Bern

Berner Model Julia Saner muss abnehmen

Ab September will die Bernerin Julia Saner als Model in Paris durchstarten. Dafür muss sie einige Kilos verlieren. Ein anstrengendes und nicht ungefährliches Vorhaben. Dabei hilft ihr FC-Thun-Assistenztrainer Eric-Pi Zürcher.

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Wo nur soll dieses Mädchen noch abnehmen?, denkt man, als Julia Saner das Berner Fitnessstudio City Fit betritt, um zu trainieren. Die Bernerin ist 1 Meter 81 gross und sieht wahnsinnig schlank aus. Aber sie muss noch dünner werden. Denn im September reist die 18-Jährige nach Paris und will alles auf die Modelkarriere setzen.

Dafür, so sagte ihre Agentur Option Models, muss sie «wieder in Form kommen». Sprich: einige Kilos verlieren. Wie viele genau, will Julia Saner nicht sagen, «weil man mich sonst auf diese Zahlen reduziert», wie sie aus schlechter Erfahrung weiss. Es gehe ohnehin weniger um die Kilos denn um die Masse: Jeder Millimeter mehr als 62 Zentimeter Bauchumfang und 91 Zentimeter Hüftumfang schmälert die Chancen eines Models auf Laufstegjobs.

Und in den letzten Monaten waren es einige Zentimeter mehr geworden. «Ich habe mich auf die Matura konzentriert, da konnte ich nicht mehr so aufs Essen achten und viel Sport treiben.» Zwar ist Julia den Grand Prix gelaufen, aber danach gings an die Prüfungen, und da habe sie «ein wenig zugenommen». Diese Pfunde müssen wieder weg, an ihre Stelle sollen Muskeln treten.

Butter ist verboten

«Wir sind jetzt schon fast am Ziel», sagt Eric-Pi Zürcher nach gut einem Monat intensiven Trainings. Der Berner ist seit sieben Jahren Personal Trainer mit Spezialgebiet Fettverbrennung und hauptberuflich Assistenztrainer beim FC Thun. Er betreut Julia Saner seit Anfang Juli, ihr Vater Albi hatte den Kontakt hergestellt. Zürcher, der ausgebildeter Swiss-Olympic-Konditionstrainer ist, hat Julia ein Fitnessprogramm geschrieben und ihre Ernährung umgestellt. Butter und Käse sind gestrichen, Kohlenhydrate stark eingeschränkt, zum Znacht gibts gekochtes Gemüse. Julia trinkt Kräutertee, der den Stoffwechsel ankurbeln soll. Dreimal pro Woche geht die 18-Jährige ins City Fit und macht eine Stunde Kraftübungen. Jeden Morgen joggt sie eine Stunde mit leerem Magen, nur einen Kaffee darf sie davor trinken. Dazu trägt sie eine Pulsuhr, um im Bereich der Fettverbrennung zu trainieren.

«Ein gewisses Risiko»

Trotz des intensiven Trainings dauerte es eine Weile, bis Julia abnahm. «Der Körper wehrt sich. Abnehmen ist gegen die Natur, und bei einer Figur wie der von Julia gehts schon ins Extreme», räumt Erich-Pi Zürcher ein. Anfangs zögerte er deshalb auch, den Auftrag anzunehmen. Er war sich bewusst, dass «ein gewisses Risiko» bestehe, und spricht damit Essstörungen an. Am Ende sagte er aber doch zu – weil er das Gefühl hatte, Julia würde die richtige Balance zwischen Disziplin und Gesundheit halten können. «Sie wirkt auf mich sehr reif und gefestigt. Wenn ich Angst um sie haben müsste, hätte ich abgesagt.» Er findet, «Opfer zu bringen, heisst nicht, Opfer zu sein». Aber, das räumt auch Zürcher ein: «Es ist ein schmaler Grat.»

Modeln als Spitzensport

Julia sagt, sie habe keine Angst davor, eine Essstörung zu entwickeln. «Aber ich habe Respekt vor dem Thema.» Für sie ist das extreme Figurbewusstsein der Preis, den sie für ihre Karriere zahlen muss. «Ich habe diese riesige Chance, von der so viele träumen. Dafür bin ich bereit zu arbeiten», sagt sie. Und fügt an: «Sonst hätte ich gleich studieren können. Wenn es nicht klappt, will ich es wenigstens richtig versucht haben.»

Julia und ihr Trainer vergleichen die körperliche Vorbereitung aufs Modeln mit dem Training eines Spitzensportlers. Auch Radrennfahrer und Skispringer müssen extrem auf ihr Gewicht achten – und dabei Höchstleistungen erbringen. «Spitzensport hat nichts mit Gesundheit zu tun», sagt Eric-Pi Zürcher. «Aber wenn jemand an die Spitze will, muss er diese Disziplin aufbringen. Das gilt für einen Sportler genauso wie für ein Model.»

Kaugummi als Zuckerersatz

Julia fiel das Programm vor allem am Anfang schwer. «Auf Süsses zu verzichten, war hart. Aber man gewöhnt sich schnell daran.» Appetitzügler nehme sie nicht, nur ab und zu Kaugummi für den süssen Geschmack. Und das morgendliche Joggen hat sie inzwischen richtig lieb gewonnen: «Es tut mir gut.»

Auch in Paris will sie weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche trainieren, um ihr Gewicht zu halten. Das Ernährungsregime dürfte sich dann etwas lockern, aber sie werde weiterhin gesund essen. «Die Arbeit an meinem Körper», sagt Julia Saner, «ist nun eben Teil meines Jobs.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.08.2010, 10:32 Uhr

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