Kalter Krieg im Skigebiet

Ein Grindelwalder Barbetreiber stellt sich gegen eine neue Bergbahn. Als «Racheaktion» halten die Jungfraubahnen nun die Gäste von seiner Pistenbar fern.

Trügerisches Idyll: Skifahrer im Jungfraugebiet.

Trügerisches Idyll: Skifahrer im Jungfraugebiet. Bild: Keystone

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Eigentlich ist alles wunderbar: Anders als in anderen Jahren liegt in den Bergen viel Schnee. Und während das Flachland seit Tagen unter einer zähen Nebeldecke liegt, scheint im Jungfraugebiet die Sonne. Doch unter dem blauen Himmel im Winterwunderland tobt über die Weihnachtstage ein erbitterter Streit.

Die Akteure: Die Jungfraubahnen und ein frühpensionierter Grindelwalder, der auf der Talabfahrt zwischen der kleinen Scheidegg und Grindelwald eine Pistenbar betreibt. Seit gestern ist diese geöffnet. Ob überhaupt Gäste zur Bar vor seinem Chalet kommen werden, war aber nicht klar.

Denn die Pistenfahrzeuge der Jungfraubahn hatten just einen Tag vor der Eröffnung der Bar mit Pistenfahrzeugen einen Schneewall erstellt - oberhalb der Bar quer über die ganze Skipiste. Die Skifahrer wurden so an der Bar vorbeigeleitet. Für Otto Kaufmann, den Barbetrieber, ist das alles andere als Zufall. Für ihn ist der Mauerbau eine Racheaktion der Jungfraubahnen, mit der man ihn zudem unter Druck setzen wolle. «Dies weil ich mein Land nicht freiwillig hergeben will».

Der Schneewall oberhalb der Bar Ottis Arvengarten in Grindelwald. (Bild: Manfred Braun/ Facebook)

Umstrittenes Bahnprojekt

Über Kaufmanns Land hinweg wollen die Jungfraubahnen die umstrittene V-Bahn bauen, welche die Gäste direkt von Grindelwald Grund zum Eigergletscher am Fusse des Eigers transportieren soll. Mit der Bahn soll die Reisezeit aufs Jungfraujoch verkürzt werden. Die Naturschutzorganisationen haben ihren jahrelangen Widerstand Anfang Dezember aufgegeben. Kaufmann ist als letzter Einsprecher übrig geblieben. Man hat ihm Geld angeboten. Doch der Rückzug fällt ihm schwer.

«Ich kann nicht hinter dem Projekt stehen», sagt Otto Kaufmann, der früher als Teilzeitkondukteur bei der Jungfraubahn arbeitete. Ebenso wenig könne er das Vorgehen der Jungfraubahnen mittragen, die niemanden ins Projekt miteinbezogen hätten. Sollte es zu keiner Einigung mit den Jungfraubahnen kommen, droht Kaufmann die Enteignung. Trotzdem habe er nicht vorgehabt, bis vor Bundesgericht zu gelangen, sagt Kaufmann. «Durch das Anbringen des Schneewalls überlege ich mir dies aber nun noch einmal.»

«Eine Eskalation»

Otto Kaufmann will in den kommenden Tagen seinen Anwalt kontaktieren. Zwar haben die Jungfraubahn inzwischen eine Lücke in den Wall gemacht. Kaufmann fürchtet sich aber davor, dass man ihm den Gästestrom während der einträglichen Tage beim Jahreswechsel erneut kappen wird.

Bei den Junfgraubahnen bestätigt man das Anbringen des Schneewalls. Man habe dies «aufgrund von Kundenbedürfnissen gemacht», sagt die Sprecherin. Mehr wolle man dazu nicht sagen. Ein leitender Bergbahnangestellter spricht gegenüber dem «Bund» aber von einer «Eskalation».

Im Tal der schwarzen Lütschinen geht der Kalte Krieg weiter - daran ändert auch das frühlingshafte Bergwetter nichts.


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(Der Bund)

Erstellt: 26.12.2017, 08:53 Uhr

Mauerbau in Grindelwald. (Bild: Manfred Braun (Facebook))

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