Der letzte Mann

Boris Becker, bald wieder verheiratete Tennislegende, ist und bleibt ein Spektakel.

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Samstagabend in «Wetten, dass . . .?» hat Boris Becker angekündigt, er wolle im Juni in St. Moritz seine Freundin Lilly Kerssenberg heiraten. Wieder einmal ist er seither im Gerede, hagelt es Schlagzeilen. Und also stellt sich auch wieder einmal die Frage, warum Becker Deutschlands populärster Star ist - wie konnte er in den zehn Jahren seit seinem Abgang aus dem Profi-Tennis so erfolgreich seinen Premiumplatz in der Öffentlichkeit verteidigen?

Da ist offenbar etwas an dem 41-Jährigen, das unabhängig vom Sport funktioniert. Auch als Ruheständler gibt Becker irgendwie ein Spektakel ab; sein Spätwerk als Celebrity scheint so wirksam wie das sportliche Frühwerk.

Die Sichtung dessen, was er abseits der Tennisplätze in den letzten Jahren trieb, hilft, das Rätsel zu ergründen. Zuvorderst ist da die Sache mit dem «Samenraub»: 1999 im Londoner Luxushotel Nobu streitet sich Becker so heftig mit seiner hochschwangeren Frau Babs, dass sie - Verdacht auf Fehlgeburt - ins Krankenhaus muss. Ihr Gatte trinkt derweil in der Hotelbar ein Bierchen, flirtet mit einer schönen Unbekannten, folgt ihr in eine Besenkammer. Die zwei haben Instantsex. Danach sieht er Angela Ermakova, wie sie heisst, nicht mehr. Bis sie ihm ein Fax schickt: «Das Resultat unseres Treffens ist nun im achten Monat.»

Mittlerweile ist aus dem Fötus die kleine Anna geworden, und wer das staksige Mädchen sieht, feixt: exakt die gleichen roten Haare, die gleiche blasse Haut, die gleichen vollen Lippen. Ganz der Boris! Unglaublich, dass dieser seine Vaterschaft lange bestritt. Da er von Babs (mittlerweile längst seine Ex) zwei Söhne bekam, machte er, Geschäftsmann in allen Lebenslagen, dann aber tapfer das Beste daraus: ein Sachbuch über Patchworkfamilien mit dem Titel «Was Kinder stark macht».

Ansonsten hat Multimillionär Becker, der heute im Zugerland eine Sportmarketing-Agentur betreibt, in den letzten zehn Jahren unter anderem Steuerhinterziehung begangen. Treuherzig sagte er dem Münchner Richter, es sei nur ein spartanisches Zimmer gewesen, das er, in Monaco gemeldet, in München bewohnte. Es nützte nichts. Viel zu schnell gefahren ist er auch, im Solothurnischen, weswegen er seinen Fahrausweis zwischenzeitlich abgeben musste. Vor allem aber sind da Frauengeschichten noch und noch von Sabrina Setlur bis Heydi Nunez Gomez. Das Weibliche hat ihn halt immer angezogen. Einst, 1985, brachte die «Bild» Paparazzo-Fotos vom Strand in Monaco: Becker begaffte eine Oben-ohne-Frau derart verzückt, dass er seinen Fan Stéphanie von Monaco erst bemerkte, als sie ihn antippte.

Die Playmates, Models, Popstars und Filmsternchen, mit denen Becker zusammen war, bilden eine satte Serie. Dabei ist er stets er selber geblieben: ein, wie man das nannte, bis das Wort ausgelaugt war, Macho. Die Trennung von Lilly Kerssenberg, mit der er später wieder zusammenkam, vollzog er per SMS. Vermutlich ist es exakt das, was an ihm mal amüsiert, mal irritiert: Boris Becker ist und bleibt, seinen eleganten Anzügen zum Trotz, der undressierte Mann. Bei Auftritten im Smoking wirkt er kurios verkleidet; Schriftsteller Martin Walser beschrieb ihn sehr treffend als teutonischen Achill.

Und weil seine Maskulinität in den letzten Jahren immun blieb gegen jedwede feministische Pädagogik, dürfen wir für die Zukunft sicher sein: Boris Becker ist undomestizierbar. Auch seine zweite Frau wird ihn nicht zähmen.

Erstellt: 03.03.2009, 07:07 Uhr

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