Kopf des Tages

Der Senkrechtstarter

Jonas Projer, der 32-jährige Brüssel-Korrespondent des Schweizer Fernsehens, soll neuer «Arena»-Moderator werden.

Jung, ehrgeizig und talentiert: Jonas Projer.

Jung, ehrgeizig und talentiert: Jonas Projer.

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Er ist jung. Er ist ehrgeizig. Und er ist talentiert. Jetzt soll Jonas Projer, dreifacher Familienvater und seit 2011 Korrespondent in Brüssel, neuer «Arena»-Moderator werden. Bereits habe er erste Testaufnahmen mit Parlamentariern zum Thema Mindestlohninitiative gedreht, berichtet die «Schweiz am Sonntag». Projer sei der «heisseste Kandidat» für die Nachfolge von Urs Wiedmer, der im Sommer aus der Politsendung ausscheidet und neuer Bundeshauskorrespondent wird.

Offiziell ist das Auswahlverfahren nicht abgeschlossen, weshalb sich weder SRF noch Projer dazu äussern. Doch auch die «NZZ am Sonntag» berichtet mit Bezug auf «interne Quellen», dass Projer das Rennen machen soll. Er gilt als gescheiter Senkrechtstarter, der in Brüssel einen hervorragenden Job macht. 2011 wählten ihn die Leser des Branchenmagazins «Schweizer Journalist» zum Newcomer des Jahres. «Mit guter Bildschirmpräsenz und klarer Stimme», lobten sie. «Der ist grossartig in seinen Einschaltungen!» – «Macht in der Eurokrise einen Riesenjob».

Projer selbst gab sich schon damals bescheiden. Ein guter Journalist sei einer, der «kein schlechter Journalist» sei, sagte er nach der Wahl im Interview. Wer also nicht verwirre, nicht verdrehe, seine Unabhängigkeit verliere oder «die Leser/Zuhörer/Zuschauer für dumm oder sensationslüstern hält». Sein bisher grösster Erfolg seien «viele kleine». Wenn er etwa «irgendein Dossier» verstanden habe, das ihm zuvor «völlig unzugänglich» gewesen sei. Nachgesagt werden solle ihm später einmal der Satz: «Der hat erstaunlich wenig Scheiss erzählt!»

Dass Projer dereinst Scheiss erzäh- len könnte, bezweifeln alle, die ihn kennen. Vielmehr habe der derzeit jüngste SRF-Korrespondent verdientermassen eine Blitzkarriere hingelegt. Werde er nicht jetzt Moderator, dann sicher später. Sein Studium der Germanistik, Anglistik und Filmwissenschaften brach Projer 2003 für eine Regie-Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste ab, sein Abschlussfilm «Wölfe in B.» stellte ein Schweizer Dorf ins Zentrum, in dem sich als Reaktion auf betende Muslime eine Bürgerwehr bildet.

Zum Journalismus kam Projer ebenfalls über den Film – als Filmjournalist beim «Landboten». Später absolvierte er ein Praktikum bei Fernsehkorrespondent Tilman Lingner in Washington, dann die begehrte SRF-Stage bei «Schweiz aktuell». Im Sommer 2009 wurde er – mit 28 – Inlandkorrespondent für Zürich und Schaffhausen, 2011 Korrespondent in Brüssel. «Eine spannendere journalistische Arbeit kann ich mir nicht vorstellen», sagte Projer damals. «Unsere Zuschauer erwarten eine Berichterstattung, welche das komplexe Gebilde EU begreifbar macht – und die Schweiz nicht aus dem Blickfeld verliert.»

Und jetzt also die «Arena» – zurück in der Schweiz. Projer wäre nach Patrick Rohr, der die Sendung 1999 mit 31 übernahm, der zweitjüngste Moderator der Geschichte. Rohr sagt: «Ich traue Jonas Projer den Job absolut zu.» Er verfüge über eine gute Ausstrahlung, wirke am Bildschirm glaubwürdig und kompetent. Am ehesten bekomme Projer die «oft aufgeheizte Stimmung» in der «Arena» in den Griff, wenn er er selber bleibe. Zudem müsse er es schaffen, den «zuweilen massiven Druckversuchen» im Vorfeld der Sendungen zu widerstehen. Wenn die Kamera denn laufe, helfe vor allem eines: Humor.

Das trifft sich gut. Projer gilt als sehr direkt. Und als unterhaltsam. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2014, 08:37 Uhr

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