Kachelmann engagiert neuen, schillernden Anwalt

Jörg Kachelmann, der wegen Vergewaltigung angeklagte Meteounternehmer, hat sich von seinem bisherigen Verteidiger Reinhard Birkenstock getrennt. Warum? Über zwei Motive wird spekuliert.

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Gestern spät teilte sein bisheriger Hauptanwalt Reinhard Birkenstock mit, er sei «nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann». «Aus berufsrechtlichen und prozessualen Gründen» stehe er, schrieb der Kölner Jurist, zu keiner weiteren Auskunft in dieser Sache mehr zur Verfügung.

Wie der «Tages-Anzeiger» aus verlässlicher Quelle erfuhr, ist auch Rechtsanwalt Klaus Schroth nicht mehr in Kachelmanns Team. Von Kachelmanns ursprünglicher Vertretung verbleiben Pflichtverteidigerin Andrea Combé aus Heidelberg und der Kölner Medienanwalt Ralf Höcker.

Spione und Radprofis

Neuer Hauptverteidiger wird Johann Schwenn aus Hamburg. Er gilt als einer der führenden Strafverteidiger der Bundesrepublik, ist Revisionsspezialist und verfügt, obwohl hauptsächlich mit Wirtschaftsfällen beschäftigt, über einige Erfahrung im Sexualstrafrecht. Unter anderen hat er den Radrennfahrer Jan Ullrich, das prominente Entführungsopfer Jan Philipp Reemtsma, DDR-Chefspion Markus Wolf, aber auch den ausgebürgerten Ostdeutschen Liedermacher Wolf Biermann vertreten. Kenner der deutschen Justiz attestieren ihm ein unerschütterliches Selbstvertrauen und einen konfrontativen Stil. In Letzterem unterscheidet er sich vom ebenfalls kämpferischen Birkenstock, der auch in Mannheim immer wieder den Dialog mit der Kammer suchte.

«In feinstes Tuch gewandet, mit schneeweissen Krawattenausstaffiert, entspringt er seinem Mercedes-Zweisitzer», schrieb die Gerichtsreporterin der Hamburger Wochenzeitung «Zeit», Sabine Rückert, über Schwenn. Rückert war es auch, die Wochen vor Prozessbeginn Birkenstock am Telefon und per E-Mail dringend riet, Schwenn ins Verteidigerteam aufzunehmen. Als dieser der Empfehlung nicht nachkam, schrieb die Reporterin prompt, Kachelmann sei äusserst schlecht verteidigt.

Langwierig und teuer

Der Verteidigerwechsel wurde in der zweieinhalbwöchigen Prozesspause vorbereitet, die morgen endet. Dem Vernehmen nach soll durch den Wechsel keine Verzögerung im Verfahren entstehen. Am Mittwoch sind zwei weitere (ehemalige) Partnerinnen Kachelmanns als Zeuginnen aufgeboten.

Über die Gründe für den Wechsel schweigen sich alle Seiten aus. Neben eines Vertrauensverlusts von Kachelmann in Birkenstock und Schroth könnten auch finanzielle Fragen eine Rolle gespielt haben. Der Prozess, ursprünglich auf zwei Monate angesetzt, wird nun wohl ein halbes Jahr dauern, was Kachelmann teuer zu stehen kommt.

Erstellt: 30.11.2010, 06:35 Uhr

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