Der Kranke

Die Boxlegende Muhammad Ali hat die Premiere des Dokumentarfilms «I am Ali» verpasst.

Überlässt das Reden in der Öffentlichkeit seit Jahren seiner Ehefrau: Muhammad Ali und seine Ehefrau Lonnie 2008. Foto: Eddie Keogh (Reuters)

Überlässt das Reden in der Öffentlichkeit seit Jahren seiner Ehefrau: Muhammad Ali und seine Ehefrau Lonnie 2008. Foto: Eddie Keogh (Reuters)

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Kämpfer. Bruder. Liebhaber. Vater. Mit diesen Schlagworten endet der Trailer zu «I am Ali». Der Dokumentarfilm ist dieser Tage in den amerikanischen Kinos angelaufen.

Man könnte auch anfügen: Kranker. Denn Muhammad Ali, Boxlegende und mittlerweile 72 Jahre alt, ist so krank, dass er die Premiere seines Films verpasst hat. Stattdessen sprach sein Bruder Rahman Ali in die Mikrofone: «Ich konnte nicht mit ihm darüber reden. Er ist krank. Er spricht nicht so gut. Aber er ist stolz, dass wir hier sind für ihn.»

Bruder Rahman war es auch, der im Februar 2013 verlauten liess, Muhammad Ali werde in den nächsten Tagen sterben. Ehefrau Lonnie widersprach – und Ali lebte weiter. Doch bereits ein knappes Jahr später gab der Gesundheitszustand des Ausnahmeboxers erneut zu reden. Sein Vater habe «keine Chance», den 73. Geburtstag zu erleben, sagte Sohn Muhammad junior im Januar dieses Jahres. Er hoffe für ihn, dass er «lieber früher als später an dieser schrecklichen Krankheit sterben wird».

Muhammad Ali leidet seit mehr als 30 Jahren an Parkinson. Die unheilbare Krankheit, bei der es zum fortschreitenden Zerfall von Nervenzellen im zentralen Nerven­system kommt, besonders im Gehirn, hat Ali nicht davon abgehalten, sich immer wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Rührte Clinton zu Tränen

Unvergessen bleibt, wie er 1996 in Atlanta mit zitternden Händen das olympische Feuer entzündete und damit US-Präsident Bill Clinton und drei Milliarden Fernsehzuschauer zu Tränen rührte. «Die linke Hand zitterte wegen Parkinson, die rechte vor Angst», erzählte Muhammad Ali später. «Aber irgendwie habe ich es mit beiden hingekriegt, das Ding anzuzünden.»

Bei anderen Auftritten gab Ali zu verstehen, dass Parkinson wenigstens seinem Geist nichts anhaben kann. So etwa 2005, als ihm der damalige Präsident George W. Bush die Freiheitsmedaille verlieh, den höchsten zivilen Orden der USA. Bush ballte im Scherz die Faust, als wolle er es mit Ali aufnehmen, dieser tippte sich daraufhin mit dem Finger an die Schläfe – Gelächter im Saal.

Das Reden in der Öffentlichkeit aber überlässt Ali seit Jahren seiner vierten Ehefrau Lonnie. Er klopft keine Sprüche mehr wie das berühmte «Wer ist der Grösste?» nach dem sensationellen Sieg über Boxweltmeister Sonny Liston im Jahr 1964. Und auch die Antwort gibt er nicht mehr selbst, wie er es damals tat: «I am the Greatest.» Im neuen Dokumentarfilm kommen Verwandte und Weggefährten an Alis Stelle zu Wort. Man sieht ihn auf alten Film- und Fotoaufnahmen, man hört ihn in Auszügen aus seinem Audio­tagebuch.

Es ist ein grosses Leben, das die britische Regisseurin Clare Lewins da erzählt. Denn Muhammad Ali, der einst Cassius Clay hiess, ist mehr als eine Boxlegende mit drei Weltmeistertiteln im Schwergewicht. Er ist Dienstverweigerer, Bürgerrechts­kämpfer, Konvertit zum Islam und neunfacher Vater – «kein so guter, wie ich es sein wollte», sagte er einst. Er wurde von Kofi Annan zum UNO-­Friedensbotschafter ernannt und rief nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Fernsehen zum Frieden auf.

Sein Gesicht ist seit einem halben Jahrhundert eines der bekanntesten der Welt. Nun, so scheint es, zeigt er es nur noch seiner engsten Familie.

Erstellt: 13.10.2014, 19:30 Uhr

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