Reportage

Kleider, Klunker – und karibische Rhythmen

Wer trat wem auf die Füsse und wer liess so richtig die Puppen tanzen? Alexander Pereira lud gestern zu seinem letzten Opernball, Tagesanzeiger.ch/Newsnet war mittendrin.

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Die grosse Inszenierung, das liegt dem Österreicher Alexander Pereira – schliesslich genoss der Diplomatensohn einst eine Marketingausbildung. Er versteht es, die Dinge ins richtige Licht zu rücken – und zwar ins Rampenlicht. Zum letzten Mal lud der Intendant gestern zum Tanz, bevor er Zürich Ende Saison Richtung Salzburg verlässt und das Zepter seinem Nachfolger Andreas Homoki übergibt. Es sollte deshalb ein rauschendes Fest zum Abschluss geben, liess der charmante Intendant verlauten.

Im Innern des Opernhauses herrschte ein fröhliches Treiben, klirrende Gläser, Bussi hier, Bussi da, die Kellner versuchten sich diskret durch die Menschenmenge zu schmiegen, es wurde gelacht, geflirtet und der Zuschauer staunte ab der Farbenpracht. Die Herren trugen, der Etikette gemäss, fast ausnahmslos Frack (oder zumindest Smoking), prunkvolle Uhren am Handgelenk markierten Potenz. Zumeist waren die Herrschaften in Gesellschaft einer aparten Dame, Schmuck behängt und föhnfrisiert, stöckelten diese in einer langen, wallenden Abendrobe, parfümbenebelt und leicht beduselt, am Arme ihres, sichtlich gut gelaunten Gatten durch die Gänge. Es knallten die Korken, es floss der Champagner, eingelullt durch diese ungewohnt festlich-feudale Atmosphäre, betrachtete man staunend die seltsame Szenerie.

Tombola für Millionäre

«Sehen und gesehen werden», lautet das inoffizielle Motto des Opernballs. Einige sogenannte Freunde der Oper rümpften denn auch die Nase und blieben zu Hause - vielleicht auch wegen der Tombola? Diese war nämlich so dick aufgetragen wie der Anlass selbst, jeder Preis ein Hauptgewinn (von der IWC Uhr im Wert von 16'000 Franken über Fünf-Stern-Wellness-Wochenenden bis hin zu Einkaufsgutscheinen in Nobelboutiquen).

Auch sonst wurde allerlei unternommen, um die Gäste bei Laune, oder besser gesagt, auf Trab zu halten: Im Foyer gab es eine Charleston Show mit anschliessendem Workshop, der regen Zulauf genoss. Die grossen Starsänger Eva Liebau, Javier Camarena und Massimo Cavalletti gaben ihre Gesangskünste zum Besten. Laut Programm bildet der Einzug der Debütantenpaare den Höhepunkt des Abends, diese tanzten ihre Formationen recht nett und brav, im Saal aber war allmählich eine gewisse Unruhe zu spüren. Man zog also weiter, ins Casino.

Dresscode gebrochen

Dort trafen wir auf Style Consultant Clifford Lilley, man fragte, wie sein geschultes Auge die Wahl der Damengarderobe einschätze. «Noch nie habe ich so viele, so schreckliche Abendkleider auf einem Parkett gesehen», erklärte er und rauschte schon wieder laut lachend davon. Bis auf die Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, mutig im goldenen Hosenanzug (bestimmt von ihrem Lieblingsdesigner Akris), sah man fast ausschliesslich lange Roben. Nur eine begehrte gegen den Dresscode auf, und die durfte es: Trudie Götz, charismatische Unternehmerin (Trois Pommes) trug ein paillettenbesetztes Minikleid von Balmain. Fand sie in ihren edlen Boutiquen kein passendes Kleid für diesen Anlass? «Ich komme gerade aus Paris (die Fashion Shows, A.d.R.), ich wusste nicht, wo mir der Kopf stand...», winkte die Modezarin ab, und flüsterte mit einem vielsagenden Blick in Richtung Bar, «ausserdem lassen einem lange Kleider alt erscheinen». Wen an der Bar meinte sie wohl?

Bestimmt nicht Ursula Knecht (Option Model), die sah nämlich schlicht umwerfend aus in ihrer enganliegenden, unten weitausgestellten, dunklen Valentino-Robe, und war obendrein unglaublich sympathisch. Man unterhielt sich ein bisschen über den Schweizer Modelnachwuchs und zog dann weiter durch die Korridore, wo man mal Günther Netzer über den Weg lief, immer wieder Moderator Marco Fritsche herumalbern sah – er war mit Kollege Michael von der Heide anwesend (dieser schien den Abend übrigens damit zu verbringen, im Freien Kette zu rauchen).

Karibischen Rythmen

Dort dürfte von der Heide Bekanntschaft mit Liliana Matthäus gemacht haben, die als Begleitung von Millionärssohn-Entrepreneur-Socialite Patrick Liotard-Vogt anreiste, später aber nicht mehr an seiner Seite gesehen wurde. Und dann war da noch das Ehepaar Köppel. Roger Köppel unterhielt sich während des Dinners sehr angeregt mit dem Mann der Schauspielerin Stefanie Japp («Grounding»). Später, man traf sich unverhofft, fragte er keck: «Haben Sie ihr Fazit für den Abend?». Nun, dafür musste man zuerst einen Augenschein im Latin-Club nehmen, wo Hildegard Schwaninger die Hüften kreisen liess. Und da tauchte wie aus dem Nichts Alexander Pereira auf. Ob er die zauberhaft-protzige Nacht nicht vermissen werde? «Na, nächstes Jahr, da komme ich als Gast zurück!». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2012, 10:59 Uhr

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