Die Zirkus-Elefanten gehen in Pension

Kenneth Feld, der Besitzer des US-Traditionszirkus Ringling Brothers, nimmt die Elefanten aus dem Programm.

Elefanten spielten lange Jahr eine Hauptrolle im Programm von Ringling Brothers.

Elefanten spielten lange Jahr eine Hauptrolle im Programm von Ringling Brothers.

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Als der Komponist Igor Strawinsky 1942 telefonisch angefragt wurde, ob er eine kleine Ballett-Auftragsarbeit komponieren wolle, soll er gefragt haben: «Für wen?» Für einige Elefanten, kam die Antwort. «Wie alt?» Sehr jung, versicherte der Vermittler. Pause. Dann Strawinsky: «In Ordnung. Wenn die Elefanten sehr jung sind, mache ich es.» Noch im selben Jahr wurde Strawinskys «Zirkuspolka: Für einen jungen Elefanten» in der Manege der Ringling Brothers uraufgeführt. 50 Ballerinas traten an gegen 50 Elefanten in Tutus. Das Publikum im Madison Square Garden war begeistert. Spätestens seither gehören Ringling und Elefanten in den USA zusammen.

Nun muss der Zauber enden: Kenneth Feld, der Besitzer des Zirkus, hat angekündigt, bis 2018 alle seine Elefanten in Pension zu schicken: «Der Entscheid war nicht leicht, doch er dient den Interessen unserer Firma, unserer Elefanten, unserer Kunden.» Die «tollste Show der Erde», die Ringling seit mehr als 100 Jahren verspricht, muss ohne graue Riesen auskommen.

Tierschützer feiern. Ihre Organisationen kritisieren Ringling schon seit Jahren. Die Elefanten würden brutal abgerichtet, mit Eisenhaken verletzt, zu lange angekettet. Vor Gericht hat der 66-Jährige zwar die meisten Klagen abwehren können, doch 2011 büsste ihn das Landwirtschaftsministerium mit 270'000 Dollar wegen Verstössen gegen die Tierhaltungsgesetze.

Das Ende einer amerikanischen Tradition

Keine wirtschaftliche Katastrophe: Gemäss «Forbes» besitzt Kenneth Feld ein Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar, neben Zirkus produziert er auch Disney on Ice. Doch die Anschuldigungen empören ihn – in seiner Rage hat er schon mal einen ehemaligen CIA-Agenten auf die Tierschützer angesetzt. Er liebe Elefanten und sei stolz auf seine Arbeit, sagte Feld. In Florida schuf er einen Elefantenpark. Ursprünglich für die Zucht, da der Zirkus Probleme beim Import neuer Tiere hatte. Mittlerweile aber diene die Anlage dem Erhalt der Spezies – Feld will selber Tierschützer sein. Mit 54 Exemplaren habe er die grösste Herde Asiatischer Elefanten der westlichen Hemisphäre.

Eher als Kritik von aussen fürchtet Feld wohl solche aus dem eigenen Publikum: Seine Tochter, die auch im Unternehmen arbeitet, spricht von einem Stimmungswandel: «Viele Zuschauer fühlen sich nicht mehr wohl damit, dass wir mit Elefanten reisen.» Tierschutz ist selbstverständlicher geworden in Amerika. Auch Institutionen wie der Wasserpark Sea World haben das erfahren müssen.

Mit dem Entscheid endet eine amerikanische Tradition. Die Ringling Brothers begründeten ihren Zirkus 1884 in Wisconsin – 1907 spannten sie mit den Konkurrenten Barnum & Bailey zusammen. Elefanten spielten bald eine Hauptrolle im Programm.

Doch nicht jede Tradition ist schützenswert. Auch die Vorführung menschlicher Freaks gehörte einmal zum Zirkus. Dass Tieren vermehrt Schutz zukommt, lässt sich schwer beklagen. Doch die Historikerin Janet Davis ist trotzdem überzeugt, dass Felds Schritt einen Verlust bedeutet: Amerika verlöre «den Bezug zu diesen herrlichen Tieren». Auch Kenneth Feld sah das lange so: Junge Leute könnten heute vor lauter Spezialeffekten kaum mehr sagen, was real sei und was nicht. Im Zirkus sei alles echt: «Egal, was in der Welt geschieht: Es wird nie Ersatz geben für uns.»

Erstellt: 09.03.2015, 23:28 Uhr

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Kenneth Feld sieht sich selbst als Tierschützer. Foto: PD

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