Raubkunst: Schweiz konfisziert, Rom präsentiert

Mehr als 4500 gestohlene archäologische Fundstücke: So viele hat die Schweiz aus dem Verkehr gezogen und nach Italien zurückgeführt. Die Fäden der Ermittlungen laufen bei einem Verdächtigen zusammen.

Zurück in Italien: Gestohlene Kulturgüter im nationalen Museum der Diokletian-Thermen. Die Schweiz gilt als Hort und Drehscheibe des weltweiten illegalen Kulturgüterhandels.

Zurück in Italien: Gestohlene Kulturgüter im nationalen Museum der Diokletian-Thermen. Die Schweiz gilt als Hort und Drehscheibe des weltweiten illegalen Kulturgüterhandels. Bild: Keystone

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5361 gestohlene archäologische Fundstücke sind in Rom präsentiert worden. Mehr als 4500 dieser Objekte waren in der Schweiz sichergestellt worden. Der italienischen Kulturminister Dario Franceschini stellte die Stücke im Wert von über 50 Millionen Euro im nationalen Museum der Diokletian-Thermen vor.

Es handle sich um die grösste Operation zur Rückführung entwendeter Kunstschätze in der italienischen Geschichte, hiess von Seiten der Carabinieri. Zu den Gegenständen, die dank der Ermittlungsarbeit mit Schweizer Behörden – der Basler Staatsanwaltschaft und dem Bundesamt für Justiz – sichergestellt werden konnten, zählen sehr seltene und erlesene Stücke, darunter Votivstatuen, Fresken und Bronzewaffen.

Bereits 2001 im Visier der Staatsanwälte

Die «Teseo» genannte Untersuchung kreist um den in Basel wohnhaften italienischen Olivenöl-Produzenten und Kunsthändler Gianfranco Becchina. Gegen ihn ermittelt die italienische Justiz wegen illegalen Kulturgütertransfers, Hehlerei und Nichtanmeldens von archäologischen Funden.

Der Sizilianer war bereits 2001 in die Schlagzeilen geraten, als die Basler Staatsanwaltschaft in seiner Galerie Palladion Ancient Art in Basel rund 5800 Kunstgegenstände beschlagnahmen liess. Viele Objekte stammten, wie sich herausstellte, aus bedeutenden archäologischen Grabungsstätten in Italien. Becchina muss nun beweisen, dass er seine Objekte legal erworben hat.

Händler mit berühmten Kunden

Zu den Kunden Becchinas zählten etliche Kunstsammler und Museen auf der ganzen Welt. Unter anderen hatten das Getty Museum in Los Angeles, das New Yorker Metropolitan Museum of Art und der Pariser Louvre bei Becchina eingekauft. Becchinas Adressverzeichnis enthielt Hunderte von Namen von Kunden und Museumsleuten.

Die Gegenstände stammten grösstenteils aus illegalen Grabungen in Italien. Unter anderem handelte es sich dabei um Objekte aus der etruskischen und römischen Antike. Darauf gestossen waren die Ermittlungsbehörden im Warenlager der Ehefrau von Gianfranco Becchina, Ursula R. Becchina, die in Basel ein Geschäft betrieb.

2008 präsentierte die Basler Staatsanwaltschaft erstmals die Schätze aus Becchinas sichergestellter «Sammlung». Im gleichen Jahr legte das Bundesamt für Justiz eine Frist von drei Jahren fest, damit die italienischen Behörden die beschlagnahmten Kulturgüter im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen Becchina überprüfen konnten.

Basler Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Im März vergangenen Jahres wurden die Kunstgegenstände und archäologischen Funde dann definitiv an Italien zurückgegeben.

19 Objekte retournierten die italienischen Behörden unterdessen wieder an die Basler Staatsanwaltschaft, da für sie keine Herkunft aus Italien ermittelt werden konnte. Die Staatsanwaltschaft klärt ab, ob die involvierten Personen rechtmässige Eigentümer dieser Gegenstände sind oder ob andere Länder als Herkunftsort in Frage kommen. Die Untersuchung ist nach Angaben der Behörde noch im Gange.

Drehscheibe des illegalen Kulturgüterhandels

Die Schweiz gilt wegen ihrer vergleichsweise laschen Gesetze weiterhin als Hort und Drehscheibe des weltweiten illegalen Kulturgüterhandels. Allerdings hat Bern mit Rom eine bilaterale Vereinbarung über Einfuhr und Rückführung von Kulturgut geschlossen, die seit April 2008 in Kraft ist.

«Wir müssen einen Ort für eine Ausstellung der Fundstücke finden. So muss der Gemeinschaft klar werden, wie gravierend Kunstdiebstahl ist. Die entwendeten Fundstücke sollen in die Regionen zurückkehren, aus denen sie stammen. Lokale Museen können sie aufnehmen», betonte Italiens Kulturminister Franceschini am Mittwoch in Rom. (spu/sda)

Erstellt: 21.01.2015, 21:50 Uhr

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