«Ich beziehe von Ikea kein Einkommen»

Ingvar Kamprad, der reichste Mensch in der Schweiz, hat wieder einmal ins Portemonnaie gegriffen. Grund genug, ein Interview zu geben – eine absolute Seltenheit.

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Ingvar Kamprad wurde lange als diskreter und zurückhaltender Unternehmer wahrgenommen. Im Waadtländer Epalinges, wo der Schwede seit 36 Jahren lebt, zeigte er sich nun von seiner grosszügigen Seite. Zehn Millionen Franken will er der Gemeinde spenden. Damit sollen nahe einer Schule Alterswohnungen entstehen. Diese Lage war vom Ikea-Gründer explizit gewünscht worden: So soll der generationsübergreifende Austausch gefördert werden.

Ingvar Kamprad, Sie wohnen seit 36 Jahren in Epalinges. Ist Ihre Spende ein Ausdruck Ihrer Dankbarkeit?
Als ich nach Epalinges kam, zählte die Gemeinde rund 3000 Einwohner. Heute sind es knapp 10'000, die meisten gehören zur unteren Mittelschicht. Es ist ein gutes Gefühl, den Ältesten unter ihnen unter die Arme zu greifen und ihnen einen qualitativ hochstehenden Wohnraum bieten zu können. Ich glaube auch, dass es Sinn macht, einen Raum für den Austausch der Generationen zu schaffen.

Fühlen Sie sich in Epalinges zu Hause? Welche Beziehung pflegen Sie zu Ihrer Wohngemeinde?
Ich habe fast die Hälfte meines Lebens hier verbracht und viele Menschen kennen gelernt, Schweizer und Ausländer. Ich könnte mir momentan nicht vorstellen, woanders zu leben.

Die Pauschalbesteuerung sorgt in der Schweiz und in Europa für viel Gesprächsstoff. Können Sie dies nachvollziehen? Kann Ihre Spende auch als Antwort auf kritische Stimmen gewertet werden?
Ich habe nie in der Schweiz gearbeitet, beziehe von Ikea kein Einkommen und bezahle meine Steuern wie jeder andere auch.

Ist Ihre Spende Ausdruck einer neuen Lebensphilosophie, oder möchten Sie sich damit ein Denkmal setzen?
Ich hatte das Glück, aus Ikea ein weltweit erfolgreiches Unternehmen machen zu können. Die Firma gehört mir nicht mehr, sie ist jetzt in den Händen zweier Stiftungen, eine in Liechtenstein und eine in den Niederlanden. Diese Stiftungen sollen den Gewinn der Firma wieder ins Geschäft investieren und gemeinnützige Projekte fördern. Die Stichting Ikea Foundation unterstützt jedes Jahr mit rund 100 Millionen Euro Projekte für Kinder in Entwicklungsländern. Die schwedische Kamprad Family Foundation fördert die medizinische Forschung.

Für Epalinges bietet Ihre Spende die Möglichkeit, ein Wohnmodell zu entwickeln, welches auch andere Gemeinden gerne umsetzen würden. Wie stehen Sie dazu?
Mit jungen Menschen in Harmonie leben zu können, bietet älteren Menschen eine unglaubliche Chance. Deswegen finde ich es wichtig, dass neben den Wohnungen auch Räume für den sozialen Austausch geschaffen werden. Treffen zwischen Alt und Jung sind immer gut: Die Jungen profitieren von der Lebenserfahrung der Älteren, während diese Energie und Lebensfreude tanken können.

Die kürzlich gegründete Kamprad Family Foundation stützt sich auf ein Vermögen von rund 200 Millionen Euro, welches sich bald auf 300 Millionen Euro erhöhen könnte. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist die Verbesserung der Lebensbedingungen älterer Menschen. Warum diese Ausrichtung?
Wie ich bereits erwähnt habe, unterstütze ich zwei Stiftungen. Die eine hilft Kindern in Entwicklungsländern, während die Kamprad Family Foundation älteren Menschen ein besseres Leben ermöglichen soll. Dabei sollen auch die Infrastrukturen in ländlichen Gebieten ausgebaut werden, um die Abwanderung der jungen Generation zu verhindern. Auch unterstützt die Stiftung die nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen sowie die medizinische Forschung. Vor 30 Jahren haben wir in Schweden die Berta Kamprad Foundation gegründet, welche sich auf die Krebsforschung konzentriert.

(Übersetzung und Bearbeitung: cor) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.06.2012, 11:22 Uhr

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Zur Person

Ingvar Kamprad wurde 1926 in Schweden geboren. 1943 gründete er im Alter von 17 Jahren das Unternehmen Ikea. Der aus der schwedischen Provinz Småland stammende Kamprad bezeichnet sich selbst als «Geizhals» und «Schnäppchenjäger».

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