Krabben aus ölverseuchten Gewässern

Von rostenden Plattformen und brüchigen Pipelines sickert Erdöl ins Wasser des Maracaibo-Sees. Die ve­ne­zo­la­nischen Fischer vor Ort kämpfen um ihre Existenz.

Am Limit: Fischer riskieren bei ihrer Arbeit im Nordwesten von Venezuela ihre Gesundheit. Video: Tamedia

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In den 1990er-Jahren zählte Venezuela zu den reichsten Ländern Lateinamerikas. Grund dafür war die boomende Ölindustrie. Aus dem Maracaibo-See sprudelte aus Tausenden Quellen Erdöl. Dann aber kam die Krise. Politische Konflikte, Korruption und scharfe Wirtschaftssanktionen führten zu einer immer weiter einbrechenden Produktion. Stillgelegte Erdölförderungsanlagen wurden häufig auch nicht mehr gewartet und verrotten langsam, aber sicher. Inzwischen hat sich die Gegend rund um das Binnenmeer im Nordwesten von Venezuela in eine verschmutzte Ödnis verwandelt. Aus Hunderten von rostenden Plattformen und gerissenen Pipelines sickert Rohöl ins Wasser.

Niemand spürt die ökologischen Folgen der zusammenbrechenden Ölindustrie Venezuelas so unmittelbar wie die Fischer am Maracaibo-See. Sie fischen täglich Tiere aus dem mit Öl verschmutzten Gewässer. Dabei setzen sie ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel. Immer wieder kommt es zu schweren Arbeitsunfällen. Erst vor kurzem haben sich drei Fischer schwere Verbrennungen zugezogen, als sie den mit Öl verdreckten Motor ihres Bootes zündeten und ein Funke zu einer Explosion führte.

Mit dem Fischen aufzuhören, ist für viele Menschen am Maracaibo-See aber keine Option, so gibt es in der Umgebung für sie kaum andere Möglichkeiten, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. So gehen die Fischer weiter ihrer mühsamen Arbeit nach. Sie fangen mit Öl verschmutzte Fische und Krabben, schrubben sie mit blossen Händen sauber und machen sie bereit für den Transport in Verarbeitungsbetriebe. Von dort werden die Tiere an Verbraucher geliefert – unter anderem auch in die Vereinigten Staaten. Ob die Kunden dort wissen, dass die Krabben auf ihren Tellern aus ölgetränkten Gewässern stammen, ist zweifelhaft.

Erstellt: 21.10.2019, 21:05 Uhr

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