Wie aalglatte Jungs um Stimmen buhlen

Jung, sportlich und zuverlässig: Das sind sie alle. Im Kampf um die Gunst der Zuschauer müssen sich die austauschbaren Mister-Schweiz-Kandidaten deshalb so einiges einfallen lassen – oder Papa zu Hilfe holen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit nackten, gestählten, glattrasierten Oberkörpern und einem charmanten Zahnpastalächeln posieren sie jedes Jahr schon Monate vor den Wahlen in jedem zweiten Heftli. Mit schaumschlägerischen Kommentaren über Gott, die Welt und sich selbst versuchen sie inbrünstig, die Herzen der Leser zu erobern. Ja, die Finalisten der Mister-Schweiz-Wahl sind sich für fast nichts zu schade, wenn es um den Stimmenfang geht. Ob sie dabei erfolgreich sind oder nicht, ist eine andere Frage.

Die Saubermänner erster Güte

Auch für die diesjährige Wahl, die morgen Samstag stattfindet, haben sich alle Kandidaten mächtig Mühe gegeben mit der Self-Publicity. Auf der offiziellen Wahl-Homepage hat jeder von ihnen ein eigenes Profil erstellt. Doch trotz aller Anstrengungen: Die Suche nach dem speziellen, aussergewöhnlichen Typ bleibt erfolglos. Der Grossteil unter den möglichen Nachfolgern des jetzigen Mister Schweiz André Reithebuch ist megasportlich, ehrlich, zuverlässig und hilfsbereit. Geld würden sie natürlich nie und nimmer für Sex oder sogar Drogen ausgeben. Die meisten von ihnen sind studierende Singles. Allesamt aalglatte Burschen eben, Saubermänner erster Güte. Könnte man zumindest meinen.

Nebst den teilweise erheiternden Selbstbeschreibungen der Finalisten findet man auf der Website auch die Zahlen der Vorwahlen. Auffällig dabei: Die Kandidaten mit den meisten Stimmen hatten im Vorfeld schon mal spezielle Medienauftritte. So beispielsweise Marco Dell’Aqcua, der die Öffentlichkeit ausführlich über seine vielen Frauengeschichten und Casanova-Qualitäten ins Bild setzte. Auch Daniel Mkongo liegt ganz weit vorne beim Voting. Er gab den Medien stets detailliert Auskunft darüber, wies denn so mit seinem Liebesleben steht.

Mit Papas Hilfe

Doch nicht nur die Medienpräsenz entscheidet, wie die Mister-Männer beim Publikum ankommen. Klar, wer nichts zu erzählen hat, ist schnell weg vom Fenster. Aber es gibt ja auch noch überengagierte Väter, die mit ihrem Vermögen und ihrem Einfluss kräftig die Werbetrommel für den flotten Sohnemann rühren. So geschehen bei André Reithebuch: Fünfstellige Beträge soll sein Papi in die Mister-Schweiz-Wahlen gebuttert haben. Dass solche Massnahmen vor allem in provinziellen Gegenden wie Glarus gut funktionieren, ist naheliegend. Jeder kennt jeden, man schuldet einander noch etwas und legt füreinander die Hand ins Feuer.

Ebenfalls nicht neu ist die Selbstvermarktung über Facebook und ähnliche Portale, wo Hunderte «Freunde» von den Kandidaten und deren Handlangern bombardiert werden mit Aufrufen wie «Vote for me» und «Give me your click». Ja, Freunde kann man halt nie genug haben – besonders, wenn man Mister Schweiz werden will.

Erstellt: 07.05.2010, 13:29 Uhr

Mister Schweiz Wahl

Samstag, 20.05, SF1.

Blogs

Mamablog Papas Alleswisserei nervt

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...