Einer für alle

Pascal Hollenstein führt bald zwei Dutzend Zeitungen.

Verantwortet schon heute 15 Zeitungen: Pascal Hollenstein. Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch

Verantwortet schon heute 15 Zeitungen: Pascal Hollenstein. Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch

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Als publizistischer Leiter der NZZ-Regional­medien verantwortet Pascal Hollenstein heute schon 15 Blätter. Künftig wird sein Reich noch grösser: Im neuen Unternehmen, in dem NZZ und AZ ihre Regionalmedien zusammenlegen wollen, wird Hollenstein Chef über zwei Dutzend Zeitungen. Sein Einzugsgebiet dehnt sich bis ins westliche Mittelland aus, bis Solothurn und Basel.

Der 46-Jährige ist Thurgauer und stammt (wie Hausi Leutenegger) aus Bichelsee-Balterswil. Im Primarschulalter schrieb er seinen ersten Artikel: Der im katholischen Milieu aufgewachsene Oberministrant berichtete in der «Regionalzeitung Hinterthurgau-Wil» über die Ministrantenreise. Das sei der Moment gewesen, in dem er sich für den Beruf des Journalisten begeistert habe, erzählt sein früherer Weggefährte Armin Menzi. Erste Einsätze in einer Redaktion hatte Hollenstein mit 16 bei der «Thurgauer Volks­zeitung», später arbeitete er bei der «Thurgauer Zeitung». Dort hatte er Scherereien mit dem Chefredaktor Peter Forster. Forster galt als SVP-nah, Hollenstein trat dem Landesring der Unabhängigen bei. Er verliess die «Thurgauer Zeitung», machte sein Geschichtsstudium in Zürich und schrieb daneben für die Kunden­zeitschrift einer Elektrizitätswerk-Genossenschaft. Dort habe er einen tollen Job gemacht, erzählt sein damaliger Vorgesetzter Menzi.

Vekselberg-Engagement sei eine «Jugendsünde»

Die EW-Kundenzeitschrift blieb nicht sein einziger Ausflug in die Welt der Vermarktung. Nach Jahren im Journalismus wechselte er zur Axa-Winterthur, dann wurde er Sprecher des Investors Viktor Vekselberg. Bei der Winterthur hatte er früher schon gearbeitet – als Historiker hatte er die Unterlagen zu den nachrichtenlosen Vermögen mitaufbereitet und während der Recherchen seine heutige Frau kennen gelernt.

Bei Viktor Vekselberg arbeitete Hollenstein nur acht Monate, bevor er als Inlandchef zur «NZZ am Sonntag» zurückkehrte. Das Vekselberg-Engagement bezeichnet er als «Jugendsünde». Er habe aber viel gelernt bei den Engagements. Auch, dass er etwas nicht vertreten könne, wenn er es nicht verstehe. Dass er nicht beliebig flexibel sei.

Leute, die mit Hollenstein gearbeitet haben, beschreiben ihn als schlau und schnell, aber auch als leutselig, verspielt. Diesen Sommer wäre er gern Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» geworden. Doch es klappte nicht. Das dürfte Hollenstein nur ein bisschen geschmerzt haben. Denn als Regionalzeitung-König hätte er viel aufgegeben. Nun wird er bald nicht mehr nur zwischen St. Gallen, Zürich und Luzern pendeln, sondern auch noch in den Aargau. Seine drei Kinder, mit denen er und seine Frau in Zürich wohnen, wird er noch weniger sehen. In der neuen Firma wird er seine Erfahrungen beim Zusammenlegen, Vereinheitlichen und Neustrukturieren nutzen, die er in den letzten zwei Jahren auf der Achse St. Gallen–Luzern gesammelt hat. Die Augen werden auf ihn gerichtet sein.

Erstellt: 08.12.2017, 19:59 Uhr

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