Der Party-Prinz, der nicht schwitzt

Prinz Andrew, zweitältester Sohn der Queen, bestreitet im TV-Interview, eine Minderjährige missbraucht zu haben.

Man sagt ihm zahlreiche Affären nach und einen Hang zu Aufenthalten in Luxus-Golf-Resorts: Prinz Andrew. Foto: Getty Images

Man sagt ihm zahlreiche Affären nach und einen Hang zu Aufenthalten in Luxus-Golf-Resorts: Prinz Andrew. Foto: Getty Images

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In der skurrilsten Passage seines Interviews mit der BBC sagt Prinz Andrew: «Damals konnte ich gar nicht schwitzen.» Mit dieser medizinischen Behauptung kontert er die Anschuldigung von Virginia Guiffre. Die jungen Frau sagt, ein heftig schwitzender Andrew habe sie 2001 bei einer Party an sich gedrückt und später Sex mit ihr gehabt, obwohl sie minderjährig gewesen sei. Das könne nur schon darum nicht stimmen, sagte seine königliche Hoheit, weil er nach seinem Einsatz als Pilot im Falklandkrieg die Fähigkeit verloren habe, zu schwitzen.

Heikle Liaison zu Epstein

Und im Übrigen: Er habe keinen Sex mit Guiffre gehabt, könne sich nicht an sie erinnern. Er sei an dem Abend nicht in dem Nachtclub gewesen, sondern mit seiner Tochter in einer Pizzeria. Es schmerzt, dem 59-jährigen Prinzen zuzuschauen, wie er sich gegen Anschuldigungen wehrt, die ihm eine Freundschaft mit dem amerikanischen Financier Jeffrey Epstein eingebrockt hat. Epstein sass wegen Anstiftung zu Prostitution im Gefängnis und starb letzten August in New York in der Untersuchungshaft. Er stand erneut unter Verdacht, in zahlreichen Fällen Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Er soll auch Mädchen wie Virginia Guiffre an andere Männer vermittelt haben. In den Untersuchungsakten taucht auch Andrews Name auf. Guiffre strengt ein eigenes Verfahren gegen ihn an.

Im BBC-Interview erklärte sich Andrew am Samstagabend noch und noch, offenbarte intimste Details – und musste dann am Sonntag in der britischen Boulevardpresse lesen, er habe kein Mitgefühl für das Opfer gezeigt, sei ohne Einsicht und Reue.

Als drittältestes Kind der Queen, auf dem abgeschlagenen Platz acht in der Thronfolge, teilt Andrew das Los vieler Mitglieder der königlichen Familie: keine richtige Aufgabe bei Hofe, viel Langeweile, aber immer im Fokus einer oft gnadenlosen Öffentlichkeit. Anerkennung brachte ihm sein Einsatz im Falklandkrieg ein, Mitleid der Abbruch der Beziehung zur Schauspielerin Koo Stark, als ein Softporno mit ihr auftauchte.

«Party-Prinz» ist sein Boulevard-Spitzname oder auch «Air-Miles Andy».

Andrews Ehe mit Sarah Ferguson ging nach sechs Jahren in die Brüche. Seither beschäftigt sich Andrew mit Golf und ist royales Aushängeschild der britischen Exportindustrie. Man sagt ihm zahlreiche Affären nach, ein Hang zu Aufenthalten in Luxus-Golf-Resorts und unanständig hohe Ausgaben für Interkontinentalflüge. «Party-Prinz» ist deshalb sein Boulevard-Spitzname oder auch «Air-Miles Andy».

Die Freundschaft mit Jeffrey Epstein kam zustande über dessen zeitweilige Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell, eine Schulfreundin Andrews. Im Interview erinnert er sich an das faszinierende Umfeld Epsteins. An dessen Partys traf man Wissenschafter, Literaten, Politiker. Aber nein, als nahen Freund möchte Andrew Epstein nicht bezeichnen, eher als angenehme Begleitung Maxwells. Aber warum besuchte der Prinz Epstein nach dessen Haft in Manhattan? Es sei «Ehrensache» gewesen, Epstein persönlich mitzuteilen, dass man sich nun nicht mehr treffen könne. Im Nachhinein sei das ein Fehler gewesen. So viel Einsicht immerhin.

Heute übrigens, nach einer längeren medizinischen Behandlung, könne er wieder schwitzen, sagt Andrew. Also wird ihn der Epstein-Skandal wohl noch viel Schweiss kosten.

Erstellt: 17.11.2019, 18:03 Uhr

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