15'000 Likes und er stellt sich der Polizei

Nach dem 29-jährigen Jose Simms wird in den USA gefahndet. Nun hat er einen ungewöhnlichen Deal mit der Polizei gemacht.

«Die Umgebung alle fünf Sekunden abchecken zu müssen, ist stressig», sagte der flüchtige Jose Simms. Foto: Torrington police

«Die Umgebung alle fünf Sekunden abchecken zu müssen, ist stressig», sagte der flüchtige Jose Simms. Foto: Torrington police

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Siebenmal hat Jose Simms eine Gerichtsvorladung ignoriert. Nun wird er per Fahndung von der Polizei seines Heimatortes Torrington im US-Bundesstaat Connecticut gesucht. Und Simms hat einen ungewöhnlichen Deal mit den Behörden gemacht: Wenn sein Fahndungsbild auf Facebook 15'000 Likes erhält, will er sich der Polizei stellen.

Die aussergewöhnliche Abmachung wurde am Mittwoch von der Polizei öffentlich gemacht. Der 29-jährige Simms habe sich Anfang der Woche per Facebook gemeldet, schrieb Leutnant Brett Johnson auf der Site der Torringtoner Polizei. Simms habe gefragt, wann sein Fahndungsbild endlich auf Facebook erscheinen werde, und dann angeboten, sich bei 20'000 Likes für das Bild freiwillig der Polizei zu stellen. Er habe Simms dann auf 15'000 heruntergehandelt, sagte Johnson.

«Also, wir bitten um Likes und natürlich um Shares bei Twitter, Instagram, Snapchat oder jeder anderen Plattform da draussen, von der ich vielleicht nichts weiss», schrieb der Polizist. Das Ganze sei «schwierig, aber machbar» und auch schon anderswo in den USA praktiziert worden. Gleichzeitig rief er Leute, die wüssten, wo Simms sich aufhält, dazu auf, sich zu melden. «Das würde uns ein wenig Spannung ersparen.»

Als das Fahndungsbild auf Facebook erschien, kommentierte Simms: «Verdammt, so ein Schrottbild von mir.» Und Johnson antwortete: «Das ist das einzige, das wir finden konnten. Aber vielleicht können wir bald ein besseres machen?»

Simms schrieb der Nachrichtenagentur AP, dass er sich auf jeden Fall an sein Wort halten werde. «Ich wollte der Polizei einen kleinen Anreiz geben, da sie so hart daran arbeitet, mich zu schnappen», schieb er. Im Übrigen sei es anstrengend, auf der Flucht zu sein. «Die Umgebung alle fünf Sekunden abchecken zu müssen, ist stressig», sagte er. Seine Gerichtsverhandlungen hätten mit «häuslichen Problemen» zu tun. Was genau ihm vorgeworfen wird, ist unbekannt.

«Wir vermuten, dass Simms in New York sein könnte.»Leutnant Brett Johnson

Kritiker haben die Polizei für die Abmachung mit dem Gesuchten scharf kritisiert. «Ernsthaft? Ihr verhandelt mit Kriminellen via Facebook?», empörte sich Facebook-Nutzerin Terrie Jacklin. «Von mir kriegt ihr kein Like.» – «Das ist unethisch», sagte auch Maki Haberfeld, Expertin für Kriminalistik in New York. «Das macht aus der ganzen Sache einen Witz, die Leute werden Gesetzesverstösse als eine Art Spiel verstehen.» Die Polizei spiele Simms in die Hände. «Der will doch nur Aufmerksamkeit, und genau das kriegt er jetzt», sagte sie. «Das ist eine 100-prozentige Manipulation.»

Johnson verteidigte die Aktion. «Wir vermuten, dass Simms in New York sein könnte», schrieb er auf Facebook – also etwa 200 Kilometer südlich von Torrington. «Wenn das der Fall sein sollte, hätten wir keinen Zugriff auf ihn in einem anderen Bundesstaat. Da wäre es doch gut, wenn er sich freiwillig stellen würde.»

Die Grenze von 15'000 Likes wurde schon nach wenigen Stunden erreicht, inzwischen sind es weit über 20'000. Eine erfolgreiche Festnahme konnte die Polizei allerdings (noch?) nicht melden.

Erstellt: 23.05.2019, 19:21 Uhr

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