Prinz Charles in Kunstfälscher-Skandal verwickelt

Drei Gemälde, die einen Gesamtversicherungswert von vermeintlich 120 Millionen Euro haben, haben sich als Fälschungen herausgestellt.

Den Prince of Wales dürfte die Affäre um die gefälschten Gemälde besonders schmerzen, weil Dumfries House für ihn ein Herzensprojekt darstellt. (Foto: Royal Collection Trust/Picture Alliance/Empics)

Den Prince of Wales dürfte die Affäre um die gefälschten Gemälde besonders schmerzen, weil Dumfries House für ihn ein Herzensprojekt darstellt. (Foto: Royal Collection Trust/Picture Alliance/Empics)

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Normalerweise freut sich Prinz Charles über jede Publicity, die sein Anwesen Dumfries House bekommt. Die Geschichte, durch die das Herrenhaus in Südwestschottland jetzt in die Schlagzeilen geraten ist, amüsiert den britischen Thronfolger allerdings sicher weniger: Wie die Mail on Sunday herausgefunden hat, entpuppten sich drei Bilder mit einem Gesamtversicherungswert von vermeintlich 120 Millionen Euro, die dort bis vor Kurzem hingen, nun als Fälschungen. Der mittlerweile bankrotte britische Geschäftsmann und Playboy James Stunt hatte Dumfries House die Bilder leihweise überlassen. Nun steckte der US-amerikanische Maler und ehemalige Kunstfälscher Tony Tetro der Mail on Sunday, dass sie nicht von Claude Monet, Salvador Dalí und Pablo Picasso stammten, sondern von ihm.

Der gebürtige New Yorker Tetro war in den Siebziger- und Achtzigerjahren als Fälscher aktiv, wurde aber im Jahr 1985 überführt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Seit seiner Entlassung aus der Haft malt Tetro, der vor allem für seine perfekten Dalí-Imitate bekannt ist, nur noch Kopien echter Meisterwerke sowie Pastiches im Stil grosser Meister. Der Mail on Sunday sagte er, es gebe keinen Zweifel, dass James Stunt gewusst habe, wer die Bilder, die er an Charles' Anwesen verlieh, tatsächlich gemalt habe. «Ich will damit nichts zu tun haben», sagte Tetro. «Keine Frage: James wusste, dass die Bilder von mir sind.»

Den Prince of Wales hingegen dürfte der Vorgang besonders schmerzen, weil Dumfries House für ihn ein Herzensprojekt ist. Charles erwarb das Herrenhaus 2007 über seine gemeinnützige Prince's Foundation, um von dort aus die Menschen in der strukturschwachen Region East Ayrshire zu unterstützen. In ehemaligen Stallungen und Scheunen sind Lehrwerkstätten für Maurerei, Klempnerei und Reetdachdeckerei, eine Lehrküche und eine Weberei untergebracht, welche die traditionelle lokale Textilindustrie wiederbeleben soll.

James Stunt bestreitet entschieden, dass es sich bei seinen Leihgaben um Fälschungen gehandelt habe. «Meine Sachen sind alle echt», zitiert ihn die Daily Mail. Angeblich lag der Leihvereinbarung sogar ein Zertifikat des Pariser Wildenstein-Instituts bei, das als höchste Autorität in Sachen Monet gilt.

James Stunt im Bild neben Petra und Bernie Ecclestone im Juni 2009 anlässlich des Formel-1-Rennens in Silverstone. Bild: Keystone/Jens Büttner.

Stunt, der bis 2017 mit der Formel-1-Erbin Petra Ecclestone verheiratet war, ist eine schillernde Figur. Der Goldhändler besitzt eine Flotte von 200 Luxusautos sowie eine umfassende Wein- und Kunstsammlung, wurde aber im vergangenen Juni von einem Londoner Gericht für bankrott erklärt. Der Vorsitzende Richter nannte bei dieser Gelegenheit Stunts Verhalten gegenüber seinen Gläubigern «abscheulich».

Die Prince's Foundation liess derweil wissen, Dumfries House nehme «gelegentlich» Leihgaben von Privatleuten sowie öffentlichen Museen wie der Scottish National Gallery an. Zudem räumte ein Sprecher der Stiftung ein, es habe schon länger Zweifel an der Echtheit der fraglichen Bilder gegeben. Stunts Leihgaben seien mittlerweile wieder an diesen zurückgegeben worden. Ungeklärt ist, warum die Bilder nicht früher als Fälschungen erkannt wurden. Üblicherweise signiert Tony Tetro seine im Stil anderer Künstler gemalten Gemälde nämlich mit seinem eigenen Namen. Auf den Marktwert von Tetros Arbeiten kann es sich jedenfalls nur vorteilhaft auswirken, dass seine Arbeiten als echte Meisterwerke durchgingen.

Laut Prince's Foundation werden alle Entscheidungen über solche Leihgaben von der Stiftung getroffen, nicht vom Prinzen persönlich. Wäre Charles stärker involviert gewesen, hätte er den ganzen Schlamassel vielleicht vermeiden können. Schliesslich ist die Royal Collection, die ungefähr 7000 Ölgemälde, 30'000 Aquarelle und eine halbe Million Grafiken umfasst, eine der weltweit bedeutendsten Kunstsammlungen. Offiziell verwaltet Queen Elizabeth II. die Sammlung treuhänderisch für die britische Öffentlichkeit, aus deren Steuern sie ja angeschafft wurde; de facto verfügt die Queen darüber aber wie über eine Privatsammlung. Hätte Charles um eine Leihgabe für Dumfries House nachgesucht, hätte seine Mutter ihm sicher ausgeholfen.

Erstellt: 04.11.2019, 18:13 Uhr

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