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«Er hätte das Todesurteil verdient»

Er habe den Tod von 304 Passagieren verursacht: Ein südkoreanisches Gericht verurteilte den Kapitän der versunkenen Fähre Sewol zu einer lebenslangen Haftstrafe. Angehörigen der Opfer ist das zu wenig.

Der Kapitän müsse «für immer von unserer Gesellschaft ferngehalten werden»: Der Richter verkündet das Urteil. (28. April 2015)
Der Kapitän müsse «für immer von unserer Gesellschaft ferngehalten werden»: Der Richter verkündet das Urteil. (28. April 2015)
Ahn Young-joon, Keystone

Ein Jahr nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre Sewol hat ein Berufungsgericht den Kapitän zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Lee Jun Seok habe durch seine «verantwortungslosen Handlungen» den Tod von 304 Menschen verursacht und müsse «für immer von unserer Gesellschaft ferngehalten werden», befand das Gericht in Gwanju. In erster Instanz hatte der 69-Jährige wegen grober Fahrlässigkeit eine 36-jährige Haftstrafe erhalten.

Die überladene Sewol war am 16. April 2014 vor der Insel Jindo gekentert. Von den 476 Menschen an Bord kamen 304 ums Leben, darunter 250 Schüler.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Lee und der grösste Teil der Besatzung aber überlebten, unter anderem weil sie zu den ersten gehörten, die das Schiff verliessen, während hunderte Passagiere im Inneren gefangen waren. Für zusätzliche Empörung sorgten Smartphone-Aufnahmen von Lautsprecherdurchsagen, die alle Passagiere aufforderten, an Bord zu bleiben, während die Sewol bereits immer stärker in Schlagseite geriet.

14 Besatzungsmitglieder wurden in erster Instanz zu Gefängnisstrafen zwischen fünf und 30 Jahren verurteilt. In einem Berufungsprozess wurden die Strafen aber auf eine Dauer zwischen 18 Monaten und zwölf Jahren verringert.

Staatsanwaltschaft: Tod bewusst in Kauf genommen

Das Urteil der ersten Instanz gegen Lee im November hatte bei den Angehörigen der Opfer heftige Entrüstung ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Wie schon im ersten Prozess forderte sie die Todesstrafe für den Kapitän. Sie argumentierte, Lee sei von der sinkenden Fähre geflüchtet, ohne auch nur einen Schritt zur Rettung der Passagiere zu unternehmen und habe somit ihren Tod bewusst in Kauf genommen.

In seinem ersten Prozess hatte Lee schwere Fehler eingeräumt und gesagt, dass er dafür die «Todesstrafe» verdiene. Er bestritt allerdings, die Passagiere absichtlich geopfert zu haben.

Mutter enttäuscht über Urteil

Die Mutter eines umgekommenen Schülers äusserte sich enttäuscht, dass der Kapitän nicht zum Tode verurteilt wurde.

«Was macht es für einen alten Mann wie ihn einen Unterschied, ob er 36 Jahre in Haft kommt oder lebenslänglich. Er hätte das Todesurteil verdient.»

Jeong Hye Sun, Mutter

Einem im vergangenen Juli veröffentlichten Bericht zufolge trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zur Katastrophe bei. Die Wut der Bevölkerung aber richtete sich vor allem gegen das Versagen der Besatzung. Insgesamt 295 der 304 Todesopfer konnten bis November geborgen werden, dann wurde die Suche eingestellt. Die gesunkene Sewol soll nun gehoben werden.

AFP/pst

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