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Die Prominenz schlägt zurück

Was haben sie zu verbergen? Angelina Jolie und Nigella Lawson tragen beim Baden einen Ganzkörperanzug.

Die Familie Jolie-Pitt befindet sich ja momentan in Malta, weil Brad Pitt dort einen Zombie-Film namens «World War Z» dreht. Und weil da auch mal Drehpause herrscht und die sechsköpfige Kinderschar beschäftigt sein will, besuchten Brangelina mitsamt vollzähligem Nachwuchs am Dienstag einen ökologisch korrekten Vergnügungs-Meeres-Park, in dem man mit Delfinen schwimmen und Seelöwen, Papageien, Schlangen, Schildkröten und Eidechsen in ihrer natürlichen Umgebung bewundern kann.

Für Aufmerksamkeit sorgt ein Auftritt dieser Grossfamilie immer, am meisten zu reden gab indes, dass Angelina Jolie einen Ganzkörperanzug trug, während Brad Pitt und die Kinder den Tag in der Badehose verbrachten. «Wieso so schüchtern?», fragte die «Daily Mail», und mutmasste, es liege wohl daran, dass Jolie in letzter Zeit häufig dafür kritisiert worden sei, viel zu dünn zu sein und mit dem Anzug etwas davon ablenken wollte. Oder sie habe sich gerade deshalb gegen einen Badeanzug entschieden, weil sie ihrer Magerkeit wegen bei einer Temperatur von 23 Grad darin gefroren hätte. Vielleicht liegt der Grund aber auch ganz woanders. Jolie ist nämlich bereits die zweite Prominente, die sich nicht wie gewöhnlich leicht geschürzt beim Baden vergnügt, sondern verhüllt. Als Nigella Lawson, Englands Küchenfee Nummer eins, ausgestattet mit kurviger Figur und Alabasterteint, im April am Bondi Beach in Sydney beim Plantschen gesichtet wurde, trug sie, shocking!, einen Burkini. Also einen schwarzen Anzug, bestehend aus einer knöchellangen Hose und einer bis über die Knie reichenden Bluse mit integriertem Kopftuch, darunter eine Dächlikappe, sichtbar waren bloss Hände, Füsse und das Gesicht unterhalb der Augenbrauen.

Eitelkeit oder politisches Statement?

Lawson sorgte für einen Aufschrei unter der britischen Presse. Weshalb, fragte man sich, verhüllt sie sich derart? Um die Haut nicht der schädlichen Wirkung der Sonne auszusetzen? Aus Schamhaftigkeit? Oder handelte es sich womöglich um eine Demonstration von Feminismus, die als Kritik an der Obsession mit dem weiblichen Körper verstanden werden musste? Die Aufregung auf der Insel war gross. Die Wogen gingen erst recht hoch, weil in der gleichen Woche in Frankreich das Burkaverbot eingeführt worden war. Da verhülle sich eine freiwillig, klagten die einen, wo doch anderswo die Frauen etwas dafür geben würden, ebendies nicht tun zu müssen. Die anderen befanden, da würde skandalöserweise ein in der Scharia wurzelndes Kleidungsstück gesellschaftsfähig gemacht. Und die Designerin von Lawsons Burkini vermeldete stolz, dass zu ihrer Kundschaft 15 Prozent Nicht-Musliminnen zählen würden. Nämlich Frauen, die es leid seien, ihren Körper präsentieren zu müssen, bloss weil sie schwimmen gehen möchten. Es ist zu vermuten, dass der Grund für die Ganzkörperanzüge viel eitlerer Natur ist. Dass ganz einfach weder Lawson noch Jolie Lust darauf haben, im Bikini fotografiert zu werden. Denn die Illusion des atemberaubenden Körpers lässt sich nur aufrechterhalten, solange die Bilder offiziell sind, was heisst: zünftig bearbeitet. Sind sie das nicht, würde vermutlich selbst bei La Jolie, und bei der üppigen Lawson erst recht, die eine oder andere körperliche Schwachstelle – sprich: Problemzone – auszumachen sein.Nigella Lawson und Angelina Jolie wissen, dass die Bilder der Paparazzi unbarmherzig sind. Dass jede Delle, jede Unebenheit, jedes zusätzliche oder verlorene Gramm Fett kommentiert wird. In den einschlägigen Magazinen umrandet man die neuralgischen Stellen genüsslich rot und versieht sie mit einem Ausrufezeichen. Vielleicht sind also die Ganzkörperanzüge nichts anderes als ein trotzig-listiges Zurückschlagen der Prominenz, die genauso wie unsereins mit der Tatsache des Nicht-perfekt-Seins zu kämpfen hat.

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