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Abgang eines Unersetzlichen

Der Gründer des Werbemultis WPP, Martin Sorrell, tritt zurück.

«Der Weise von Soho»: Sir Martin wurde kraft seines Erfolgs zum Gesicht der Werbeindustrie. Bild: Reuters/Eric Gaillard
«Der Weise von Soho»: Sir Martin wurde kraft seines Erfolgs zum Gesicht der Werbeindustrie. Bild: Reuters/Eric Gaillard

«Wer einzigartig ist», sagte Martin Sorrell einmal über seinen Freund Bernie Ecclestone, «kann nicht ersetzt werden.» Für einzigartig hielt sich auch Sorrell selbst, also für unersetzlich. Aber am Samstag, nach 33 Jahren Unersetzlichkeit, trat er abrupt als Chef der WPP zurück, eines Giganten der Werbung mit 200'000 Angestellten und 3000 Niederlassungen in 112 Ländern. Der Konzern hatte gegen seinen 73-jährigen Gründer eine Untersuchung durchgeführt. Der Grund: «Vorwürfe persönlichen Fehlverhaltens.» Zudem soll Sorrell «Unternehmensgelder missbräuchlich verwendet» haben. Genaueres ist nicht bekannt; Sorrell bestreitet jede Pflichtwidrigkeit.

Es ist das demütigende Ende einer in der Tat einzigartigen Karriere. Sorrell hat zwar nie einen Werbeslogan geschrieben, keinen Spot gedreht und nie ein Inseratebudget verwaltet. Aber der ­ in London geborene Absolvent der Harvard Business School machte aus einem obskuren englischen Einkaufskorb-Hersteller namens Wire & Plastic Products durch Akquisitionen, Fusionen und Finanztransaktionen ein weltumspannendes Werbekonglomerat. In der Schweiz gehören dazu etwa die Agenturen Y&R, Ogilvy & Mather und Wunderman.

Sorrells Strategie, seither gern kopiert: Er konzentrierte die wichtigen wirtschaftlichen Funktionen der Werbung in einer Hand, die ­Kreativen liess er an der langen Leine. Für seine Verdienste adelte ihn die Queen im Jahr 2000. Sir Martin wurde kraft seines Erfolgs zum Gesicht der Werbeindustrie, er galt als «der Weise von Soho». Und das, obwohl er kaum Bemerkens­wertes zu sagen hatte, weder zur Werbung noch auf sonst einem Gebiet: «Marketingkosten sind eine Investition, keine Ausgaben.» Oder: «Die Technologie wird sich in zehn Jahren unvorstellbar weit entwickelt haben.»

Dabei überrumpelte ihn gerade diese Entwicklung. Facebook und Google untergruben Sorrells Geschäftsmodell. Er erkannte das nicht schnell genug. Sorrell, einer der bestbezahlten Firmenchefs Englands, lieferte schlechte Ergebnisse ab, der Börsenkurs brach ein. Dass er «jeden Penny wert» sei, den er verdiene, tönte nicht mehr ganz so überzeugend.

Klar, Sorrell arbeitete viel und hart. Er war bekannt dafür, immer erreichbar zu sein. Darunter zerbrach seine erste Ehe, aus der drei Söhne hervorgingen. Sie wurde spektakulär teuer geschieden. Seit 2008 ist er mit der dreissig Jahre jüngeren Cristiana Falcone verheiratet, einer Chefberaterin von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Die beiden haben seit Ende 2016 ein gemein­sames Kind. Aber, schrieb er in seinem Abschiedsbrief an die WPP-Angestellten, die Firma werde auch immer sein Baby bleiben. WPP sei ihm wichtiger als «Leben und Tod».

Ersetzt wird Sorrell bei WPP übrigens durch drei Leute, alles alte Weggefährten.

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