Sie hätte sich für den Dichter entschieden

Miriam Stein, die Schweizer Schauspielerin, hat ihr Kinodebüt als Goethes Geliebte.

Schwärmt von ihrer Filmrolle: Miriam Stein zeigt sich in Berlin an der Premiere von «Goethe!».

Schwärmt von ihrer Filmrolle: Miriam Stein zeigt sich in Berlin an der Premiere von «Goethe!». Bild: Keystone

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Noch findet sie es seltsam, sich selber auf der Kinoleinwand zu sehen. Überlebensgross, in ein historisches Kostüm gesteckt und mit roter Lockenmähne auf dem Kopf. Miriam Stein, Hauptdarstellerin im deutschen Liebesdrama «Goethe!», hat in ihrer noch jungen Karriere einen grossen Sprung nach vorne gemacht.

Bisher war die 22-jährige österreichisch-schweizerische Doppelbürgerin in der Öffentlichkeit wenig bekannt – jedenfalls weniger als ihr Vater, der in Deutschland lebende Schweizer Fernsehmoderator Dieter Moor. Das dürfte sich jetzt ändern. In einem Berliner 5-Sterne-Hotel empfängt die Jung-Schauspielerin zum Interview.

Wahrheit und Dichtung

Mit dem aufwendig produzierten Historienfilm «Goethe!» will Regisseur Philipp Stölzl das «verstaubte Bild einer deutschen Legende in neuen Farben leuchten lassen». Der Film erzählt vom Liebesabenteuer des jungen Dichters und folgt dabei halb der biografischen Wahrheit, halb einer modernen Dichtung. Miriam Stein tritt als kecke, betörend schöne junge Charlotte auf, in die sich Goethe (verkörpert von Alexander Fehling) Hals über Kopf verliebt. «Ich sah dich, und die milde Freude / Floss aus dem süssen Blick auf mich ...», flötet er der Angebeteten ins Ohr.

Ist der Stoff des deutschen Nationaldichters nicht etwas zu altbacken, um daraus einen Kino-Blockbuster zu machen? «Goethe hat mir immer schon gefallen», sagt Miriam Stein. Der Dichter habe Gefühle so schön aufs Papier gebracht. Stein und Filmpartner Fehling haben ihrerseits Goethe solide und sympathisch auf die Leinwand gebracht. «Der Film kann jungen Menschen eine Idee geben, wer Goethe war», sagt Miriam Stein. «Dass er auch jung war, dass er Sex hatte und gelegentlich einen über den Durst trank.»

Zeit für einen Erfolg

Die ersten Reaktionen auf «Goethe!» waren freundlich. Gut für Schauspielerin Stein. Ihr letzter beruflicher Grosserfolg liegt schon eine Weile zurück. 1999, damals noch ein Kind, spielte sie die Hauptrolle im TV-Flüchtlingsdrama «Das Mädchen aus der Fremde». Stein wurde dafür mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet.

Andere Rollen, zum Teil auch kleinere, erregten weniger Aufsehen. Derzeit laufen die Dreharbeiten für «Verdingbub», eine deutsch-schweizerische Koproduktion. Stein spielt darin eine Lehrerin. Ende Oktober ist der Film fertig gedreht.

Schwärmen von der Filmfigur

Was kommt dann? Miriam Stein weiss es nicht. Sie, die in Wien aufgewachsen ist, hat an der Zürcher Hochschule der Künste studiert. Dann verbrachte sie mehrere Monate in Paris – und lebt nun in Berlin. Das Leben einer jungen Kosmopolitin.

Eine neue Rolle hat sie noch nicht. Am liebsten würde sie «eine etwas verrückte Frau» spielen. So wie Charlotte? Die Filmfigur scheint der jungen Schauspielerin ans Herz gewachsen zu sein. Charlotte strahle eine unglaubliche Lebensfreude aus, sei aber gleichzeitig vernünftig, schwärmt Stein. «Eine starke Frau.»

Vernunftentscheid zum Schluss

Schlüsselszene des Films: Lotte besucht den inhaftierten Goethe in der Zelle und sagt sich von ihm los. Ein Leben an der Seite des spröden Gerichtsrats Albert Kestner (gespielt von Moritz Bleibtreu) verspricht mehr Sicherheit, mehr Stabilität. Der Dichter schreibt darauf «Die Leiden des jungen Werther» und wird weltberühmt. So oder ähnlich war es auch im Leben des historischen Goethe und der historischen Charlotte.

Miriam Stein freilich hätte anders gehandelt. «Ich hätte mich für Goethe entschieden», sagt sie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2010, 20:41 Uhr

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