffentliches Gut» gestohlen zu haben, das allen Gaza-Bewohnern zugänglich bleiben müsse. Bei dem neuen Besitzer handelt es sich demnach um den frei arbeitenden ortsansässigen Journalisten Bilal Chaled. Er soll unter anderem für eine türkische Nachrichtenagentur arbeiten.

Käufer wollte das Werk «nur schützen»

Chaled bestreitet nicht, die Niobe-Tür für wenig Geld gekauft zu haben. Doch habe er nicht aus Eigennutz gehandelt, versicherte er auf Facebook: «Ich wollte das Werk nur schützen, das beim Wiederaufbau des Hauses gefährdet worden wäre.» Nach seinen Angaben soll die Tür bei internationalen Kunstausstellungen gezeigt werden, «damit die Welt darüber redet, was uns in Gaza widerfährt.»

Ob Banksy darüber erfreut ist? Die Niobe-Tür befindet sich nun in einer Kunstgallerie. Bild: Reuters / Khan Younis (1. April 2015)

Banksy hatte im Gazastreifen noch zwei weitere Werke hinterlassen: Eines zeigt einen Wachturm, der Kindern als Kettenkarussell dient. Auf einem weiteren Wandrest ist eine riesige Katze abgebildet, die mit ineinander verknäuelten Metallresten wie mit einem Wollknäuel spielt:

(pst/AFP)

Erstellt: 02.04.2015, 16:09 Uhr

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