Putin und die Babygerüchte

Die Geliebte des russischen Präsidenten soll ein Kind geboren haben. Der Kreml dementiert eine Vaterschaft.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Gerücht schlug ein wie eine Bombe: Alina Kabajewa, die angebliche Geliebte des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin soll im Tessin ein Kind geboren haben. Oder die Geburt steht kurz bevor. Oder doch nicht? Die Spekulationen losgetreten hatte gestern Morgen der «Blick» auf seinem Onlineportal.

Offenbar soll einer Mitarbeiterin der Klinik Sant’ Anna in Lugano herausgerutscht sein, Kabajewa, ehemalige Olympiasiegerin in der Rhythmischen Gymnastik, werde in dem Luxusspital ein Kind zur Welt bringen. Putins Kind.

Das Tessiner Fernsehen RSI wusste darauf zu berichten, dass das Paar zwei Zimmer in der Klinik reserviert haben soll. Der «Corriere del Ticino» zog nach und schrieb, das Baby sei bereits letzte Woche zur Welt gekommen. Es handle sich um ein Mädchen. Das Tessiner Onlineportal Ticinonews.ch zitierte daraufhin «gut unterrichtete Quellen», dass das Mädchen im Beisein des russischen Präsidenten höchstpersönlich das Licht der Welt erblickt haben soll.

Der Präsident sei gar mit einer Gynäkologin der Klinik befreundet. Der «Blick» doppelte online schliesslich nach: Das Mädchen sei bereits das dritte Kind von Putin und Kabajewa. Das Paar habe einen Sohn und eine Tochter.

Schwanger gesichtet

Wirklich Handfestes kam in der Diskussion jedoch kaum zum Vorschein. Die «Neue Zürcher Zeitung», welche schon am Donnerstag gleich vier Reporter vor Ort auf die Geschichte angesetzt hatte, fand zwar Anwohner, welche Kabajewa in den letzten Wochen schwanger in Lugano gesehen haben wollen. Dem Klatsch nach habe sie auch Arzttermine in der Clinica Sant’ Anna wahrgenommen.

Zudem habe man «aus Ärztekreisen» erfahren, dass in der betreffenden Klinik in den letzten Tagen die medizinischen Teams verstärkt worden seien. Doch «ein aussergewöhnliches Sicherheitsdispositiv», wie es bei solch exklusiver Klientel zu erwarten wäre, gebe es nicht vor Ort, schrieben die Reporter. Beweise fehlten gänzlich. Und die Klinikdirektorin Michela Pfyffer von Altishofen liess mitteilen, dass es nicht Usus sei, Auskünfte über Klienten zu erteilen.

Was bekannt ist: Das Spital ist bekannt für seine Maternité und den exquisiten VIP-Service. Berlusconis Tochter habe hier ein Kind geboren. Auch Michelle Hunziker brachte ihre erste Tochter, Aurora, in der Luganeser Klinik zur Welt. Sogar Hunziker selbst wurde 1977 in der Luganeser Klinik geboren. Das Spital scheint sogar bewusst russische Gäste anzusprechen: Die Website der Klinik Sant’ Anna ist auch in Russisch vorhanden.

Wo war Putin?

Die Medien spekulierten gestern gar, ob die möglichen Vaterfreuden mit der längeren Abwesenheit Putins zu tun haben könnten. Er war angeblich am 5. März zum letzten Mal öffentlich aufgetreten. Danach sagte er einen Staatsbesuch in Kasachstan ohne Angaben von Gründen ab.

In der letzten Woche war auch über eine mögliche Krankheit Putins spekuliert worden. Gestern reagierte der Kreml schliesslich auf sämtliche Mutmassungen: «Informationen, wonach Wladimir Putin ein Kind geboren wurde, sind nicht richtig», sagte Putin-Sprecher Dmitri Peskow der Russland-Ausgabe des Magazins «Forbes». Man sollte eine Belohnung für die «beste Medienente» ausloben, scherzte der Sprecher.

Zudem veröffentlichte der Kreml Bilder Putins im Gespräch mit dem Vorsitzenden des obersten Gerichts in seinem Landhaus, die gestern entstanden sein sollen. Peskow betonte gestern, der Staatschef sei «absolut» gesund und habe einen Händedruck, der «dir die Hand bricht».

Dennoch: Die Gerüchte um eine Beziehung zwischen Putin und Kabajewa kursieren in Russland seit Jahren im Boulevard. Doch erst im letzten April war die Scheidung Putins von seiner Ehefrau Ljudmila offiziell bekannt gegeben worden. Im September 2014 bekamen die Gerüchte neuen Schwung, als Putin Kabajewa zur Chefin der einflussreichen National Media Group (NMG) ernannte.

Zuvor sass sie bereits sieben Jahre für die Putin-Partei Vereintes Russland im Parlament. Im Dezember schliesslich erzählte der Kreml-Chef, «ein europäischer Freund, ein grosser Anführer» habe ihn gefragt, ob er jemanden liebe. Er habe dies bejaht – ebenso wie die Frage, ob seine Liebe auch erwidert werde. (sam)

Erstellt: 13.03.2015, 12:52 Uhr

Artikel zum Thema

Krims Märchen

Reportage Mit viel Pathos holte Wladimir Putin vor einem Jahr die Halbinsel «zurück in den Heimathafen». Ein Besuch bei denen, die nie gejubelt haben. Mehr...

«Meine Grossmutter hatte ihn gewarnt»

Boris Nemzows Tochter war zu Gast bei Günther Jauch: Zhanna Nemzowa sprach kaum über Trauer – sie klagte lieber Präsident Putin an. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home 10 festliche Köstlichkeiten

Mamablog Der wahre Held meiner Geschichten

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Schattenspiel: Biathleten trainieren im österreichischen Hochfilzen für den 10km Sprint im Weltcup. (13.Dezember 2018)
(Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images) Mehr...