Der geknickte Kachelmann

Vom Hobby-Meteorologen zum «weatherman» in der Hauptsendezeit der ARD: Trotz des nun endgültigen Freispruchs erscheint ein Comeback Jörg Kachelmanns als ARD-Moderator fraglich.

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Die Karriere des Jörg Kachelmann könnte durch den Vergewaltigungsprozess einen endgültigen Knick erhalten haben. Das Urteil des Mannheimer Landgerichts erging nicht wegen erwiesener Unschuld, sondern weil sich der Vergewaltigungsvorwurf der Exfreundin Kachelmanns nicht ausreichend beweisen liess. Das Verfahren mit einem neun Monate dauernden Indizienprozess stoppte die steile Karriere des Schweizers abrupt.

Demnächst will Kachelmann ein Buch mit dem Titel «Mannheim» herausbringen. Nach seinen Worten wird es eine Abrechnung mit der Frau, die ihn ins Gefängnis brachte. Er habe Fehler gemacht, sagte Kachelmann in einem Interview der «Zeit». Im Hinblick auf Enthüllungsberichte seiner Exfreundinnen sagte er: «Ich weiss, ich habe mich mies benommen. Ich habe Menschen verarscht. Es gibt keine Entschuldigung dafür.» Aber das, was die Nebenklägerin mit ihm gemacht habe mit dem Vorwurf der Vergewaltigung, «das ist keine Verarsche, das ist kriminell.»

Heirat unter Anklage

Noch während des Prozesses hat er am 9. März die Frau geheiratet, die an seiner Seite war, als er im März 2010 auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet wurde.

Seine beruflichen Pläne gab Kachelmann auf einer Pressekonferenz im Juli bekannt. Demnach produziert seine Schweizer Firma Meteomedia zusammen mit der Münchner Bavaria Film Gruppe ab 2012 Wettersendungen für das Fernsehen. Ob er darin auch als Moderator auftreten wird, liess er offen. Sein Glück hänge nicht an der Moderation, er habe ganz andere Ziele im Leben, sagte Kachelmann.

Meteomedia produziert seit 1994 den Wetterbericht vor der 20-Uhr-Ausgabe der «Tagesschau» und seit 2002 das «Wetter im Ersten» nach den «Tagesthemen». Die Firma entwickelte sich zu einer der wichtigsten Wetter-Dienstleistungsfirmen Europas mit rund 100 Mitarbeitern und Niederlassungen in der Schweiz, Deutschland, Kanada und den USA.

Start als Hobby-Meteorologe

Kachelmanns Aufstieg vom Hobby-Meteorologen zum prominentesten deutschen Wettermoderator ist einzigartig. Der am 15. Juli 1958 in Lörrach (Baden-Württemberg) geborene Sohn eines Eisenbahners wuchs in der Schweizer Kleinstadt Schaffhausen auf und war nach eigenen Worten schon als Kind fasziniert von der Wetterbeobachtung. Die Weichen für seine Medienkarriere legte er in den 80er Jahren.

Als Student in Zürich produzierte er seine erste Wetterkarte für eine Zeitung. Sein Geografie-Studium in Zürich brach er ab und arbeitete einige Jahre als Journalist, ehe er sich 1990 mit einer vollcomputerisierten Wetterstation in seinem Bauernhaus in Bächli bei St. Gallen selbstständig machte und die Firma Meteomedia gründete.

Ein «weatherman» in Deutschland

Monatelang schickte er seine Prognosen unaufgefordert per Fax an den Südwestfunk. Dem populären Radiosender SWF3 (Südwestfunk, später SWR für Südwestrundrunk) passten die locker-flockigen Wetterplaudereien des Schweizers bestens ins Programm. Kachelmann wurde als «weatherman» populär. Mit dem Start des ARD-Morgenmagazins im Jahr 1992 begann seine Fernsehkarriere. Im September 1994 kam der moderierte Wetterbericht kurz vor der «Tagesschau» hinzu. Kachelmann übernahm 1996 auch noch die Programmdirektion des neuen Kabelsenders «Wetterkanal». Dieser musste aber im Frühjahr 1998 seinen Betrieb einstellen.

Kachelmann wurde auch als Moderator von Unterhaltungssendungen geschätzt. Jahrelang gehörte er zum Team der MDR-Talkshow «Riverboat», danach interviewte er einen Gast in «Kachelmanns Spätausgabe». Zum Flop wurde 1998 die Neuauflage der ARD-Quizshow «Einer wird gewinnen».

Erstellt: 07.10.2011, 22:47 Uhr

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