Als Barbie Kokain schmuggelte

Der Kartellkiller Edgar Valdez muss 49 Jahre ins Gefängnis.

Verurteilt wegen Drogenschmuggels und Geldwäscherei: der ehemalige Kartellpatron Edgar Valdez. Bild: AP/Alexandre Meneghini

Verurteilt wegen Drogenschmuggels und Geldwäscherei: der ehemalige Kartellpatron Edgar Valdez. Bild: AP/Alexandre Meneghini

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Sie nennen ihn «la Barbie». Weil er blaue Augen und helle Haare hat. Sie haben ihn verurteilt. Weil er Leute getötet und Kokain geschmuggelt hat. ­­49 Jahre und einen Monat muss Edgar Valdez Villarreal ins Gefängnis, dazu 192 Millionen Dollar Strafe zahlen. Das ist der Wert der Drogen, die er während Jahren von Mexiko über die Grenze in die USA transportierte. 12 Tonnen Kokain sollen es in all den Jahren gewesen sein. Konservativ geschätzt.

Barbie wuchs in Texas auf und spielte sehr talentiert American Football. Seine Eltern erzogen ihn und seine sieben Geschwistern nach strengen Grundsätzen – dabei muss etwas schiefgegangen sein. Denn die eine Schwester ist heute Staatsanwältin. Barbie aber schüttelte die Hand des Teufels. Valdez verkaufte auf der Strasse Marihuana und stieg bald die Karriereleiter im Drogenkartell empor, anfangs in der Bande von Beltran Leyva. Er kam zu viel Geld, zu teuren Kleidern und luxuriösen Häusern. Auf einer Ranch soll er auch einen Zoo gehabt haben, in dem ein Löwe wohnte.

Valdez hatte einen Sinn für das Pompöse und pflegte seinen Ruf für das Brutale. Er war der Chef der 30-köpfigen Killerbande, die das verfeindete Kartell der Zetas schwächen sollte. Als dieses vier Auftragsmörder schickte, um Barbie zu töten, nahm dieser mithilfe der örtlichen Polizei die Killer gefangen. Valdez folterte sie, filmte ihre Geständnisse über begangene Morde und liess einen von ihnen mit Pistolenschüssen hinrichten. Dann verschickte er das Video an die Medien, an die Gegner, gar an die US-Polizei.

Familie wohnte dem Prozess bei

In der Anarchie des Internets tat er das, was der IS Jahre später mit seinen Videos machte: Einschüchterung und Propaganda. Klassischer Terrorismus. Der Kampf um die Vormacht ging so weit, dass Valdez und seine Komplizen geköpfte Opfer an Brücken aufknüpfen liessen. Einschüchterung und Propaganda.

Nun sitzt der heute 44-Jährige, den der damalige mexikanische Präsident als «einen der meistgesuchten Kriminellen Mexikos» bezeichnete, in einer amerikanischen Zelle. 2010 wurde er in Mexiko verhaftet, 2015 an die USA ausgeliefert. Er kooperierte mit den Behörden und wurde am Montag verurteilt wegen Drogenschmuggels und Geldwäscherei.

Edgar Valdez: Hier wird der Drogenboss festgenommen. (Video: Reuters)

Seine Familie wohnte dem Prozess bei, sie reagiert mit Unverständnis auf die Taten ihres Sohnes und Bruders. Die Schwester, die Staatsanwältin, sagte: «Jeden Tag frage ich mich, wie das passieren konnte.» Der Bruder hat für sie einen Ansatz von einer Antwort parat. Er wolle für junge Leute ein Beispiel dafür sein, welch schlimme Dinge Drogen mit einem anstellen können. Und fügt an: «Ich bin keine schlechte Person. Ich bin eine gute Person, die schlechte Entscheide gefällt hat.»

Viele schlechte Entscheide.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 18:54 Uhr

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