Porträt

Hildebrands mysteriöse Zarin

Margarita Louis-Dreyfus ist neu mit Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand liiert. Wer ist die Milliardärin, die schier märchenhaft und zufällig ins Herz einer der reichsten Dynastien Frankreichs vordringen konnte?

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Es gibt Menschen, die füllen ganze Räume mit ihrem Auftritt und ihrer Aura. Margarita Louis-Dreyfus, geborene Bogdanova, 50 Jahre alt, ist so ein Mensch. Sie füllt auch schon mal ein Fussballstadion mit ihrer Präsenz, das Stade Vélodrome nämlich, Spielstätte von Olympique Marseille, dem populärsten Verein Frankreichs.

Nicht dass sie sich sonderlich für das Spiel auf dem Rasen interessieren würde. Aber MLD, wie man sie auch nennt, ist die Patronne von OM. Auf der Ehrentribüne verwaltet sie das Erbe und die Passion ihres verstorbenen Mannes, von Robert Louis-Dreyfus, dem grossen Rohstoffhändler. In Marseille rufen sie die Witwe mittlerweile «Zarin» oder «unsere Eva Perón». Mit 5,5 Milliarden Euro Privatvermögen ist sie Frankreichs zweitreichste Frau.

Die bewegte Vita von MLD

Ihren Lebensmittelpunkt hat sie aber in Zürich. Und in der Schweiz könnte auch die Begegnung mit jenem ebenfalls berühmten Mann stattgefunden haben, mit dem sie nun, wie das welsche Nachrichtenmagazin «L'Hebdo» berichtete und gut unterrichtete Kreise gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigten, eine neue Liebschaft unterhält: mit Philipp Hildebrand, dem früheren Chef der Schweizerischen Nationalbank.

«L'Hebdo» weiss auch, dass sich Hildebrand schon im letzten Mai von seiner Frau Kashya getrennt haben soll, mit der er nach der unglückseligen Affäre um ein angeblich unziemliches Devisengeschäft zuletzt in London gelebt hatte: sie als Kunstgaleristin, er als Direktionsmitglied der Investmentfirma Blackrock. Mehr weiss man noch nicht. Ein bisschen Mysterium schadet der Geschichte auch nicht. Es passt gut in die bewegte, von vielen Gerüchten durchzogene Vita von MLD.

Der Traum vom Westen

Sie kam in St. Petersburg zur Welt, dem damaligen Leningrad. Ihre Eltern starben bei einem Zugunfall, als Margarita erst 7 war. Sie wuchs bei ihrem Grossvater auf, einem Ingenieur, der den Kommunismus mit aller Konsequenz lebte: bescheiden, in einer grossen Wohngemeinschaft. Die Enkelin studierte Wirtschaft und träumte schon früh vom Westen. Nach der Wende siedelte sie nach Zürich um, wo sie einen Job als Buchhalterin bei einer Import-Export-Firma fand.

Noch mehr Westen aber war New York, Amerika. Sie sparte für ein Flugticket der Concorde. 1992 stieg sie in den Morgenflug nach London. Man war verspätet. Sie machte sich Sorgen, die Concorde zu verpassen. Und sprach den unrasierten Mann in zerrissenen Jeans an, der neben ihr sass. Der war angetan, zeigte ihr das Bild seines zottligen Hundes. Ein Bobtail. Man verliebte sich. So geht die Legende, erzählt von ihr selber. Vielleicht ist sie ja wahr.

Mafia, KGB und Kinder

In Frankreich aber zweifelte man immer daran, dass diese sehr schöne, blonde Russin schier märchenhaft und zufällig ins Herz einer der reichsten Dynastien des Landes vordringen konnte, der jüdisch-elsässischen Familie Louis-Dreyfus, eines alten Imperiums, das mit Getreide, Reis, Soja, Baumwolle, Orangen, Gas und Öl handelt und heute weltweit 60 Milliarden Euro umsetzt. Mal gab es Theorien, in der die Hand des KGB eine Rolle spielte, mal spekulierte man über die russische Mafia. Das Paar heiratete 1995, bekam drei Söhne. Er reiste viel. Sie hielt sich meist in Zürich auf, gab Empfänge, kümmerte sich um die Kinder.

Als er vor viereinhalb Jahren an Leukämie starb, trat die «Zarin» erst richtig in Erscheinung und überraschte alle, die sie immer nur für eine hübsche Staffage ohne Geschäftssinn an der Seite ihres flamboyanten Herrn Gemahl gehalten hatten. Selbst in der Dynastie war man verwundert. MLD verdrängte nach und nach alle Manager, die ihr Mann nominiert hatte, stellte eigene Vertraute ein und übernahm die Kontrolle des Unternehmens. Auch operationell. 2011 erkor sie die Zeitschrift «Le Nouvel Economiste» zur «Kapitalistin des Jahres».

Die Löwin im Fussballstadion

Die Biografin Elsa Conesa beschreibt sie als «hartnäckige, brutale Regentin», die in der Schlacht um das Imperium kein Gefecht gescheut habe. In der Entourage der Erbin deutet man den Aufstieg ganz anders: Sie habe nur wie eine Löwin für die Zukunft ihrer Söhne gekämpft, heisst es da. Einer der Söhne soll ganz verrückt sein nach Fussball, nach Olympique Marseille. Wie der Vater. Darum mochte sie den Verein auch nicht verkaufen, obschon es Gründe dafür gäbe, sitzt zuweilen im Stadion und füllt es aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2013, 12:45 Uhr

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