Basler Spital weist Hochschwangere mit Wehen ab

Mit Wehen geht eine Baslerin ins Spital, wo sie ihr Kind zur Welt bringen soll. Vor Ort sagt man ihr, dass es kein freies Bett mehr hat – und überlässt sie sich selbst.

Keine offenen Pforten: Statt im Bethesda-Spital und in Begleitung von ihrem Arzt muss eine Frau ihr Kind in einem anderen Krankenhaus zur Welt bringen. Dort darf ihr Arzt nicht mit in den Gebärsaal.

Keine offenen Pforten: Statt im Bethesda-Spital und in Begleitung von ihrem Arzt muss eine Frau ihr Kind in einem anderen Krankenhaus zur Welt bringen. Dort darf ihr Arzt nicht mit in den Gebärsaal. Bild: Kostas Maros

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Es ist Mittwochnacht gegen zehn Uhr, als bei Emma Fluri* die Wehen einsetzen. Die Spital-Tasche steht bereit, die Vorfreude, bald schon das ersehnte Baby in den Armen zu halten, ist riesig.

Wie mit ihrem Frauenarzt besprochen nimmt sich die Frau ein Taxi und fährt ins Bethesda-Spital – dort soll sie ihr Kind zur Welt bringen. Doch es kommt ­alles anders als geplant.

Als sie vor Ort eintrifft und sich an­melden will, weist man sie ab. Dies, obwohl sie schon lange im Spital zum Gebären angemeldet ist. Es gibt kein Bett für die Hochschwangere, es herrscht Aufnahmestopp. Im ersten Moment ist sie so perplex, dass sie nicht versteht, was da passiert.

Der grosse Schock

Die Wehen kommen in immer kürzeren Abständen. Emma Fluri fragt nach, was sie denn nun machen, wo sie hingehen soll. Sie bekommt zur Antwort, dass man das nicht wisse. Die Hochschwangere erhält vom Spital keine Hilfe.

In ihrer Verzweiflung ruft Emma Fluri ihren Frauenarzt an. Er wäre ihr auch bei der Geburt im Spital zur Seite gestanden. Der Arzt ist genauso ­schockiert über diese Situation wie seine Patientin und macht sich sofort daran, eine Lösung zu finden.

Nach Minuten, die sich für die Baslerin wie Stunden anfühlen, ruft er sie zurück und gibt ihr Bescheid, dass er einen Platz in einem anderen Spital organisiert hat. Sie solle ein Taxi rufen und dorthin fahren.

«Diese Nacht wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Ich wünsche keiner Frau, dass sie das je erleben muss.»Abgewiesene schwangere Frau

Als Emma Fluri im Taxi sitzt und sich etwas beruhigt hat, kommt die nächste Hiobsbotschaft: Ihr Arzt darf nicht mit ihr in den Gebärsaal gehen und sie bei der Geburt unterstützen. Am neuen Ort hat er keine Befugnis. Für die Hochschwangere bricht eine Welt zusammen. Neun Monate hat er sie und ihr ungeborenes Kind begleitet.  

Im Spital angekommen, geht dann alles ziemlich schnell. Drei Stunden nach dem Debakel vor dem Bethesda-Spital gebärt Emma Fluri ihr Kind. Sie ist überglücklich. «Trotzdem bin ich noch immer entsetzt darüber, dass man mich in dieser Situation einfach abgewiesen hat. ­Diese Nacht wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Ich wünsche keiner Frau, dass sie das je erleben muss.»

Nicht die einzige Betroffene

Der Aufnahmestopp Anfang Juli wurde aufgrund Bettenknappheit lanciert, erklärt man im ­Bethesda-Spital, das könne auch an anderen Orten passieren. In dieser Nacht ist Emma Fluri nicht die einzig betroffene Patientin. Jedoch seien sämtliche Belegärzte kurzfristig informiert worden.

Dass ein Aufnahmestopp «passieren» kann, kennt man beispielsweise bei der Frauen­klinik des Kantonsspitals Baselland nicht. «Das war hier noch nie der Fall. Wir haben bisher noch nie jemanden abgelehnt. Das Kantonsspital Baselland hat einen Leistungsauftrag zu er­füllen, und dies verlangt, dass die Aufnahme von schwangeren Frauen in jedem Fall gewähr­leistet wird», schreibt das Spital auf Anfrage.

«Bei Beginn der Wehen muss sich die Schwangere telefonisch im Spital melden und mit einer Hebamme besprechen, wie das ­weitere Vorgehen ist.»Daniel Klötzli, Bethesda-Spital

Laut Daniel Klötzli von der Medienstelle des Bethesda-­Spitals gibt es vor Geburtseintritt eine klare Regelung. «Bei Beginn der Wehen muss sich die Schwangere telefonisch im Spital melden und mit einer Hebamme besprechen, wie das ­weitere Vorgehen ist», erklärt er. «Hätte diese Frau das gemacht, wäre sie bestimmt informiert worden, dass sie wegen Auf­nahmestopp in ein anderes Spital gehen muss.»

Dafür, dass der Frau scheinbar nicht geholfen wurde, eine Transportmöglichkeit in ein Ausweichspital zu organisieren, ­entschuldigt man sich. «Aufgrund dieses Vorfalls haben wir festgestellt, dass wir unsere internen Weisungen bei den Transportregelungen konkretisieren müssen. Dies werden wir um­gehend tun. Und bei der betroffenen Frau entschuldigen wir uns auf diesem Weg.» 

Die Betroffene sagt dazu: «Hätte ich zuerst telefoniert und wäre nicht direkt ins Spital gefahren, hätte mir das eine Fahrt erspart. An der Tatsache, dass ich erst kurz vor der Geburt erfahre, dass ich mein Kind nicht im gewünschten Spital, mit dem von mir gewählten Arzt auf die Welt bringe, ändert es jedoch nichts.» Nach einer kurzen Pause fügt sie an: «Und auch nicht an der unterlassenen Hilfeleistung.»

*Name geändert.

Erstellt: 27.07.2019, 22:51 Uhr

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