«Ich liebe Hitler»: Galliano vor Gericht

Ab heute steht der britische Modedesigner John Galliano wegen rassistischer Äusserungen vor Gericht. Er hat sich mittlerweile entschuldigt, einen Entzug gemacht und könnte am 2. Juli dank Kate Moss ein Comeback feiern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich liebe Hitler.» Dieser zu später Stunde gelallte Satz und weitere antisemitische Äusserungen haben den britischen Modedesigner John Galliano die Karriere und den Ruf gekostet. Doch er riskiert sogar noch mehr: Heute muss sich Galliano in Paris vor Gericht verantworten – im drohen bis zu sechs Monate Haft und eine Busse von 22'500 Euro.

J'adore Dior – j'adore Hitler

Der ehemalige Dior-Chefdesigner – wegen seiner Äusserungen hatte das französische Modehaus John Galliano am 1. März gefeuert – wurde von insgesamt drei Personen wegen rassistischer Äusserungen angezeigt. Abstreiten konnte der Designer die Vorwürfe nicht, denn ein Teil seiner Anti-Juden-Tiraden und sein berüchtigtes «I love Hitler» sind auf Video festgehalten und wurden im Februar vom britischen Sensationsblatt «The Sun» publik gemacht.

John Galliano entschuldigte sich kurz darauf in einem öffentlichen Communiqué für sein Fehlverhalten. Er sei geschockt gewesen, als er das Video sah, sagt sein Verteidiger Aurélien Hamelle. So plädiert dieser auch auf Unzurechnungsfähigkeit. Ein ärztliches Attest belegt denn auch, dass Galliano an besagtem Abend, als er das Paar in seiner Stammkneipe La Perle angepöbelt habe, nicht nur stark alkoholisiert gewesen sei, sondern auch unter Einfluss von Benzodiazepine (Tranquilizer) und Schlafmittel gestanden sei. Es heisst, Galliano habe den Tod seines Lebensgefährten nicht verkraftet und sich in die Sucht geflüchtet.

Galliano bedauert den Vorfall und hat sich in den letzten Monaten völlig zurückgezogen. Unter anderem auch, weil er nach seinem Rausschmiss bei Dior eine Entziehungskur in der berühmten Rehaklinik The Meadows in Arizona gemacht hat – dazu geraten hatten ihm die Models Kate Moss und Naomi Campbell.

Das abrupte Ende einer steilen Karriere

Kate Moss und John Galliano verbindet schon lange eine tiefe Freundschaft. Am 2. Juli will die 37-Jährige Jamie Hince, Gitarrist und Sänger von «The Kills», heiraten – das Brautkleid, heisst es, soll John Galliano entwerfen. Der Modedesigner kann diese Art von Publicity gut gebrauchen, um sein ramponiertes Image wiederherzustellen. Dass er Talent hat, braucht er ja niemandem mehr zu beweisen. Seit er 1987 mit dem «British Designer of the Year»-Award ausgezeichnet wurde, war seine Karriere eine einzige Erfolgsgeschichte.

Ab 1995 wurde er Chefdesigner bei Givenchy, zwei Jahre später holte man ihn zu Christian Dior, wo er Gianfranco Ferré ablöste: Mit theatralischen und opulenten Haute-Couture-Shows baute er das leicht angestaubte Image des Hauses wieder auf, kurbelte den Accessoire-Verkauf wieder an. Vierzehn Jahre lang waltete er im französischen Modeimperium bis zu seinem abrupten Ende im März. Doch nicht nur der Modeschöpfer leidet unter seinem Rauswurf: Dior-Chef Sidney Toledano war bisher noch nicht in der Lage, einen Nachfolger für das Enfant terrible zu bestimmen.

Erstellt: 22.06.2011, 11:42 Uhr

Staatsanwalt fordert Geldstrafe von mindestens 10'000 Euro

Im Prozess wegen mutmasslicher rassistischer Äusserungen gegen den britischen Stardesigner John Galliano hat die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von mindestens 10'000 Euro für den Angeklagten gefordert. Galliano war am Mittwoch in Paris vor Gericht erschienen. (dapd)

«I love Hitler» – das von der britischen Tageszeitung «The Sun» veröffentlichte Video, das Galliano zu Fall brachte.

Artikel zum Thema

Stars & Styles: Opfer nimmt John Galliano in Schutz

Heute auf dem Boulevard: +++ Zara Phillips Hochzeit am 30. Juli +++ Donald Trump lässt sich einen TV-Auftritt vergolden +++ Mel Gibson will einer Haftstrafe entgehen +++ Mehr...

Die grosse Ernüchterung

Die Modenschauen für Herbst/Winter 2011/12 wurden überschattet vom Fall John Galliano. Ein paar neue Trends gab es auch noch. Einer ist der Abschied von den Exzentrikern der Branche. Mehr...

«Ihre Mütter, Vorfahren, sollten alle verdammt vergast sein»

Der Stardesigner John Galliano gerät wegen des Vorwurfs antisemitischer Äusserungen unter Druck. Ein Video hat die Szenen festgehalten. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kunst in der Luft: Seifenblasen machen Spass vor dem Louvre in Paris. (19. Juli 2019)
(Bild: Alain Jocard) Mehr...