Der Ferrari-Protzer

Philipp Plein, Designer mit Firmensitz in Lugano, inszeniert gerne sein Luxusleben. Jetzt hat er Ärger mit Ferrari.

Selbstinszenierung auf Instagram: Philipp Plein, Designer und Modeunternehmer. Foto: Instagram

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Philipp Plein ist ein erfolgreicher Modemacher mit einem Hang zur Prahlerei. Der einstige Jurastudent aus München hat keinerlei Hemmungen, seinen Reichtum zu zeigen, ganz im Gegenteil. Sein Instagram-Account ist voller Aufnahmen aus seinem Luxusleben. Schliesslich soll die ganze Welt wissen, dass er mehrere Ferrari, Bentley und Rolls-Royce besitzt.

Wenn der Designer seine Modeshows veranstaltet, muss es krachen. Er lässt Musikstars einfliegen, baut auch mal eine Achterbahn auf. Seine Mode bezeichnet Plein als «Luxury Street Couture». Zu seinen Fans zählen Madonna, Kim Kardashian und Cristiano Ronaldo. Der «Spiegel» bezeichnete Plein als «Angeber, der Mode für Angeber macht». Wegen seiner eigenwilligen Selbstinszenierungen hat er nun Ärger.

Abmahnung von Ferrari

Der italienische Autobauer Ferrari hat Plein abgemahnt. Die Fotos und Videos, die der 41-jährige Designer kürzlich auf Instagram veröffentlichte, seien «geschmacklos». Plein propagiere einen «Lebensstil, der mit Ferraris Markenbild völlig unvereinbar ist, mit Darstellerinnen in aufreizenden Posen und Ferrari als Requisiten». Ausserdem missbrauche er den Namen und das Logo von Ferrari zu Werbezwecken für seine Marke und Produkte. Ferrari-Anwalt Fabrizio Sanna verlangte die sofortige Löschung der Aufnahmen.

Zu sehen sind etwa ein grüner Ferrari 812 Superfast, zwei Frauen in knappsten Bikinis, Turnschuhe der Marke Plein sowie Plein selbst mit einem spritzenden Gartenschlauch in der Hand und sitzend auf der Vorderseite des Luxuswagens. Die Fotos und Videos sind Variationen des Immergleichen.

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Plein spricht gerne über seinen Erfolg. «Meine erste Million habe ich mit 24 gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder», sagte er vor zwei Jahren in einem Interview mit dem deutschen «Manager-Magazin». Auf die Frage, ob er ein Prolet sei oder ein Genie, antwortete er: «Weder noch. Ich bin ein Macher.» Seine erste Kollektion waren Vintage-Militärjacken, die er mit Swarovski-Totenköpfen bestickt hatte. Mit der nötigen Besessenheit fand er im Luxusmarkt ein Nischenpublikum. 2004 lancierte Plein seine erste eigene Modemarke. 2010 eröffnete er Boutiquen in Wien, Moskau, St. Tropez, Cannes und Kitzbühel. Heute gibt es rund um den Globus über 100 Plein-Geschäfte an exklusivsten Adressen.

Die «Luxury Street Couture» ist gemäss ihrem Schöpfer verrückt, Emotionen weckend, jung, glaubwürdig und wahr. «Wenn jemand viel Geld für unsere Mode ausgibt, hat er das Gefühl, etwas Gutes für sich zu tun.» Pleins Produkte sind sehr teuer, so können Turnschuhe schon mal 1998 Euro kosten oder Lederjacken 85'000 Euro. Manche Konkurrenten verspotten ihn als «King of Bling» und halten ihn für ein Grossmaul, das niveaulose Mode für Neureiche macht. Solche Kritik ist dem Designer egal, «solange unsere Kunden an uns glauben». Plein ist jedenfalls erfolgreich unterwegs.

Das Hauptquartier von Pleins Firmengruppe befindet sich in Lugano, wo er auch einen seiner Wohnsitze hat. Seine Marken heissen Philipp Plein, Plein Sport und Billionaire Couture. Letztere übernahm Plein vom einstigen Formel-1-Manager Flavio Briatore. Dem Modemacher wird Geschäftssinn und Leistungswille nachgesagt, seine Firmen sind auf Expansionskurs. Der Umsatz liegt mittlerweile bei über 250 Millionen Euro. Die Schweizer «Bilanz» veröffentlichte Ende 2018 einen Artikel über «einen der erfolgreichsten Modeschöpfer». Dabei schätzte sie den Wert der Plein-Firmen auf rund 500 Millionen Euro. Das Ziel des Erfolgdesigners ist die «Weltherrschaft», wie er einmal scherzte. Was er meinte, ist «in jeder Stadt ein Philipp-Plein-Geschäft».

Im Moment beschäftigt Plein die Abmahnung von Ferrari. Wie es seinem grossen Ego entspricht, will er nicht klein beigeben. Auf Instagram zeigt er sich verärgert. Umso mehr, als er in den letzten zehn Jahren vier Wagen des Autobauers aus Maranello gekauft habe. Ein Unternehmen solle sich «zweimal» überlegen, einem «treuen Kunden» solch einen Brief zu schreiben. «Ich bin angesichts dieses unprofessionellen und aggressiven Verhaltens sprachlos.» Der Modemacher erwartet nun eine Entschuldigung von Ferrari.

Erstellt: 02.08.2019, 19:28 Uhr

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