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Der glücklichste Mensch der Welt ist tot

Pete Frates initiierte die «Ice Bucket Challenge», die 200 Millionen Dollar für die ALS-Forschung erzielte. Nun starb er selbst an den Folgen der Krankheit.

Pete Frates ist am Montag am Alter von 34 Jahren in Boston gestorben.
Pete Frates ist am Montag am Alter von 34 Jahren in Boston gestorben.
Keystone

Der glücklichste Mensch der Welt. Das wollte Pete Frates sein, als er vor sieben Jahren erfuhr, dass er an amyotropher Lateralsklerose (ALS) litt. Er kannte diese nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystem, weil auch sein Idol, der Baseballprofi Lou Gehrig, daran gelitten hatte. Der hatte am 4. Juli 1939 im Stadion der New York Yankees, gezeichnet von ALS, seinen Rücktritt verkündet und dabei dabei den unvergessenen Satz gesagt: «Ich darf mich heute als den glücklichsten Menschen der Welt betrachten.»

2014 nahmen tausende Menschen an der «Ice-Bucket-Challenge» teil. Foto: Keystone
2014 nahmen tausende Menschen an der «Ice-Bucket-Challenge» teil. Foto: Keystone

Nur wenige Menschen dürften sich an Frates erinnern. Wer jedoch die vergangenen Jahre nicht hinter dem Mond verbracht hat, der dürfte von der Initiative erfahren oder sogar daran teilgenommen haben, die Frates im Jahr 2014 berühmt gemacht hat: die «Ice-Bucket-Challenge» (zum Bericht). Dabei haben sich Menschen dabei gefilmt, wie sie sich einen mit Eiswasser gefüllten Kübel über den Kopf kippen, drei Freunde nominieren und dann mindestens zehn Dollar an die ALS-Forschung spenden. Vorsichtigen Schätzungen zufolge sind durch die «Ice Bucket Challenge» etwa 200 Millionen Dollar zusammen gekommen.

«75 Jahre nach den tapferen Worten von Gehrig gibt es noch immer kein Heilmittel», schrieb Frates im Jahr 2014 in einem Essay für die Sport-Nachrichtenseite Bleacher Report. «Das ist nicht akzeptabel.»

Frates, einst Baseball-Star an der Elite-Uni Boston College, erfuhr nach einer Verletzung bei einem Spiel von seiner Krankheit, er wollte wie sein Vorbild Gehrig optimistisch bleiben und lieber nach Lösungen suchen, statt an der Krankheit zu verzweifeln. Er unterhielt sich auf einer Online-Plattform mit Pat Quinn, der ebenfalls an ALS erkrankt war, und der sprach von dieser Aktion, bei der sich Leute mit Eiswasser abschütteten, auf Aufmerksamkeit für einen guten Zweck zu erregen.

«Er hat sich nicht ein einziges Mal über seine Krankheit beschwert.»

Statement von Frates Familie

Frates, damals 29 Jahre alt, nominierte in seinem Video am 31. Juli 2014 nicht nur Freunde, sondern prominente Sportler wie den Footballprofi Tom Brady. Die Aktion wurde zu einem Lehrstück, wie sich Inhalte über berühmte Katalysatoren auf sozialen Medien verbreiten können. Mitgemacht haben: Bill Gates, Steven Spielberg, Charlie Sheen. Oder auch der ehemalige US-Präsident George W. Bush, Weltfussballer Lionel Messi, Kermit der Frosch. Helene Fischer, Cem Özdemir, Heidi Klum.

Es war ein Blödsinn, gewiss, und so mancher Promi frönte bei der «Ice Bucket Challenge» dem inneren Narziss – es kam jedoch unglaublich viel Geld zusammen. Die Non-Profit-Organisation A.L.S. Association (ALSA) etwa bekam insgesamt 115 Millionen Dollar. Sie verkündete im Juli 2016, dass sie aufgrund der Spendengelder das Gen NEK1 identifiziert haben und an effizienten Behandlungsmöglichkeiten arbeiten können. «Es ist beispiellos, was Pete angestossen hat», sagt Lucy Brujin, leitende Wissenschaftlerin von ALSA. «Ich fahre um die Welt, und jeder kennt nun die Ice Bucket Challenge und ALS.»

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Video: Forschungserfolg dank Ice Bucket Challenge

Ein Forscherteam hat ein Gen entdeckt, das in vielen Fällen zur Nervenkrankheit ALS beiträgt. Finanziert wurde die Studie mit den Spenden der Ice Bucket Challenge. Video: Tamedia

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Frates selbst blieb optimistisch, auch wenn er wohl ahnte, dass all die Spenden sein eigenes Leben nicht verlängern oder gar retten dürften. Er heiratete seine Frau Julie, und seine letzten Worte, bevor er die Fähigkeit zu sprechen verlor, handelten im August 2014 davon, wie glücklich er sei, dass er die Geburt seiner Tochter Lucy erleben würde – der glücklichste Mensch der Welt.

«Er hat sich nicht ein einziges Mal über seine Krankheit beschwert», heisst es im Statement seiner Familie. «Er sah sie als Herausforderung, den Verlauf dieser Krankheit, für die es keine Heilung und keine Behandlung gegeben hat, zu ändern – wenn nicht für sich, dann für andere.» Das ist ihm zweifellos gelungen.

Pete Frates ist am Montag am Alter von 34 Jahren in Boston gestorben. Viele ALS-Patienten haben wegen ihm neuen Lebensmut gefunden, und seine Familie veröffentlichte eine Nachricht, dass Frates deshalb am Ende seines Lebens genau das war, was er immer sein wollte: der glücklichste Mensch der Welt.

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