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Der Porsche-, Rolex-, Gucci-Boxer

Carlos’ Thaibox-Trainer Shemsi Beqiri ist eine schillernde Figur. Der zehnfache Weltmeister wurde von einem Kampfsportverband ausgeschlossen und ist selber ein verurteilter Gewalttäter.

In der Basler Kampfsportszene geniesst Shemsi Beqiri (rechts) nicht den besten Ruf.
In der Basler Kampfsportszene geniesst Shemsi Beqiri (rechts) nicht den besten Ruf.
Keystone

Es sah alles so gut aus für Shemsi Beqiri: 10 Weltmeistertitel hat er als Thaiboxer geholt, besitzt eine eigene Kampfsportschule in Reinach BL, die morgen die «Superpro Fight Night» organisiert. Beqiri will seinen Weltmeistertitel gegen den österreichischen Kickboxer Foad Sadeghi verteidigen. Doch nun fliegt dem Kämpfer der Fall Carlos um die Ohren.

13 Monate lang schickte die Zürcher Jugendstaatsanwaltschaft den mehrfach vorbestraften Carlos für 7000 Franken monatlich zu Beqiri ins Thaibox-Training, was schweizweit für Empörung sorgte. Experten sind zwar der Meinung, dass Kampfsport auch Gewalttätern durchaus guttun kann. Aber nur mit dem richtigen Trainer – einem, der Disziplin und Selbstkontrolle vermittelt. An Disziplin mangelt es dem 27-jährigen Beqiri nicht, sonst hätte er es als Kämpfer nicht so weit gebracht. Anders sieht es mit der Selbstkontrolle aus.

Nach Schlägerei verurteilt

«Kenne dich selbst, kontrolliere dich, verstehe dich, stähle dich, reinige dein Denken, und halte deinen Körper fit!», so wird Beqiri auf der Website seiner Kampfsportschule zitiert. Wie ein Kämpfer stellt der Mann mit der mehrfach gebrochenen Nase sich der Situation, in welche der Fall Carlos ihn gebracht hat. Er stellte sich der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens, wo er den Erfolg seiner Therapiekonzepte betonte und zugab, dass auch er Gesetzeskonflikte kennt.

Im Januar 2012 soll er sich zusammen mit einem seiner Brüder auf offener Strasse mit einem ehemaligen Trainingspartner geprügelt haben. Darauf angesprochen, huscht ihm in der «Rundschau» ein Grinsen übers Gesicht. Es sei dort nur um Nachtruhestörung gegangen. Tatsächlich aber, sagt die Basler Staatsanwaltschaft, seien im Fall einer Schlägerei zu jenem Datum vor kurzem zwei Personen wegen einfacher Körperverletzung und Drohung per Strafbefehl verurteilt worden.

Respektlosigkeit und ungebührliches Verhalten

In der Basler Kampfsportszene geniesst Beqiri nicht den besten Ruf. Bei Wettkämpfen sei er wiederholt durch Respektlosigkeit und ungebührliches Verhalten aufgefallen. Das ist auch der Grund, weshalb die Wettkampforganisation Swiss Combat System (Scos) ihn für immer von sämtlichen Aktivitäten ausgeschlossen hat. «Ich habe Beqiri vor einem Jahr verwarnt. Aber sein unsportliches Verhalten gegenüber Gegnern, Trainern, Schiedsrichtern und Gastgebern hat sich nicht gebessert», begründet Johnny Boesiger vom Scos die Massnahme. Auch der Schweizerische Muay-Thai-Verband prüft einen Ausschluss Beqiris. Ehemalige Weggefährten attestieren ihm zwar ein gewinnendes Wesen, sagen aber auch, er habe noch eine andere Seite, provoziere und intrigiere gerne. Niemand möchte namentlich genannt werden. Man fürchtet offenbar Vergeltung.

Wie sein Schützling Carlos hatte auch Beqiri kein einfaches Leben. Geboren als drittes von sieben Kindern in einem kleinen Dorf in den Bergen Kosovos, wanderte sein Vater in den 70er-Jahren in die Schweiz aus. Die Kinder blieben zunächst bei den Grosseltern, Shemsi wurde als Letzter in die Schweiz geholt. 2002 begann er eine Gipserlehre und schloss drei Jahre später als Bester seines Jahrgangs ab. Daneben trainierte er Kampfsport, Karate, Taekwando, Thaiboxen. Heute zeigt er gerne, wie weit er es gebracht hat: «Er fährt Porsche, trägt Rolex und Gucci», sagt ein Bekannter. Ob er mit dieser Attitüde wirklich ein gutes Vorbild für Carlos ist, müsste sich jetzt die Zürcher Oberjugendanwaltschaft fragen.

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