Dressur der Flugroboter

Der Forscher Raffaello D’Andrea stattet den Circus Knie mit Drohnen aus.

Der «Drohnenmeister»: Raffaello D'Andrea macht aus Flugmaschinen Bühnenkünstler. Bild: PD

Der «Drohnenmeister»: Raffaello D'Andrea macht aus Flugmaschinen Bühnenkünstler. Bild: PD

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Giraffen, Löwen, Elefanten: Wilde Tiere verschwinden aus der Manege. Dafür kommen nun fliegende Roboter. Franco Knie jun. wird dieses Jahr mit Frau und Sohn erstmals eine Drohnen-Flugshow im Circus Knie präsentieren, 32 Mini­flieger, die eine Choreografie tanzen. Stimmt es, dass man die Drohnen erst als Elefäntchen verkleiden wollte, das dann aber verwarf? Raffaello D’Andrea kichert. «Kein Kommentar bis nach der Premiere.» Die ist am 15. März in Rapperswil.

D’Andreas Firma Verity Studios in Zürich hat die Zirkusdrohnen entwickelt. Niemand lenkt sie, sie fliegen autonom, absolvieren ein vorgängig programmiertes Ballett. Dank Sensoren nehmen sie ihre Umgebung wahr: Sollte dem Schwarm ein störendes Objekt in den Weg kommen, ein verirrter Clown vielleicht, würden die Drohnen erst versuchen, den zugeordneten Platz wieder einzunehmen und das Programm zu Ende zu fliegen, ab einem gewissen Widerstand dann aber sicher notlanden.

Raffaello D’Andrea (50) ist Professor für dynamische Systeme und Regelungstechnik an der ETH Zürich. Tanzende, spielende, fliegende Maschinen sind sein Ding. Die US-Zeitschrift «Wired» nennt ihn den «Drohnenmeister», der aus Flugmaschinen Bühnenkünstler mache. Seine Drohnen spielen Pingpong gegeneinander, verflechten Schnüre, balancieren Gläser und Stangen. D’Andrea hat 2014 schon den kanadischen Cirque de Soleil mit Drohnen bestückt – sie schwirrten da als bunte Lampenschirme um die Artisten, was das Publikum verzückte.

KI steuert die Schwärme

Geboren ist D’Andrea im italienischen Friaul, 1976 zog er als 9-Jähriger mit den Eltern nach Ontario, Kanada. Schon als Kind sei er von Physik fasziniert gewesen, mit dem Gartensonnenschirm vom Dach gesprungen, um die Gesetze der Aerodynamik zu testen. Er studierte am Caltech in Kalifornien, wurde Professor an der Cornell University, pausierte dann ab 2003, um die Firma Kiva Systems zu gründen, welche Regale auffüllende Roboter produzierte. Amazon kaufte die Technologie 2012 für 775 Millionen Dollar. Da war D’Andrea bereits Professor an der ETH.

Mit Drohnenschwärmen befasst sich sonst vor allem das Militär. Die US-Rüstungsschmiede Darpa testet Felder von unbemannten Minifliegern für den Strassenkampf, auch Russland und China setzen darauf. Mal wird ferngelenkt, mal soll künstliche Intelligenz die Schwärme steuern.

Die Verity Studios wollen nicht Krieg führen, sondern unterhalten. Für D’Andrea sind Drohnen primär ein grosser Spass. Dass man sich aber ärgert über Spassdrohnen im öffentlichen Raum, kann auch er verstehen. «Viele dieser Geräte sind schlecht gebaut und wiegen bis zu einem Kilo», die wolle niemand über sich. Die Drohnen des Circus Knie brauche niemand zu fürchten. Sie fliegen nie über den Zuschauern und sind leicht, wiegen pro Stück kaum 50 Gramm. «Leichter als eine Scheibe Brot», sagt D’Andrea.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2018, 19:23 Uhr

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