Ein Spekulant geht um die Welt

Seit seinem Auftritt bei der BBC ist Alessio Rastani ein berühmter Mann. Und seine deftigen Wirtschaftskommentare werden fleissig kommentiert.

Alessio Rastani zur Situation an den Börsen. (Video: BBC/Youtube)


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«Ich will den Leuten helfen», sagte Alessio Rastani am Montagabend in der Wirtschaftssendung der BBC. Denn «Jeder kann von der kommenden Rezession profitieren». Laut Rastani steht eine Rezession und ein Einbruch des Euro bevor. Wer jetzt auf fallende Kurse setze, könne viel Geld verdienen. «Ich gestehe: Jeden Abend, wenn ich zu Bett gehe, träume ich von einer neuen Rezession», sagt der Händler freimütig.

Weitere Müsterchen seiner schockierend offenherzigen Aussagen auf Grossbritanniens öffentlich-rechtlichem Fernsehen beinhalten «die Regierungen regieren die Welt nicht. Goldman Sachs regiert die Welt» oder «Uns Händlern ist es egal, ob die Wirtschaft gerettet wird» und «niemand glaubt ans Euro-Rettungspaket».

Satire?

Schon kurz nach Rastanis denkwürdigem Auftritt wurden Zweifel laut, ob er tatsächlich ein Trader sei oder nicht vielmehr ein Satiriker, der sich bei der BBC eingeschlichen hat. Der Verdacht fiel auf die Yes Men, die seit Jahren mit ähnlichen Aktionen für Amüsement sorgen und die blamieren, die ihnen auf den Leim gehen.

Die BBC ging dem Verdacht nach und gab gestern Entwarnung. Alessio Rastani sei ein unabhängiger Börsenhändler und eine von vielen Stimmen, die sich bei der BBC zur Rezession geäussert hätten. Laut Mike Bonano von den Yes Men gehört Rastani nicht zur Aktionsgruppe. Er findet den Händler aber verdächtig. «Richtige Insider sagen in der Regel nicht, wie das System funktioniert. Sie verstecken sich hinter technischem Jargon. Das müssen sie. Denn wenn die Menschen herausfinden, was abgeht – wenn es klar und deutlich gesagt wird – dann gibt es weit herum Empörung.»

«Ich liebe das öffentliche Reden»

Zahlreiche Publikationen haben daraufhin über den «ehrlichen Spekulanten» (Financial Times Deutschland) berichtet. Gemäss google news sind bis am frühen Mittwochabend allein in deutscher Sprache bereits über 30 Artikel erschienen.

Dem britischen Telegraph sagte Rastani, Börsenhandel sei nicht sein Beruf, sondern ein Hobby. Er suche die Aufmerksamkeit, räumt Rastani ein. «Ich bin ein Redner. Ich rede viel und liebe das öffentliche Reden». Er stehe aber hinter jedem Wort, das er der BBC gesagt habe. Auf seiner Internetseite leadingtrader.com haut er jedenfalls in die selbe Kerbe.

Schon mehrmals pleite

Gegenüber dem Boulevardblatt Daily Mail, dessen Reporter gestern Rastanis Haus in Bexleyheath im Süden Londons belagerten, wollte sich Rastani nicht äussern. Gemäss deren Recherchen ist der Spekulant mit seiner offiziellen Tätigkeit nicht sehr erfolgreich. Seine Firma Santoro Projects habe im letzten Jahr einen Verlust von 14'000 Britischen Pfund ausgewiesen. Die Firma werde vom Haus aus betrieben, welches im Besitz seiner amerikanischen Freundin sei.

Rastani habe in der Vergangenheit bereits drei mittlerweile liquidierten Firmen vorgestanden, eine davon soll den Namen Titanic Enterprises Ltd getragen haben. Hoffen wir, dass Rastani mit seinen Wirtschaftsprognosen ebenso Schiffbruch erleidet. Damit wäre den meisten Leuten wohl mehr geholfen als mit Wetten auf den nächsten Börsencrash. (rub)

Erstellt: 28.09.2011, 19:18 Uhr

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