Fussball-Kids in der Höhle: Am schlimmsten ist die Dunkelheit

Was mit Körper und Geist passiert, wenn man lange in einer Höhle eingeschlossen ist.

Lachen trotz Ungewissheit: Die eingeschlossenen Knaben in der Höhle in Thailand. (Video: Tamedia/AFP)

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Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Die zwölf eingeschlossenen Jugendlichen und ihr Trainer werden in der Höhle nicht erfrieren. Steinhöhlen nehmen im Lauf ihrer Entstehung die lokale Jahresmitteltemperatur an, weshalb es in der thailändischen Höhle um die 20 Grad warm ist. «Das ist massgeblich dafür, dass die Kinder noch am Leben sind», sagt Nils Bräunig, Sprecher des Höhlenrettungsverbundes Deutschland. Zum Vergleich: In westeuropäischen Höhlen ist es mit 7 bis 9 Grad deutlich kühler und damit gefährlicher für eingeschlossene Personen.

Eine extreme Belastung für die Jugendlichen ist hingegen das Ausharren in völliger Dunkelheit. Möglicherweise konnte die Gruppe mit dem Strom ihrer Lampen haushalten, ansonsten aber herrschte die Finsternis. Wenn der Rettungsexperte Bräunig Besuchergruppen durch Höhlen führt, macht er manchmal den Taschenlampentest: Licht aus! Die Teilnehmer sind dann zumeist erstaunt, welche sonderbaren Eindrücke das Gehirn dennoch wahrnimmt, etwa die Schatten der Hände, obwohl diese eigentlich gar nicht zu sehen sind. «Wir sind es nicht gewohnt, nichts zu sehen», sagt Bräunig.

Was für die Teilnehmer geführter Touren ein Aha-Erlebnis ist, kann die eingeschlossenen Jugendlichen in eine psychische Extremsituation führen: Panik macht sich breit. Aus ähnlichen Fällen mit eingeschlossenen Bergleuten weiss man, dass diese Angstattacken in den ersten Stunden besonders heftig sein können. Danach komme es sehr darauf an, ob jemand in der Gruppe besonnen reagiere und die anderen beruhigen könne.

Es ist zudem sehr wichtig, dass die Jugendlichen nach ihrer Rettung psychologisch betreut werden. Denn die Erinnerung versetzt manche Überlebende auch noch Wochen später zurück in die Grube, zurück in die Todesangst. Tatsächlich kann eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung die Erlebnisse noch Jahre später wieder hochkommen lassen.

Gruppe mit Führer ist ein Vorteil

Rettungsexperte Bräunig sieht im aktuellen Fall allerdings ein positives Detail: Der Trainer der Jugendlichen ist bei ihnen und kann als Autoritätsperson Panikattacken womöglich abfangen. «Wir haben hier ein klares Gruppe-Führer-Verhältnis», sagt Bräunig. In einer Gruppe sich unbekannter oder in der Hierarchie gleichgestellter Menschen, etwa unter eingeschlossenen Bergleuten, ist dieses Gefüge zunächst noch offen und wird manchmal über Machtkämpfe verhandelt. Eine zusätzliche Tortur, die eingeschlossene Personen zermürben kann.

Andere körperliche Probleme, die die Dunkelheit mit sich bringt, sind Unwohlsein, Übelkeit und ein aus dem Takt gekommener Schlaf-wach-Rhythmus. Denn Licht steuert über ein Nervengeflecht im Gehirn massgeblich die innere Uhr des Körpers und beeinflusst damit auch die Körpertemperatur, den Blutdruck und die Aktivität von Genen. Brüchige Knochen durch Vitamin-D-Mangel sowie fahle Haut und Haare hingegen treten erst nach Wochen in Dunkelheit auf. Auch die Augen der Jugendlichen werden sich schnell erholen, wenn auch das erste Licht nach Tagen in Dunkelheit schmerzhaft ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.07.2018, 15:12 Uhr

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