Sie bäckt den biodynamischen Hochzeitskuchen

Die Amerikanerin Claire Ptak hat den begehrtesten Job, den ein Confiseur haben kann: Sie bäckt für Prinz Harry und Meghan Markle den Kuchen.

Entschied sich gegen ihren Freund und für die Zuckerbäckerei: Claire Ptak. Bild: WPA Pool/Getty Images

Entschied sich gegen ihren Freund und für die Zuckerbäckerei: Claire Ptak. Bild: WPA Pool/Getty Images

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Vor die Wahl gestellt, entweder im kalifornischen Gourmetlokal Chez Panisse die höchsten Weihen einer biodynamischen Zuckerbäckerin zu erlangen oder mit ihrem Freund nach London zu ziehen, entschied sich Claire Ptak gegen den Freund. Die Fernbeziehung hielt. Jahre später zog Ptak doch noch nach England. Sie ist heute verheiratet und hat ein vierjähriges Kind. Und sie hat den begehrtesten Job, den ein Confiseur momentan haben kann: Sie hat für Prinz Harry und Meghan Markle den Kuchen gebacken, der heute bei deren Hochzeitsfest in Windsor serviert wird.

Wie die Braut des Prinzen brechen auch die Confiseurin und ihr geplantes Werk mit den geschichtsdurchwirkten Gewohnheiten der Royals. Königliche Hochzeitskuchen waren seit Queen Victoria so dauerhaft, die kandierten Früchte darin so alkoholisiert und der Marzipanguss rundherum so luftdicht, dass hartgesottene Liebhaber sie heute noch essen könnten. Nächsten Monat kommt in Los Angeles ein Kuchenstück von der Hochzeit Prinzessin Annes zur Versteigerung. Schätzpreis: umgerechnet 500 Franken. Die Delikatesse ist 45 Jahre alt.

Meghan, Harry und Claire Ptak dagegen haben anders entschieden: Hauptzutaten sind Zitronen von der Amalfiküste und britische Holunderblüten. «Frühlingsaromen», wie sich Meghan und Harry hochoffiziell freuen. Die Kreation ist mit Buttercreme überzogen und blütengeschmückt. Sie soll rein natürlich, frisch, luftig und konservierungsmittelfrei daherkommen. Deshalb sorgen sich Experten (die es offenbar auch für solches gibt), ob das Servieren an mehrere Hundert Gäste logistisch zu bewältigen ist.

Der leicht unperfekte Charme

Clair Ptak ist Amerikanerin, also optimistisch. Schon bei Chez Panisse galt: nur bio, nur saisonal, nur ungekünstelt. Beim Backen seien die Zutaten zentral, schrieb sie in ihrem ersten Kochbuch, auf die Nuancen der Aromen komme es an. Diese zeitgeistigen Gebote importierte die 43-Jährige erfolgreich ins Vereinigte Königreich. Sie begann mit einem Stand auf dem hippen Broadway Market in Hackney, einem in Mode gekommenen Quartier im Osten Londons. Hier eröffnete sie 2010 dann die Violet Bakery. Der Laden ist unterdessen ein Pilgerort für kuchenliebende Londoner und Touristen. Es gibt da Cupcakes, Brownies und Zimtrollen, aber auch Almond Polenta Cream Cheese Cake oder veganen Agaven-Schokolade-Kuchen. Alles ist auf Wunsch glutenfrei erhältlich und hat einen handgemachten, leicht unperfekten Charme. Was man gern als Authentizität durchgehen lässt.

In Hackney hat Megan die Zauberbäckerin entdeckt. Jetzt verhilft die Braut des Prinzen Ptak zu einem globalen Auftritt als Hoflieferantin. Der Werbeeffekt ist unbezahlbar. Und eine Einladung für Nachahmer. Iceland, ein Billigsupermarkt für Tiefgefrorenes, hat bereits eine königliche Zitronen-Holunderblüten-Replika im Angebot. Für durchaus bürgerliche 10 Franken.

Erstellt: 18.05.2018, 20:16 Uhr

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