Der Garten der First Lady

Michelle Obama hat ihren Gemüsegarten so befestigt, dass er die nächste Präsidentschaft übersteht.

Michelle Obama mit Kindern im vergrösserten Garten. Foto: Getty Images

Michelle Obama mit Kindern im vergrösserten Garten. Foto: Getty Images

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Das Weisse Haus ist ja im Grunde nur eine provisorische Behausung. Das Mietverhältnis ist immer befristet, spätestens nach einigen Jahren muss der jeweilige Bewohner wieder ausziehen, da ist nichts zu machen. Grössere Umbauarbeiten und Einrichtungsbemühungen lohnen sich deswegen eigentlich nicht.

Doch Michelle Obama, die das Weisse Haus im Januar verlassen wird, hat nun ihren berühmten Gemüsegarten sozusagen regierungswechselfest gemacht. Die Sandwege zwischen den Beeten, in denen Kohl, Tomaten und Süsskartoffeln gedeihen, wurden mit feinen Steinplatten ausgelegt. Es gibt eine neue grosse Terrasse mit einem Tisch und Bänken. Und am Eingang zu dem Garten, der auf dem sogenannten South Lawn liegt, wurde ein Torbogen aus Holz und Stahl in den Boden zementiert.

Diese Woche präsentierte sie diese grössere Version des Gartens: «Ich bin sehr stolz zu wissen, dass dieser kleine Garten als Symbol für unser aller Hoffnungen und Träume, eine gesündere Nation für unsere Kinder zu schaffen, weiterleben wird», sagte die 52-Jährige.

Ein verdächtiges Anliegen

Vorgestern schliesslich gärtnerte Michelle Obama dort zum letzten Mal medienwirksam mit Schulkindern, erntete Kartoffeln.

All das hat natürlich weniger mit Gärtnerei zu tun als mit Politik: Wer immer nächstes Jahr ins Weisse Haus einzieht – Michelle Obama will es ihr oder ihm so schwer wie möglich machen, den Garten wieder zu planieren. Die Gemüsebeete der First Lady sind zu einem Symbol für den Kampf gegen Fast Food, Industrieessen, und Fettleibigkeit geworden, was die Lebensmittelkonzerne sehr ärgert. Gesundes Essen für Kinder ist in Amerika ein verdächtiges, fast sozialistisches Anliegen.

Dass der Republikaner Donald Trump, der in seinem Privatjet gern mit silbernem Besteck einen Eimer KFC-Güggeli leert, als Präsident Biogurken züchten würde, ist unwahrscheinlich. Seine Vorstellung von einem Garten ist vermutlich ein Golfplatz. Dort, wo heute noch Michelles Zwiebeln wachsen, würde Präsident Trump vielleicht ein Putting Green anlegen, um sein Handicap zu verbessern.

Für Michelle Obama ist das eine grausige Vision. Deshalb liess sie ihren Garten in Stein und Stahl fassen, und deshalb macht sie auch Wahlkampf für Trumps Gegnerin Hillary Clinton. Die First Lady ist dabei zu so etwas wie einer Geheimwaffe des Clinton-Lagers geworden: Immer wenn Clintons Strategen und Umfragendeuter ein Problem sehen, wird ihre Hilfe erbeten.

Das ist verständlich, denn Michelle Obama ist von allen öffentlichen Figuren, die im Wahlkampf unterwegs sind, die beliebteste. Etwas 65 Prozent der Amerikaner mögen sie. Vor allem aber ist Michelle deutlich beliebter als Hillary Clinton, von der weniger als die Hälfte der US-Bürger eine gute Meinung haben.

Die Kandidatin dankts

Michelle Obamas Aufgabe im Wahlkampf ist es daher, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die 2008 und 2012 für Barack Obama gestimmt haben, dieses Jahr für Clinton stimmen. Vor allem soll sie junge Menschen und Schwarze motivieren, ihre Stimme Clinton zu geben.

In diesen Wählergruppen, die entscheidend zu Obamas Siegen beigetragen haben, lässt die Unterstützung für Clinton noch zu wünschen übrig. Es ist daher alles andere als Zufall, dass ­Michelle Obama in wichtige, ­womöglich wahlentscheidende Bundesstaaten wie Pennsylvania, Virginia oder North Carolina geschickt wird, um dort für Clinton zu werben.

Die Kandidatin hat sich vorab schon für die Hilfe revanchiert. Sie werde Michelles Garten als Präsidentin hegen und pflegen, liess Clinton wissen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2016, 09:09 Uhr

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