«Burlesque» statt Bunga-Bunga

Italiens Ex-Ministerpräsident Berlusconi ist erstmals persönlich zum laufenden Ruby-Prozess erschienen. In einer Verhandlungspause legte er den Medien seine ganz persönliche Sicht der Dinge dar.

«Keine wilden Partys gefeiert»: Ex-Premier Silvio Berlusconi während seiner Amtszeit. (8. Dezember 2011)

«Keine wilden Partys gefeiert»: Ex-Premier Silvio Berlusconi während seiner Amtszeit. (8. Dezember 2011) Bild: Keystone

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Bei den Partys in der Villa des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi haben die weiblichen Gäste nach Angaben des «Cavaliere» harmlose Wettbewerbe im Burlesque-Tanzen veranstaltet und trainiert. Die Übungseinheiten hätten nach einem «eleganten Abendessen» in einer von «Freude, Heiterkeit und Geselligkeit» geprägten Atmosphäre stattgefunden, sagte Berlusconi am Freitag in Mailand.

Der Ex-Regierungschef erschien am Morgen überraschend zu dem gegen ihn laufenden Rubygate-Prozess. Es war sein erster Auftritt während des Verfahrens. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2010 mit der zur Tatzeit minderjährigen Nachtclub-Tänzerin Karima al Mahrough alias Ruby Rubacuore Sex gehabt zu haben. Später soll der damalige Regierungschef sein Amt missbraucht haben, um die wegen Diebstahls festgenommene Marokkanerin freizubekommen.

«Ein elegantes Abendessen»

In einer Verhandlungspause äusserte Berlusconi seine Sicht der Dinge: Er habe in seiner Villa in Arcore in der Nähe von Mailand keine wilden Partys gefeiert, sondern zu «eleganten Abendessen» eingeladen, sagte er vor Journalisten. In einem Raum, bei dem es sich um «die alte Disko» seiner Kinder gehandelt habe, hätten die weiblichen Gäste anschliessend für «Burlesque-Spektakel» trainiert oder Wettbewerbe in dem aufreizenden Tanzstil veranstaltet, bei dem ein Striptease angedeutet wird.

Zugleich verteidigte sich Berlusconi gegen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, er könnte von ihm geleistete Geldzahlungen an drei Frauen nutzen, um deren Aussagen vor Gericht zu beeinflussen. «Ich zahle den Unterhalt dieser Mädchen, weil dieser Prozess ihr Leben ruiniert hat», sagte der 75-Jährige. Das «nutzlose» Verfahren gegen ihn habe etwa 30 Frauen in Not gebracht. Sie hätten ihre Jobs und Partner verloren. «Ihr einziger Fehler war, eine Einladung zum Abendessen bei mir anzunehmen.»

Das Telefonat mit der Polizei

Im Mittelpunkt des Verhandlungstages stand am Freitag die Anhörung von Zeugen. Sie wurden zu der Nacht befragt, in der Berlusconi bei einer Polizeistation in Mailand angerufen und die Freilassung von Ruby verlangt haben soll. Berlusconi weist die Vorwürfe zurück, Sex mit einer Minderjährigen gehabt und sein Amt missbraucht zu haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Haft.

(jak/AFP)

Erstellt: 20.04.2012, 15:49 Uhr

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