Strauss-Kahn und der «diskrete» Ort

Beim Zuhälterei-Prozess gegen den einstigen IWF-Chef dreht sich alles um ein Appartement. Dort soll er Frauen empfangen haben, die er als «Material» oder «Geschenke» bezeichnete.

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Dominique Strauss-Kahn hatte sich das «Junggesellen»-Appartement in Paris gemietet, um es für Sexpartys mit Callgirls zu nutzen, so hiess es im Prozess.

Er habe einen «diskreten» Ort für Treffen mit politischen Freunden und mit Frauen gebraucht, begründete der damals verheiratete Strauss-Kahn vor dem Gericht in Lille die Anmietung der Wohnung unter dem Namen eines Freundes. Er blieb aber dabei, dass er nicht gewusst habe, dass die Frauen bei den Sexpartys Prostituierte gewesen seien.

«Wen hast du im Gepäck?»

Die Befragung Strauss-Kahns, die am Donnerstag nach zweieinhalb Tagen zu Ende ging, bezog sich auch auf eine Reihe von SMS-Nachrichten, die der heute 65-Jährige mit anderen Angeklagten in Lille ausgetauscht hatte. «Wen hast du im Gepäck?», schrieb er etwa dem Unternehmer Fabrice Paszkowski. In anderen Textnachrichten wurden die Frauen als «Material» oder «Geschenk» tituliert.

Strauss-Kahn blieb zwar dabei, dass es für ihn um Frauen und nicht um Prostituierte gegangen sei, die zu den Partys mitkommen sollten. Er räumte aber ein, dass dies eine unpassende Wortwahl unter Männern gewesen sei.

Strauss-Kahn hob auch hervor, dass manche der Textnachrichten verdeutlichten, dass ihm die Partys vorgeschlagen worden seien und er nicht der Organisator gewesen sei. Diese Verteidigungslinie hatte der frühere sozialistische Spitzenpolitiker bereits in den beiden Vortagen beibehalten. Die Anklage der schweren Zuhälterei gegen ihn gründet sich unter anderem auf die Textnachrichten und auf das Abhalten von Sexpartys in Strauss-Kahns Wohnung.

Schwere Strafe droht

Dem früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der im Mai 2011 wegen Vergewaltigungsvorwürfen in den USA von seinem Posten hatte zurücktreten müssen, drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft und eine Strafzahlung von 1,5 Millionen Euro.

Mehrere einstige Prostituierte hatten in dem Prozess ausgesagt, dass bei den Treffen mit Strauss-Kahn zwar nie über Geld gesprochen wurde und auch nie über ihre Arbeit als Prostituierte, dass aber Strauss-Kahns harte Sexpraktiken darauf hindeuteten, dass er ihren Job kannte. Auch hätte Strauss-Kahn «naiv» sein müssen, um nicht zu merken, dass sie Prostituierte gewesen seien. Die Sexpartys unter anderem in Paris, Brüssel und Washington waren von Unternehmern bezahlt worden.

In dem Prozess, der bis Ende kommender Woche dauern soll, sind neben Strauss-Kahn 13 Angeklagte – darunter Hotelmanager, ein Polizist, ein Anwalt, ein Zuhälter und Unternehmer – der schweren Zuhälterei beschuldigt. (spu/sda)

Erstellt: 12.02.2015, 16:00 Uhr

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