Jolies Held starb vor der Filmpremiere

Er ist mehr als einmal durch die Hölle gegangen. Nun ist Läufer Louis Zamperini 97-jährig gestorben. Die Premiere von Angelina Jolies Hommage an ihn wird er nicht mehr erleben.

Louis Zamperini mit Angelina Jolie, die das  Leben des Leichtathleten und Kriegsveteranen verfilmte. Foto: Universal Pictures

Louis Zamperini mit Angelina Jolie, die das Leben des Leichtathleten und Kriegsveteranen verfilmte. Foto: Universal Pictures

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Er überlebte im Krieg 47 Tage auf hoher See in einem Rettungsfloss, trotzte zwei Jahre lang den Torturen eines Gefangenenlagers: Louis Zamperini sprang dem Tod viele Male von der Schippe. Gestern jedoch erlag der amerikanische Held und Olympionike im Alter von 97 Jahren einer Lungenentzündung. Er verstarb ein halbes Jahr vor der Premiere des Films «Unbroken», der sein Leben schildert und bei dem Hollywooddiva Angelina Jolie Regie geführt hat.

Die Weichen des Sohns italienischer Immigranten schienen bereits in seiner Kindheit gestellt: Weil er gebrochen Englisch sprach, foppten ihn seine Mitschüler, was Zamperini mit Fausthieben quittierte. Er stahl Bier, hielt die Ordnungshüter von Torrance (Kalifornien) auf Trab. «Ich war dauernd in Schwierigkeiten und lief vor der Polizei weg», sagte er vor seinem Tod in einem Interview. Sein älterer Bruder schickte ihn schliesslich ins Leichtathletiktraining, um ihn von der Strasse zu holen. Dort tat Louis, was er am besten konnte: laufen. An einem Wettkampf des kalifornischen Schulverbandes legte er eine Meile in 4:21:20 Minuten zurück und brach damit als 17-Jähriger den Highschool-Weltrekord. Diese Marke blieb während 20 Jahren unerreicht.

Im Olympiakader 1936

Ein spektakuläres Rennen über 5000 Meter lieferten sich der Newcomer und der Champion Don Lash 1936 bei der Ausscheidung für das US-Olympiakader. Sie liefen zeitgleich als Sieger ins Ziel. Die Medien feierten damit nicht nur den jüngsten US-Olympiaathleten, sondern auch jenen «mit dem grössten Hunger». Die Laufhoffnung vermochte im Olympiastadion in Berlin aber nicht an diesen Erfolg anzuknüpfen und beendete das 5000-Meter-Rennen als Fünfter. Trotzdem erregte Zamperinis schnelle, letzte Runde die Aufmerksamkeit von Adolf Hitler, der ihn zu einer Audienz lud. Der Läufer erzählte später, Hitler habe ihm mit einem Händedruck lediglich gesagt: «Du bist also der Junge mit dem flotten Finish!» Während diese persönliche Begegnung kaum Spuren im Leben des US-Amerikaners hinterliess, sollte Hitler sein Schicksal indirekt prägen.

Zamperini trat 1941 in den Dienst der US-Luftwaffe. Er heuerte als Schütze an Bord eines Bombers der Alliierten an. Auf der Suche nach einem verschollenen Flugzeug stürzte seine Maschine wegen eines technischen Defekts bei Hawaii ins Meer. Neun Besatzungsmitglieder starben. Zamperini und zwei Kameraden kletterten in ein Rettungsfloss und trieben darin im Pazifik. Die sechs Schokoriegel und drei Liter Wasser Proviant reichten nicht lange, so ernährten sie sich von kleinen Fischen und sammelten den Regen. Am 20. Tag nahm sie ein feindlicher Bomber unter Beschuss, und obschon sie unverletzt blieben, schwanden die Kräfte der Männer zusehends. Nach 33 Tagen starb einer von Zamperinis Kameraden.

Gefangenenlager überlebt

Fünf Wochen nach dem Absturz erhielten Louis Eltern die Todesurkunde ihres Sohnes. Die Medien trauerten längst um «einen der schnellsten Männer der Westküste», und in New York hatten Läufer mit Tränen in den Augen die «Lou-Zamperini-Memorial-Meile» bestritten, noch bevor die beiden US-Amerikaner nach 47 Tagen die Marshallinseln sichteten. Sie schleppten sich ans Ufer – wo sie die Japaner erwarteten. Nach 43 Tagen Gefangenschaft auf den Inseln wurden sie nach Japan gebracht. Im Gefangenenlager Omori vor Tokio schlugen die Wächter Zamperini regelmässig bewusstlos.

1944 brachten die Japaner ihren Gefangenen nach Tokio. Er sollte den Alliierten über den Äther eine Botschaft überbringen. «Ich habe sie so verfasst, dass meine Familie mich erkennen würde, falls sie sie hörte», sagte Zamperini später. Auf diese Weise erfuhren seine Eltern übers Radio, dass ihr totgeglaubter Sohn noch am Leben war. Die Japaner steckten Zamperini aber wieder in ein Lager. Es verstrich nochmals ein Jahr, bis Zamperini nach der Kapitulation Japans freikam. Der Krieg hinterliess jedoch Spuren: Der Läufer konnte wegen der Verletzungen seine Sportkarriere nach dem Krieg nicht fortsetzen. Er verfiel dem Alkohol, bis er den Erweckungsprediger Billy Graham kennen lernte. Louis Zamperini verschrieb sich dem Glauben. Er predigte Vergebung und sagte jedem, der es hören wollte: «Gib niemals auf.»

Erstellt: 04.07.2014, 07:02 Uhr

Unbroken - der Trailer

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