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«Das Geständnis kann sich strafmildernd auswirken»

Matthias Fricker hat 2012 einen später des Mordes verurteilten Mann vertreten. Der Jurist weiss, was auf die Anwältin von Thomas N. zukommt.

fal
Die Polizei wird für ihre hervorragende Arbeit belohnt: Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, hält ein Flugblatt mit dem Zeugenaufruf zum Vierfachmord in Rupperswil AG, (24. Dezember 2015)
Die Polizei wird für ihre hervorragende Arbeit belohnt: Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, hält ein Flugblatt mit dem Zeugenaufruf zum Vierfachmord in Rupperswil AG, (24. Dezember 2015)
Walter Bieri, Keystone
Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region.
Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region.
ZVG
Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: Die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn.
Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: Die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn.
strafverteidiger.ch
Matthias Fricker hat 2012 im Kanton Aargau den später verurteilten Mörder Daniel H. verteidigt. Er weiss, was seine Berufskollegin Renate Senn durchmacht. In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» äussert sich der Anwalt dazu. (29. Februar 2012)
Matthias Fricker hat 2012 im Kanton Aargau den später verurteilten Mörder Daniel H. verteidigt. Er weiss, was seine Berufskollegin Renate Senn durchmacht. In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» äussert sich der Anwalt dazu. (29. Februar 2012)
Steffen Schmidt, Keystone
Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region.
Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region.
ZVG
Hier wohnte der Täter: Blick in den Garten des Hauses in Rupperswil AG.
Hier wohnte der Täter: Blick in den Garten des Hauses in Rupperswil AG.
Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger: In diesem Haus in Rupperswil wohnte der Täter.
Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger: In diesem Haus in Rupperswil wohnte der Täter.
Stefan Hohler
Der Täter ist gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim AG über den Vierfachmord von Rupperswil (13. Mai 2016).
Der Täter ist gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim AG über den Vierfachmord von Rupperswil (13. Mai 2016).
Alexandra Wey, Keystone
Hauptmann Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei, und Barbara Loppacher (13. Mai 2016).
Hauptmann Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei, und Barbara Loppacher (13. Mai 2016).
Alexandra Wey, Keystone
Vertreter der Polizei und der Staatsanwaltschaft an der Medienkonferenz.
Vertreter der Polizei und der Staatsanwaltschaft an der Medienkonferenz.
Keystone
Der Vierfachmord von Rupperswil gehört zu den grössten Fällen der Schweizer Kriminalgeschichte: Polizisten am Tatort (21. Dezember 2015).
Der Vierfachmord von Rupperswil gehört zu den grössten Fällen der Schweizer Kriminalgeschichte: Polizisten am Tatort (21. Dezember 2015).
Patrick B. Kraemer
Die Tat: Am 21. Dezember 2015 werden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre zwei jugendlichen Söhne und die Freundin des älteren Sohnes brutal ermordet. Ein Brand soll die Spuren der Tat verwischen. Ein Kriminaltechniker am Tatort.
Die Tat: Am 21. Dezember 2015 werden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre zwei jugendlichen Söhne und die Freundin des älteren Sohnes brutal ermordet. Ein Brand soll die Spuren der Tat verwischen. Ein Kriminaltechniker am Tatort.
Patrick B. Kraemer, Keystone
Spurensuche: Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt. Hier sind sie im Gespräch mit Anwohnern. (24. Dezember 2015)
Spurensuche: Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt. Hier sind sie im Gespräch mit Anwohnern. (24. Dezember 2015)
Walter Bieri, Keystone
Hinweise: Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben.
Hinweise: Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben.
Screenshot Tele Züri
Zeugen gesucht: Die Polizei veröffentlichte ein Bild des 48-jährigen Opfers Carla S., das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. (24. Dezember 2015)
Zeugen gesucht: Die Polizei veröffentlichte ein Bild des 48-jährigen Opfers Carla S., das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. (24. Dezember 2015)
Walter Bieri, Keystone
In der Kirche in Rupperswil wurde der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vierfach-Mordes abgehalten. (8. Januar 2016)
In der Kirche in Rupperswil wurde der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vierfach-Mordes abgehalten. (8. Januar 2016)
Keystone
Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1-Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei.
Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1-Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei.
SVS-Hallen-Masters
Ernüchterung: Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken. Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016)
Ernüchterung: Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken. Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016)
Alexandra Wey, Keystone
Die Aargauer Behörden setzen eine Prämie von 100'000 Franken für Hinweise aus, die zur Festnahme der Täter führen könnten.  (18. Februar 2016)
Die Aargauer Behörden setzen eine Prämie von 100'000 Franken für Hinweise aus, die zur Festnahme der Täter führen könnten. (18. Februar 2016)
Alexandra Wey, Keystone
Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitet den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016)
Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitet den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016)
Alexandra Wey, Keystone
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Vor vier Jahren verteidigte Matthias Fricker Daniel H., der das Au-pair-Mädchen Lucie Trezzini ermordet hatte. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» äussert sich der Jurist zu seiner damaligen Rolle, aber auch zur heiklen Aufgabe von Renate Senn aus Baden, die Thomas N. als Pflichtverteidigerin vertritt. «Unser Rechtsstaat liegt mir am Herzen und ich bin überzeugt, dass jeder Beschuldigte, welch schreckliche Tat er auch begangen hat, Anspruch auf einen fairen Prozess hat», erklärt der Aargauer.

Grundsätzlich könne man gezwungen werden, ein Mandat zu übernehmen. Ihm sei aber kein Fall bekannt, in dem das tatsächlich geschehen sei. «Ist ein Anwalt nicht bereit, ein Mandat anzunehmen, so wird das respektiert.» Der Verteidiger müsse die Interessen des Klienten bestmöglich wahren. Das bedeute aber nicht, dass der Anwalt alles unternehmen müsse, was der Klient von ihm verlange.

Das Verhältnis zwischen Täter und Anwalt

Fricker weiss aus eigener Erfahrung, wie sich das Verhältnis zwischen Verteidiger und Täter entwickelt. «Es wäre falsch, wenn man dem Klienten den Eindruck vermitteln würde, man könne seine Tat nachvollziehen oder verstehen. Der Klient soll wissen, was man von seiner Tat hält», sagt der Jurist der «AZ». Trotzdem solle man dem Klienten mit Respekt begegnen. Man würde ihm das Strafverfahren erklären und eine Verteidigungsstrategie erarbeiten, «wobei der Spielraum im vorliegenden Fall nicht allzu gross sein dürfte».

Die Tat von Thomas N. wird in der Öffentlichkeit als sadistisch bezeichnet, die Schweizer Medien berichten intensiv und teilweise mit grosser Härte über den Vierfachmord von Rupperswil. Die Berichterstattung in den Medien dürfe sich aber nicht auf die Arbeit des Verteidigers auswirken, so Fricker. «Das ist in einem Fall wie dem vorliegenden nicht einfach. Trotzdem muss man immer versuchen, sich im Gespräch mit dem Beschuldigten ein eigenes Bild zu machen.»

Die Frage nach der Länge der Therapie

Für Fricker ist klar, dass sich nach heutigem Wissensstand die Frage nach einer lebenslänglichen Verwahrung stelle. «Die gesamten Umstände der Tat lassen vermuten, dass der Täter an einer gravierenden Persönlichkeitsstörung leidet. Dazu kommt die sexuelle Komponente der Tat.» Es werde sich die Frage der Therapiebarkeit des Beschuldigten stellen. Je nachdem, zu welchem Schluss die Gutachter diesbezüglich gelangen würden, stünden eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen (kleine Verwahrung), eine ordentliche Verwahrung oder eine lebenslängliche Verwahrung im Vordergrund, sagt der 40-jährige Jurist.

Dass Thomas N. ein Geständnis abgelegt hat, kann sich gemäss Fricker strafmildernd auswirken. «Sofern das Geständnis nicht erst zu einem Zeitpunkt kommt, wenn die Beweislast ohnehin schon erdrückend ist. Aber auch beim Geständnis gilt, dass andere, straferhöhende Umstände dazu führen können, dass die Strafe im Ergebnis doch nicht tiefer ist», erklärt der Strafrechts-Experte.

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