Streit um das Millionenerbe Monica Morells

Die Schweizer Schlagersängerin hat rund 40 Millionen Franken vererbt, unter anderem der Rega und der Krebshilfe. Drei Cousinen zweiten Grades fechten das Testament an.

Grosse Zeiten: Monica Morells Riesenhit.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Monica Morell erzählte traurige Geschichten zu melancholischen Melodien, die kitschig tönten. Im Lichte ihrer eigenen Biografie bekommen die Lieder jedoch eine Bedeutung über den banalen Wortsinn hinaus: Der Hit «Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an», mit dem sie Anfang der 70er-Jahre zum Schlagerstar wurde, war ihrem Freund Tommy gewidmet, der an einem Sonntag tödlich mit dem Motorrad verunfallt war. Spätere Songs wurden nach und nach Wirklichkeit.

Die Verszeile «Das Leben schreibt nicht auf Papier . . . das Leben schreibt unter die Haut» bekam sie mit voller Härte zu spüren: Ihr einziger Sohn, der ebenfalls Tommy hiess, starb an plötzlichem Kindstod. Kurz nach ihrem Karrierenende erkrankte Monica Morell an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Nach qualvollen Jahren erlag sie im Februar 2008 im Alter von 55 einem Krebsleiden.

Cousinen tauchen auf

War das Leben der Schweizer Schlagersängerin von Verlust und Krankheit gezeichnet, ist ihr Nachleben von Streit und Missgunst geprägt. Nachdem das Testament im Mai letzten Jahres eröffnet worden war, meldeten sich plötzlich drei Cousinen zweiten Grades, die einen Teil des Erbes für sich beanspruchen. Sie fochten das Testament an. In welcher Beziehung die drei Frauen - Töchter eines Onkels von Morells Mutter - zur Sängerin standen, ist unbekannt. Sie selber wollen zum Erbstreit keine Stellung nehmen, und ihre Anwältin verweigert jede Aussage mit Verweis auf das Anwaltsgeheimnis.

Morells Willensvollstrecker, ein pensionierter Bankangestellter, ist jedoch überzeugt, dass die Sängerin die drei Cousinen nicht kannte. Angewidert von deren Gebaren, möchte er keine Details preisgeben. «Monica Morell war eine ehrbare Frau», sagt er als Begründung. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Monica Wirz-Römer hiess, unterstützte zeitlebens gemeinnützige Stiftungen. Vier von ihnen vermachte sie auch den Löwenanteil ihres Erbes von rund 40 Millionen Franken: der Rega, der Krebshilfe, der Beat-Richner-Stiftung und dem Hilfswerk Denk an mich. Zudem vererbte sie verschiedenen Freunden und Bekannten Geld, Immobilien, Aktien und Kunstgegenstände. Die Cousinen sind im Testament nirgends aufgeführt.

Drei Frauen wollen einen Teil

Trotzdem sind die drei Frauen überzeugt, dass ihnen ein Teil des Erbes zusteht, und zwar Gegenstände im Wert von zwischen 300 000 und 1,5 Millionen Franken. Sie berufen sich auf eine Formulierung am Ende des Testaments, um deren Interpretation sich jetzt die Anwälte streiten: «Der Rest (. . .) fällt an die Erben.» Umstritten ist, ob der Begriff «Erben» dabei im juristischen Sinne zu verstehen ist. In diesem Fall käme den Cousinen dieser Teil zu, weil sie tatsächlich die gesetzlichen Erben sind.

Hans Wüst, der Anwalt der vier Stiftungen, glaubt jedoch, dass Monica Morell den Begriff «Erben» in einem umgangssprachlichen Sinn verwendet und damit die aufgeführten Stiftungen gemeint habe. «Eine andere Interpretation würde dem Geist des Testaments und dem Willen Monica Morells widersprechen», sagt er. Der Fall liegt einstweilen beim Friedensrichter in Maur im Kanton Zürich, wo die Sängerin zuletzt gewohnt hatte.

Gutes Geld von der ZDF-Hitparade

Der Reichtum Morells setzt sich zusammen aus einer eigenen Erbschaft, wurde sie doch von einer vermögenden Familie adoptiert. Gutes Geld verdiente sie auch als Sängerin, die oft in die «ZDF-Hitparade» von Dieter Thomas Heck eingeladen wurde. Insgesamt verkaufte sie 15 Millionen Platten, allein 1,5 Millionen Mal die Single mit ihrem grossen Hit «Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an». Ihr Schicksal, das sie darin beklagt, musste sie ausgeblendet haben, als sie das Testament aufsetzte: Es datiert vom 7. Januar 2007 - einem Sonntag.

Ein Leben voller Verlust, Trauer und Krankheit: Schlagersängerin Monica Morell in den 70er-Jahren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2009, 06:51 Uhr

Blogs

History Reloaded Die Grande Nation der Revoluzzer

Geldblog Wie komme ich zu integren Börsennews?

Die Welt in Bildern

Grenze der Hoffnung: Bauunternehmer verstärken die Mauer in San Diego, USA, weil in den vergangenen Wochen zahlreiche Migranten illegal den Zaun in Tijana, Mexiko überquert haben. (10. Dezember 2018)
(Bild: Rebecca Blackwell) Mehr...