«Gott kann keine Gleichgültigkeit zeigen vor diesem Ereignis»

Pfarrer Robert Zuber hielt am Donnerstagabend in Siders den Trauergottesdienst zum Busunglück. Im Interview äussert er sich zu dieser schwierigen Aufgabe.

«Noch nie musste ich nach einer solchen Tragödie vor der Gemeinde sprechen»: Pfarrer Robert Zuber (Bild: Chantal Hebeisen/Newsnet).

«Noch nie musste ich nach einer solchen Tragödie vor der Gemeinde sprechen»: Pfarrer Robert Zuber (Bild: Chantal Hebeisen/Newsnet).

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Herr Zuber, Sie halten heute den Gottesdienst. Was ist Ihre Botschaft?
Nach einer solchen Katastrophe muss man sich der Präsenz Gottes bewusst sein. Ich bin sehr überrascht gewesen über die Solidarität der Bevölkerung für die Familie. Ich habe viele Telefonanrufe bekommen von Leuten, die sich erkundigen wollten, ob man Übernachtungsmöglichkeiten für die Familien bräuchte. Oder ob man Tee oder Kaffee vorbeibringen solle.

Sind das nur Bewohner von Siders gewesen?
Ja, überwiegend schon. Als ich mit den Angehörigen der Opfer sprach, spürte ich ebenfalls eine grosse Solidarität. Das zu einem Zeitpunkt, als Familien erfuhren, dass ihr Kind ums Leben kam. Die Unterstützung hat ihnen gutgetan. Für mich war es erstaunlich zu sehen, dass die Familien fähig waren, einander zuzuhören und Mut zu schöpfen. Das alles möchte ich heute in der Predigt erwähnen. In dieser Welt ist man Zeuge von solchen Ereignissen. Ich möchte heute sagen, dass es wichtig ist, dass man Solidarität zeigen kann und Hoffnung. Gott kann keine Gleichgültigkeit zeigen vor diesem Ereignis.

Haben Sie mit den Familien geredet?
Ja, ich war gestern vor Ort, als die Familien eintrafen.

Das muss sehr hart gewesen sein.
Für einige der Familie bestand noch Hoffnung, dass ihr Kind am Leben ist, weil man nicht genau gewusst hat, wer gestorben ist und wer nicht. Es war vor allem dann hart, als die Familien erfuhren, dass ihr Kind nicht mehr lebt.

Wird es heute Abend schwierig sein, den Gottesdienst zu halten?
Es wird für mich sehr emotional sein, weil mir die Gesichter der Helfer und Angehörigen immer wieder in den Sinn kommen werden. Es wird ein Moment voller Emotionen sein, weil ich gedanklich bei den Familien bin. In meinem Gebet werde ich an alle denken.

Werden Mitglieder der Feuerwehr am Gottesdienst teilnehmen?
Ich denke nicht. Polizei ist vor Ort, aber die Feuerwehr nach meinen Erkenntnissen nicht. Ich denke, sie werden im eigenen Kreis gedenken und zur Ruhe kommen.

Wie viele Leute erwarten Sie?
Es wird sicher voll sein. Ich habe zuerst angenommen, dass es eine kleine Messe sein wird. Nun wird die Kirche sicher bis auf den letzten Platz voll sein.

Sie stehen heute im Zentrum der Weltöffentlichkeit. Sind Sie nervös?
Im Moment geht es. Vor der Messe werde ich sicher aufgeregter sein.

Haben Sie eine solch grosse Messe schon abgehalten?
Ich hatte schon solche Messen dieser Grössenordnung abgehalten. Aber nicht unter diesen Umständen. Das ist für mich neu. Noch nie musste ich nach einer solchen Tragödie vor der Gemeinde sprechen. Es wird nicht einfach.

Erstellt: 15.03.2012, 17:08 Uhr

Hier findet der Gottesdienst statt: Kirche Sainte-Croix in Sierre (Bild: Chantal Hebeisen/Newsnet).

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