Pilotinnen sollen Luftfahrt sicherer machen

Mehr weibliche Captains gefordert: Eine Psychiaterin und Suizid-Expertin hält das für sinnvoll – auch weil Frauen seltener Selbstmord begehen.

Ort der Trauer: Ein Denkmal erinnert an die Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen. (27. März 2015)

Ort der Trauer: Ein Denkmal erinnert an die Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen. (27. März 2015) Bild: AFP

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Die Transportbranche ist bisher Männersache: Vor allem Männer sind als Piloten, Lokführer oder Bus-Chauffeure tätig. Bei der Swiss sind von 1341 Piloten nur gerade 59 Frauen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet.

Ein ähnliches Geschlechterverhältnis zeigt sich bei den SBB und beim Postauto: Von 3500 Lokführern sind nur 80 Frauen und von 3079 Postauto-Chauffeuren sind 245 Frauen.

Diesen Anteil erachtet Gabriela Stoppe als deutlich zu tief. Sie ist Psychiaterin und Vizepräsidentin von Ipsilon, dem Dachverband für Suizidprävention in der Schweiz. «Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem auch wegen der Sicherheit», sagt Stoppe gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

«Eine Frage der Zeit»

Ihre Aussage begründet sie damit, dass Frauen eine deutlich tiefere Suizidrate haben. «Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch in Europa ein Pilot mit dem Flugzeug einen Suizid begeht.»

Der Suizid ist bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren in der Schweiz die häufigste Todesursache. 240 Männer haben sich 2012 das Leben genommen. Zwar ist die Zahl der Selbsttötungen in den letzten zehn Jahren leicht zurückgegangen, doch noch immer nehmen sich dreimal mehr Männer das Leben als Frauen. «Dies sollte bei der Auswahl eines Piloten, Chauffeurs oder Lokführers auch berücksichtigt werden», sagt Stoppe.

Die Psyche der Piloten überprüft der Fliegerarzt heute beim Eignungstest. Danach folgen jährlich lediglich medizinische Tests. Vergleichbar ist das Vorgehen bei den SBB und der Post. Angehende Postauto-Chauffeure werden vor allem auf Belastbarkeit, Beobachtungsfähigkeiten sowie auf aggressive Verhaltensweisen geprüft und angehende Lokführer auf berufsbedingte Eigenheiten wie Einsamkeit oder repetitive Tätigkeiten.

Das reicht nicht, wie die Psychiaterin Stoppe sagt. Es würde auch im späteren Berufsleben psychologische Tests brauchen. Und zwar von psychiatrisch geschulten Ärzten. Ob die Swiss die Psyche ihrer Piloten künftig einmal im Jahr testet, wird bei der Airline derzeit diskutiert.

Erstellt: 28.03.2015, 23:20 Uhr

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Psychiaterin und Vizepräsidentin von Ipsilon: Gabriela Stoppe. (Bild: PD)

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