«Epstein erzählte mir, er habe Schmutz über mächtige Leute»

Fotos mit Promis, brisante Erzählungen: Ein US-Journalist erinnert sich an ein Treffen mit Multimillionär und Sextäter Jeffrey Epstein.

Selbstmord im Gefängnis: Jeffrey Epstein, der wegen Sexualverbrechen angeklagte Multimillionär.

Selbstmord im Gefängnis: Jeffrey Epstein, der wegen Sexualverbrechen angeklagte Multimillionär.

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«Was hätte er mir wohl noch erzählt?», fragt sich James B. Stewart nach dem Suizid von Jeffrey Epstein, des wegen Sexualverbrechen angeklagten Multimillionärs. Der US-Journalist hatte vor einem Jahr Epstein in dessen Luxuswohnung in New York getroffen. Viele prominente Männer und auch ein paar Frauen seien nun bestimmt sehr erleichtert, dass Epstein alles, was er gewusst habe, mit ins Grab genommen habe, schreibt Stewart in einem Beitrag für die «New York Times». Der Titel des Artikels lautete: «Der Tag, an dem mir Jeffrey Epstein erzählte, dass er Schmutz über mächtige Leute hat.»

Bei dem denkwürdigen Treffen am 16. August 2018 ging es eigentlich um Epstein und Tesla-Chef Elon Musk. Der Journalist ging Gerüchten nach, wonach Musk den bestens vernetzten Epstein für eine Beratungstätigkeit angeheuert hatte. Nach dem 90-minütigen Gespräch wusste Stewart kaum Brauchbares über die Geschäftsbeziehung zwischen Epstein und Musk. Vielmehr gewann der Journalist den Eindruck, dass Epstein seine Bedeutung betonen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte – ein Verhaltensmuster, das offensichtlich typisch war für den Multimillionär.

Epstein und seine Promi-Freunde

Stewart beschreibt Epstein als einnehmende, charismatische Person, die sich tatsächlich in der Welt der Reichen und Mächtigen bewegte, wie es immer wieder kolportiert worden war. In seiner riesigen Wohnung führte Epstein den Journalisten zu einer Wand, wo viele eingerahmte Fotos mit prominenten Leuten hingen. Dabei zeigte er auf ein Bild mit einem Mann in traditioneller Araberkleidung. «Das ist MBS», sagte Epstein. MBS ist Muhammad bin Salman, Kronprinz von Saudiarabien, der oft bei Epstein zu Besuch gewesen sein soll. Auf einem Tisch sah Stewart andere Fotos, so etwa Epstein mit Bill Clinton oder Epstein mit Woody Allen. Der Ex-Präsident und der Regisseur hatten ihre eigenen Sexskandale.

Im Fall von Epstein geht die New Yorker Staatsanwaltschaft davon aus, dass er in den 2000er-Jahren Dutzende Mädchen missbraucht und zum Sex mit anderen Männern gezwungen haben soll. Der heutige US-Präsident Donald Trump sagte 2002 über seinen damaligen guten Bekannten Epstein, dass der Banker «schöne Frauen» möge und viele von ihnen «jünger» seien. Inzwischen ist längst klar, dass Epsteins Opfer nicht «jünger», sondern minderjährig waren. Angeblich führte Epstein ein «kleines schwarzes Buch», in dem am Ende die Namen von mehr als hundert Mädchen standen.

Im Gespräch mit dem Journalisten soll Epstein seine Vorliebe für junge Frauen und Mädchen verteidigt haben. Die Kriminalisierung von Sex mit Teenagern sei eine kulturelle Fehlentwicklung. In der Geschichte der Menschheit habe es Phasen gegeben, in denen dies gesellschaftlich akzeptiert gewesen sei. Epstein hatte offenbar keine Probleme, über seine Skandalvergangenheit zu sprechen.

Epstein und sein Biografie-Wunsch

Im Gespräch mit Stewart deutete Epstein sein brisantes Insiderwissen an. Er erzählte etwa über prominente Köpfe aus der Tech-Szene im Silicon Valley. Diese seien nicht die strebergleichen Workaholics, wie immer gesagt werde. Er könne bezeugen, dass viele von ihnen Hedonisten mit Drogen- und Sex-Eskapaden seien.

«Epstein kannte erstaunlich viele reiche, berühmte und mächtige Leute. Und er hatte Fotos, um dies zu beweisen», schreibt Stewart in seinem Beitrag für die «New York Times». «Zudem sagte Epstein, dass er ziemlich viel über diese Leute wusste. Er kannte Geschichten, die potenziell peinlich oder schädigend für die Betroffenen sind, inklusive Details über sexuelle Vorlieben und Häufigkeiten von Drogenkonsum.»

Nach dem Treffen im August 2018 hatte der Journalist monatelang keinen Kontakt mehr mit Epstein. Dann, im letzten Frühjahr, meldete sich Epstein bei Stewart und fragte diesen, ob er Interesse habe, seine Biografie zu schreiben. Stewart hatte den Eindruck, dass Epstein deprimiert gewesen sei und Gesellschaft und Aufmerksamkeit gebraucht habe. Der Journalist lehnte Epsteins Angebot jedoch ab, dann hörte er nichts mehr von ihm. Am letzten Samstag beging Epstein, 66-jährig, Suizid in seiner Gefängniszelle. (vin)

Erstellt: 13.08.2019, 15:18 Uhr

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