Wie der Sierre-Tunnel beim Test abschnitt

Der ADAC organisiert regelmässig Tunneltests in ganz Europa. Der Tunnel auf der A 9 schnitt bei der Sicherheit gut ab – doch in Deutschland würde die Unfallstelle heute anders gebaut.

Blick in den Tunnel bei Siders: Eine der Fluchtnischen.

Blick in den Tunnel bei Siders: Eine der Fluchtnischen. Bild: Keystone

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Die jüngste Untersuchung, die den Tunnel nahe Siders berücksichtigt hat, stammt aus dem Jahr 2005, also sechs Jahre nach der Eröffnung des Tunnels. Das Resultat fiel damals mit Gesamtnote «gut» aus. «Der Tunnel hat zwei getrennte Röhren, also keine benachbarten Fahrbahnen mit Gegenverkehr», sagt ADAC-Mitarbeiter Nicolas Adunka, der die Untersuchungen der Tunnel mitbetreut, «er ist gut beleuchtet und verfügt auch über Notgehwege.»

Grundsätzlich, so Adunka, handele es sich also um einen modernen und sicheren Strassentunnel. Pluspunkte sammelte das Bauwerk im Test seinerzeit wegen seiner sicheren Konstruktion; zudem waren die Kommunikationseinrichtungen und die Rettungswege den Testern ein doppeltes Plus wert: die bestmögliche Beurteilung. Den Tunnel in irgendeiner Weise für das schwere Unglück verantwortlich zu machen, findet der ADAC-Fachmann deshalb nicht angebracht.

Offenbar ein komplexes Unfallgeschehen

Was genau geschah gestern Abend im Tunnel? Laut mehreren Berichten unter Berufung auf Ermittler touchierte der Bus zunächst die linke Tunnelwand. Danach schleuderte er wieder nach rechts, um schliesslich frontal auf die Wand der Nothaltebucht zu prallen, die im rechten Winkel zur Richtung der Fahrbahn steht.

In einem neuen Tunnel in Deutschland müsste die Wand nach den aktuellen Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Strassentunneln allerdings abgeschrägt werden. Oder er müsste von einer entsprechend schräg ausgerichteten Schutzeinrichtung geschützt sein, etwa einer «Gleitwand» aus Beton, die ähnlich wie eine Leitplanke wirkt. Dies erläutert der Fachmann und Bauingenieur Roland Leucker von der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (Stuva) in Köln gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Hätte das Busunglück mit einer solchen Bauweise womöglich weniger schlimme Folgen gehabt? In der Schweiz hat das Bundesamt für Strassen bereits damit begonnen, eine Expertengruppe einzusetzen, um die Baunormen zu überprüfen. ADAC-Experte Adunka plädiert derweil dringend dafür, Spekulationen zu vermeiden, bis erste Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen. Und er verweist entgegen einigen Medienberichten ausdrücklich darauf, dass eine schwache Bewertung des Tunnels im Jahr 2005 in der Kategorie «Notfallmanagement» in keinem Zusammenhang mit dem Unglück stehe.

Erstellt: 14.03.2012, 14:54 Uhr

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