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Eine Frage des Stils

Die Chemikerin Laura Nyström pflegt eine Führungskultur, die den Fällen von Machtmissbrauch und Mobbing an der ETH diametral entgegensteht.

«Ich will, dass sich die jungen Leute in meinem Team fragen und bewusst machen, was sie wollen», sagt Laura Nyström. Bild: ETH Zürich
«Ich will, dass sich die jungen Leute in meinem Team fragen und bewusst machen, was sie wollen», sagt Laura Nyström. Bild: ETH Zürich

Ihr tägliches Brot wartet im Labor: Die finnische Lebensmittelchemikerin Laura Nyström und ihr Team an der ETH untersuchen die gesundheitliche Wirkung unserer Nahrung – etwa, welche Ballaststoffe im Vollkornbrot den Cholesterinspiegel am besten senken, und warum.

Als Professorin ist Nyström aber nicht nur Forscherin, sondern zwangsläufig auch Chefin einer Gruppe von Wissenschaftlern. Und das sehr zu deren Zufriedenheit: Sie haben ihre Vor­gesetzte für den «Art of Leadership Award» nominiert. Mit diesem Preis zeichnet die ETH Führungspersonen aus, die für gute Arbeitsbedingungen sorgen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördern. Eine Jury hat Nyström aus 46 Vorschlägen zur Siegerin gekürt.

Mit der ETH vergibt eine Hochschule den Award, die in den vergangenen Monaten wegen Fällen von Machtmissbrauch durch Professoren bis hin zum Mobbing von Doktoranden in den Schlagzeilen stand. Preisträgerin Laura Nyström spricht von Einzelfällen. Sie seien aber das Resultat einer Führungskultur, die lange als normal galt: Die eigene Forschung wird über alles gestellt, die Mitarbeiter als billige Arbeitskräfte eingesetzt, zum Teil bis zur Erschöpfung. «Dieser Tunnelblick macht blind für die Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten der jungen Forscher.» Die Änderung dieses Führungsstils sei wohl nicht zuletzt eine Generationenfrage, sagt die 41-Jährige. Das lasse sie optimistisch in die Zukunft blicken.

«Nur wer klare Ziele hat, kann diese auch erreichen.»

Doch was macht Nyström anders? Antworten liefern ihre Mitarbeiter in einem Video. «Laura kennt uns alle sehr gut und versucht, wenn immer möglich auf spezielle Bedürfnisse einzugehen», sagt Forscherin Melanie Erzinger. In Nyströms Team würden junge Wissenschaftler ermutigt, die Karriereplanung in die eigenen Hände zu nehmen. «Sie hat mir Stellenangebote weitergeleitet – obwohl sie bei einem allfälligen Abgang meine Stelle in der Lehre neu besetzen müsste.»

«Ich will, dass sich die jungen Leute in meinem Team fragen und bewusst machen, was sie wollen», sagt Nyström. «Nur wer klare Ziele hat, kann diese auch erreichen.» Was banal klinge, sei ein notwendiger erster Schritt für konkrete Unterstützung. Diese könne dann einfache Dinge beinhalten, wie Hilfe beim Zeitmanagement oder Vorschläge für Sprachkurse. Aber auch wenn die Arbeitszeit zur Debatte steht, bietet Nyström Hand – etwa zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Nicht nur aus uneigennützigen Motiven

Damit hatte Elena Marasca nach der Geburt ihres Kindes gekämpft, wie die Doktorandin im Video erzählt. Laura Nyström habe ihr eine Reduktion ihres Pensums und flexiblere Arbeitszeiten gewährt, womit sie mehr Zeit für ihre Tochter gewonnen habe.

Nyström tut nicht nur aus uneigennützigen Motiven viel für ihre Mitarbeiter. Denn ein gutes Arbeitsklima und das richtige Team führten zu besseren Ergebnissen. Und auch für sich selber fordert sie Flexibilität ein: Einen Termin beim Vizepräsidenten der ETH hat sie abgesagt, weil ihre siebenjährige Tochter den ersten Schultag hatte. Meistens kann sie solche Situationen aber umgehen – für Haushalt und Kinderbetreuung ist hauptsächlich ihr Mann zuständig.

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