Las-Vegas-Attentäter bereitete sich fast ein Jahr vor

Wie neue Akten des FBI zeigen, ging der Schütze gezielt und methodisch vor. Veröffentlicht wurden die Akten auf Druck eines Richters.

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Was geschah am 1. Oktober in Las Vegas? Warum geschah es – und hätte es verhindert werden können? Es ist beunruhigend, dass es mehr als drei Monate nach dem schlimmsten Massaker der jüngeren US-Geschichte noch immer keine befriedigenden Antworten gibt.

Das Las Vegas Metropolitan Police Department (LVPD) gibt sich schmallippig. Es verweist auf laufende Ermittlungen und wehrt sich gegen die Veröffentlichung. Am Freitag allerdings entschied ein Bundesrichter in Nevada, dass 315 Seiten an Gerichtsakten freigegeben werden müssen.

Laut diesen Akten hat die Bundesbehörde FBI festgestellt, dass das Vorgehen von Paddock gezielt und methodisch gewesen sei. Er habe seine Tat nicht nur gewissenhaft über beinahe zwölf Monate hinweg geplant, sondern durch Vorkehrungen wie zerstörte Handys und unterschiedliche E-Mail-Adressen auch dafür gesorgt, dass sich die Ermittlungen danach schwierig gestalten.

Freundin kooperiert mit der Polizei

Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass Paddock noch mehrere Hundert Schuss Munition in seinem Hotelzimmer hatte. Dass er zudem einen Körperpanzer und eine Gasmaske dabei hatte, deute darauf hin, dass er womöglich eine Flucht geplant hatte. Noch immer ist ungeklärt, warum Paddock nach zehn Minuten aufgehört und sich danach selbst getötet hat. Die Polizei kam etwa 15 Minuten nach den ersten Schüssen in das 32. Stockwerk und stürmte das Hotelzimmer eine Stunde danach.

Paddocks Freundin Marilou Danley, das zeigen Berichte über Vernehmungen, hat ihm zwar dabei geholfen, einige Waffen in Paddocks Haus mit Munition auszustatten. Sie scheint aber nichts von den Massaker-Plänen gewusst zu haben. Auch das Gerücht, dass sie ihren Facebook-Account mehrere Stunden vor dem Massaker gelöscht habe, erwiesen sich als falsch. Den Dokumenten zufolge kooperiert sie mit den Ermittlern und soll weiterhin befragt werden.

Page half ihm mit dem Gepäck

Andere Aussagen stiften dagegen eher Verwirrung. Da gibt es etwa das Statement aus der vergangenen Woche von MGM Resorts International, zu dem das Hotel Mandalay Bay gehört, aus dem Paddock geschossen hat. Die Angestellten hätten in den Tagen vor der Tat mehr als zehn Mal Kontakt zu Paddock gehabt und wären dabei auch in seinem Zimmer gewesen: «Die Interaktionen waren normal.»

Paddock war ein so genannter High Roller. Er spielte um hohe Beträge und bekam deshalb von den Hotels und Casinos Freikarten für Shows oder Gratis-Cocktails in Bars. Er durfte offenbar auch den Mitarbeiter-Fahrstuhl für Sperrgepäck nutzen. So konnte Paddock mehr als 20 Waffen und unglaublich viel Munition in seine Suite im 32. Stock des Hotels bringen. Ein Page half ihm dabei zwei Mal, ohne Verdacht zu schöpfen.

«Ich möchte schon gerne wissen, was die Angestellten als ‹normal› definieren.»Opfer-Anwältin

«Das ist schwer zu glauben», sagt die Anwältin Michelle Tuegel, die mehrere Opfer und deren Angehörige vertritt: «Ich möchte schon gerne wissen, was die Angestellten als ‹normal› definieren und was sie sonst noch zu sagen haben.» Es gibt bereits Klagen gegen die Hotelkette, gegen den Veranstalter des Festivals und den Hersteller der so genannten Bump Stocks, mit denen Paddock seine Gewehre zu automatischen Waffen aufgerüstet hat.

Zudem ist nicht abschliessen geklärt, ob sich die Beamten der örtlichen Polizei an diesem Abend korrekt verhalten haben oder ob sie doch zu spät Paddocks Hotelzimmer erreicht haben. Und es gibt noch immer keine Hinweise darauf, warum Paddock die Tat begangen hat. Ihm sind aufgrund von Panikattacken Beruhigungsmittel verschrieben worden, derzeit wird sein Gehirn untersucht. Es dürfte noch dauern, bis abschliessend geklärt ist, ob noch jemand ausser Paddock die Verantwortung für diesen Abend übernehmen muss. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.01.2018, 13:08 Uhr

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