«Das geht viel zu weit»

Die flämische Medienministerin Ingrid Lieten ist verärgert über gewisse Medien. Die Veröffentlichung der Fotos der Opfer des Busunfalls im Wallis verletze die herrschende Ethik.

Ermahnt die Medien nach dem Busunglück im Wallis: Ingrid Lieten bei einer Gedenkveranstaltung in Lommel. (15. März 2012)

Ermahnt die Medien nach dem Busunglück im Wallis: Ingrid Lieten bei einer Gedenkveranstaltung in Lommel. (15. März 2012) Bild: AFP

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Weil Fotos der verunfallten Kinder irgendwo in einem sozialen Netzwerk im Internet verfügbar seien, «heisst das noch lange nicht, dass man sie auch brauchen und veröffentlichen kann», sagte die flämische Medienministerin Ingrid Lieten heute gegenüber dem flämischen Radiosender VRT. Vor allem dann nicht, wenn die Bewilligung zur Veröffentlichung nicht gegeben worden sei, ergänzte sie. «Das geht viel zu weit», sagte sie.

Die Medien spielten eine wichtige Rolle bezüglich Nachrichten und Information. «Wir alle wollen den Schmerz teilen, aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen», sagte Lieten weiter. Sie rief auch den Ethik-Kodex der Medien in Erinnerung, «bitte halten sie sich daran».

«Wo kämen wir hin, wenn die Fotos der Schwestern und Brüder der Opfer publiziert werden?», stellte die Ministerin als Frage in den Raum. Sie müssten wieder in die Anonymität zurückfinden, in ein normales Leben und versuchen, ihre Trauer mit ihren Eltern zu leben.

Unverpixelte Bilder

Mehrere Zeitungen in Belgien hatten am Donnerstag teils sämtliche Fotos der getöteten und verletzten Opfer des Busunfalls vom Dienstagabend veröffentlicht, unverpixelt. Auch in der Schweiz kursierten Fotos der Opfer im Internet. Beim Unglück waren 28 Menschen, darunter 22 Kinder, ums Leben gekommen. 24 Kinder waren verletzt worden.

Heute wurde in Belgien und den Niederlanden offiziell der Opfer gedacht. Kurz nach 10.00 Uhr landete die erste von mehreren Militärmaschinen auf dem Militärflugplatz Melsbroek bei Brüssel. Sie brachte die ersten Todesopfer aus der Schweiz zurück nach Belgien.

Um 11.00 Uhr wird in Belgien eine Schweigeminute abgehalten, danach sollen allen Glocken der Kirchen im Land für einige Minuten läuten. Die Fahnen wurden in Belgien und den Niederlanden und auch im Wallis auf halbmast gesetzt. (rub/sda)

Erstellt: 16.03.2012, 14:13 Uhr

Presserat kritisiert «Blick»

Der Schweizer Presserat wirft Fragen zur Veröffentlichung von Fotos verstorbener Kinder durch den «Blick» auf. Das Fehlen von öffentlichem Informationswert sei unverkennbar, sagte Dominique von Burg, Präsident des Presserates. Der Informationswert dieser Bilder liege «nahe bei null», sagte von Burg auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Der Präsident des Presserats fragt sich zudem, ob die Zeitung das Einverständnis der Eltern für den Abdruck der Bilder hatte. Die Vorgehensweise schien von Burg «mindestens fragwürdig». Ob der Presserat aktiv werde, sei derzeit noch nicht klar. Der Presserat werde üblicherweise nach Beschwerden aktiv. Er könne aber auch aus eigener Kraft aktiv werden. Eine Intervention müsse von der Mehrheit des Presserats beschlossen werden. Der «Blick zeigte in seiner Ausgabe vom Freitag ein Mädchen auf dem Titelbild, das beim Busunglück vom Dienstagabend in den Tod gerissen wurde. Der Vater gab im Bericht Auskunft. Zudem wurden Bilder von weiteren Opfern abgedruckt. (sda)

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