Der Held aller #MeToo-Gegner

Der frühere Kinderstar Jimmy Bennett ist zwischen politische Fronten geraten. Dabei will er mit seiner Musik bekannt werden.

Soll mit 17 Jahren Sex mit der 37-jährigen Schauspielerin und Me-Too-Pionierin Asia Argento gehabt haben: Jimmy Bennett. Bild: WireImage

Soll mit 17 Jahren Sex mit der 37-jährigen Schauspielerin und Me-Too-Pionierin Asia Argento gehabt haben: Jimmy Bennett. Bild: WireImage

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Manche feiern Jimmy Bennett als den männlichen Rächer, der die «Scheinheiligkeit» der #MeToo-Bewegung blossstellt. Andere sehen ihn als tragische Figur. Nun hat sich der 22-Jährige erstmals selber geäussert. Und dabei wenig geklärt.

In den Nullerjahren war der Kalifornier ein erfolgreicher Kinderschauspieler. Später verblasste seine Bekanntheit. Bis am letzten Sonntag. Die «New York Times» berichtete, dass die italienische Schauspielerin Asia Argento im Mai 2013 Sex mit Bennett hatte. Bald tauchte ein Selfie auf, das die beiden gemeinsam im Bett zeigen soll. Sie war damals 37 Jahre alt. Er 17. In Kalifornien gelten sexuelle Handlungen mit unter 18-Jährigen als Straftat.

Asia Argento gehört zu den Pionierinnen der #MeToo-Bewegung. Als eine der Ersten beschuldigte sie den Produzenten Harvey Weinstein, sie missbraucht zu haben. Dutzende Schauspielerinnen folgten. Argento kündigte an, dass die Bewegung «noch mehr Schweine entlarven» werde, am Filmfestival von Cannes erinnerte sie in einer Rede an ihre Vergewaltigung. Und jetzt soll ausgerechnet diese laute Anklägerin selber missbraucht haben? Tage nach den Vorwürfen meldete sich Argento. Mit einem Dementi. Sie habe nie Sex mit Bennett gehabt. Die «absolut falschen» Nachrichten würden sie schockieren.

Einigung auf 380'000 Dollar

Auch Jimmy Bennett schwieg, bis gestern. In seinem Statement präzisiert er allerdings nicht, was er Argento vorwirft. Er wolle das Unrecht, das ihm angetan wurde, privat bewältigen, schreibt er. 2013 habe er sich geschämt und geglaubt, die Menschen würden nicht nachvollziehen können, was ihm widerfahren sei. Daher habe er damals nichts unternommen. Sein «Trauma» sei aber wiedergekehrt, als Argento Weinstein beschuldigte.

Unbestritten ist: Anfang Jahr forderte Bennett 3,5 Millionen Dollar von Argento. Im März einigten sich die zwei auf eine Zahlung von 380'000 Dollar. Gemäss Bennetts Anwalt handelt es sich dabei um Geld zur Wiedergutmachung. Nach dem Ereignis im Luxushotel sei es Bennett so schlecht gegangen, dass er nicht mehr habe arbeiten können. Argento hingegen sagt, sie habe sich mitfühlend gezeigt einem alten Freund gegenüber und Bennett bei seinen «schweren» Geldsorgen helfen wollen.

Anwalt von Weinstein nutzt die Geschichte

Bennett lernte Argento kennen, als er sieben Jahre alt war. 2004 spielten sie zusammen in einem Film, sie die Mutter, er den Sohn. Diese Rollen behielten sie auch privat bei. Laut Anwalt sah der junge Bennett die Schauspielerin als «Mentorin und Mutterfigur». Argento erwiderte diese Gefühle: «Meinen verlorenen Sohn» nannte sie ihn auf Instagram. 

Harvey Weinsteins Anwalt nutzte Bennetts Geschichte, um Argento Heuchelei vorzuwerfen. Die Vorwürfe gegen Weinstein seien sehr schlecht geprüft worden. Vertreterinnen der #MeToo-Bewegung hingegen sagten, dass sie für alle Opfer von sexuellem Missbrauch kämpften, egal welchen Geschlechts. #MeToo sei für alle da.

Bennett selber lässt sich von niemandem einspannen. Er werde sich voll aufs Singen konzentrieren, teilt sein Anwalt mit. Seit 2011 macht Bennett Musik. Bisher mit wenig Erfolg.

Erstellt: 23.08.2018, 21:55 Uhr

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