Die bessere politische Hälfte

Die neu gewählte Schaffhauser Regierungsrätin Cornelia Stamm Hurter, Ehefrau von SVP-Nationalrat Thomas Hurter, gilt als das wahre politische Hirn der Ehe.

Rechtsanwälin, Bundesrichterin und neue Schaffhauser Regierungsrätin: Cornelia Stamm Hurter. Bild: Keystone/Walter Bieri

Rechtsanwälin, Bundesrichterin und neue Schaffhauser Regierungsrätin: Cornelia Stamm Hurter. Bild: Keystone/Walter Bieri

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Jedes Amt im Kanton, sagt man in Schaffhausen, landet früher oder später im Ehebett von Cornelia Stamm Hurter und Thomas Hurter. Der böse Spruch war nie wahrer als am vergangenen Sonntag, als die SVP-Politikerin in den Regierungsrat gewählt wurde – exakt am Hochzeitstag der beiden. Damit sind zwei der höchsten Amtsträger des Kantons an derselben Adresse im Villenquartier Schaffhausens zu finden. Thomas Hurter ist seit 2007 Nationalrat, ebenfalls für die SVP. Bisher sass Cornelia Stamm Hurter im Stadtparlament und im Bürgerrat, und noch ist sie Oberrichterin. Thomas Hurter war Kantonsrat, während acht Jahren sogar gleichzeitig zu seinem Nationalratsmandat. Beide sind zudem im Automobil-Club engagiert: er als Schweizer Zentralpräsident, sie als Vizepräsidentin der Schaffhauser Sektion.

Dabei gilt die 55-jährige Juristin mit Doktortitel und Rechtsanwaltspatent als das wahre politische Gehirn dieser Ehe. Sie war schon in der SVP aktiv, als sie den ein Jahr jüngeren Militär- und Linienpiloten Thomas Hurter heiratete. Von 1996 bis 2014 sass sie als Vizepräsidentin in der nationalen Parteileitung – also während der beispiellosen Wachstumsphase der SVP. Ihr Mann trat nach ihr in die Partei ein. Wenn er nicht aus dem Aargau zu ihr ins übersichtliche Schaffhausen gezogen wäre, hätte er kaum einen so steilen politischen Aufstieg hinlegen können – bis hin zur Bundesratskandidatur 2015, die aber wegen seines ungeschickten Lavierens und seiner mangelnden Linientreue früh ausfranste.

Im Nebenamt Bundesrichterin

Das Paar bekam zwei Kinder, und Cornelia Stamm Hurter konzentrierte sich auf den Beruf. Neben ihrem Pensum am Obergericht ist sie nebenamtliche Bundesrichterin. Unterdessen sind die Töchter übers Teenageralter hinaus­gewachsen. Die Konstellation war günstig für die Mutter, um ein Regierungsamt anzustreben.

Dabei zeigte sich Stamm Hurter geschmeidig. Sie hängte auch Plakate ohne SVP-Sünneli auf und kokettierte mit ihrem Hobby, dem Christbaumschmücken. Über tausend Kugeln, Sterne und Figürchen hängt sie jedes Jahr während fünfzehn Stunden an die Äste, gern auch vor den Kameraaugen der «Schweizer Illustrierten». Die SVP-Frau liess aber nie einen Zweifel daran, dass sie in der Regierung einen stramm bürgerlichen Kurs fahren wird. Tiefere Steuern waren ihr zentrales Wahlkampfthema.

Die Sozialdemokraten, die der Übermacht von SVP und FDP schon lange einen zweiten Regierungssitz abjagen wollen, hatten kein besseres Rezept, als der Gegenkandidatin das politische Engagement ihres Ehemanns vorzuwerfen. Ein Regierungssitz für Stamm Hurter wäre «der nächste Schritt in eine quasi- feudale Herrschaft», unkte der SP-Präsident.

Die Schaffhauserinnen und Schaffhauser beeindruckte das nicht. Sie gaben Cornelia Stamm Hutter fast doppelt so viele Stimmen wie der SP-Kandidatin.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.11.2017, 18:55 Uhr

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